#DuFürDurlach – Es ist 5 nach 12 ...

Initiatorinnen der Mahnwache (v.l.): Meike Eberstadt (Kräuterladen) und Hatice Kammerer (Werk#stoff). Foto: cg

Initiatorinnen der Mahnwache (v.l.): Meike Eberstadt (Kräuterladen) und Hatice Kammerer (Werk#stoff). Foto: cg

Unter dem Motto „Wir sehen rot. Ohne uns stirbt Durlach!“ machten Durlacher Gewerbetreibende am Samstag (20. Februar 2021) auf ihre aktuelle Situation aufmerksam.

Auf die private Initiative von Meike Eberstadt (Kräuterladen Durlach) und Hatice Kammerer (Werk#stoff), sowie der Unterstützung der Wirtschaftsvereinigung DurlacherLeben e.V., trafen sich rund 50 Gewerbetreibende, Dienstleister, Gastronomen, Vereine und Bürger, um gemeinsam auf die äußerst angespannte Lage in Durlach und Aue aufmerksam zu machen. Die Geschäfte müssen seit über zwei Monaten erneut die Türen geschlossen lassen, während der Online-Handel und größere Gemischtwarenläden ihnen den Rang drohen abzulaufen. Und das, obwohl vernünftige Hygienekonzepte bestehen und in den kleineren Läden oft besser umgesetzt werden könnten.

„Die prekäre Situation ist bei uns allen angekommen“, so der stellvertretende Ortsvorsteher Martin Pötzsche, der sich direkt ein Bild von der Lage machte. „Wenn die Innenstadt verödet, droht uns ein Dominoeffekt, der die Dienstleister, die Kulturschaffenden und dann alle Bürgerinnen und Bürger betreffen wird und dann nicht mehr zu stoppen ist“, so das düstere Bild des Grünen-Politikers.

Hilfen reichen nicht aus

„Es ist kurz nach 12“, betont Inka Sarnow, selbstständige Anwältin und Finanzvorstand von DurlacherLeben: „Die Hilfen reichen nicht aus oder kommen zu spät, vielen steht das Wasser schon über den Hals“. Dabei liege es nicht an der Solidarität der Durlacherinnen und Durlacher, so Sarnow, denn die ist ungebrochen, aber es fehle an der Laufkundschaft, also an frischem Geld, welches nach den Umständen, die vorliegen, in den Online-Handel oder die Discounter fließt.

„Klar, es ist etwas aufwändiger geworden, einzukaufen“, konstatiert die Initiatorin der Mahnwache, Meike Eberstadt, „aber über 50 zum großen Teil inhabergeführte Geschäfte bieten 'Click & Collect' an oder liefern teils kostenneutral aus“. So prüfen beispielsweise die Rundum gesund Apotheken, ihren Fahrdienst auch für andere Unternehmen zur Verfügung zu stellen. „Wir hätten noch Kapazitäten frei“, so Dr. Rainer Lingg in einer Online-Pressekonferenz.

Es betrifft jeden

Dass die Situation bereits im Bewusstsein der meisten Menschen angekommen ist, zeigt auch die Teilnahme von Bürgern, die ihre Solidarität zu Ausdruck bringen wollen. „Ich wünsche mir, auch nach Corona in Durlach wieder einkaufen zu können“ steht auf einem Plakat. Und das Ehepaar Andrea und Peter Wüstner vom Musikforum Durlach stehen vor dem Rathauseingang mit ihren Instrumenten, die symbolisch keinen Ton von sich geben. „Wir sehen den Betrieb unserer Musikausbildung in Gefahr“, so die Vorsitzende Wüstner, „sind aber immer noch voller Hoffnung auf der Suche nach größeren Räumlichkeiten, wo unsere Gruppen nach Hygienevorschriften Proben können“ (wer etwas weiß, nimmt bitte direkt Kontakt auf – siehe Weitere Informationen).

Nach zwei Stunden war die Zusammenkunft friedlich und mit nur zwei sichtbaren Ordnungshütern begleitet zu Ende. Was bleibt ist ein Klos im Hals, denn die existenzbedrohende Lage so nah und so deutlich vor die Augen gesetzt zu bekommen, macht nachdenklich und hilflos.

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