Bürgeraktion Eisenhafengrund: „Der große Bluff der Witzenhausen Institut GmbH mit der Empfehlung für eine Trockenvergärung des Karlsruher Bioabfalls?“

Wie wird in Karlsruhe mit dem Biomüll zukünftig verfahren? Foto: cg

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Wie kann es sein, dass es günstiger sein soll, eine neue von der Verwaltung favorisierten Bioabfalltrockenvergärungsanlage für 20 Mio. € zu bauen gegenüber der bisher erfolgreich arbeitenden Nassvergärung, die für nur 4 Mio. € auf den neuesten Stand gebracht werden kann? Zusätzlich werden durch die neue Anlage 24.000 m² Fläche im Eisenhafengrund versiegelt und riesige neue Hallen benötigt. Ersparnisse sollen angeblich damit zu erzielen sein. Dieser Frage geht nun intensiv die Bürgeraktion Eisenhafengrund nach, mit dem Ziel, die Landschaft zu schonen und dem Steuerzahler unnötige Ausgaben in Millionenhöhe zu ersparen – Pressemitteilung vom 27. April 2013.

Obwohl ein Angebot für die Sanierung der Nassvergärung vorlag, schwenkte die Stadtverwaltung plötzlich aufgrund eines Gutachtens der Witzenhausen Institut GmbH auf den kompletten Neubau einer Trockenvergärung um. Im Gutachten heißt es: „Die Kostenschätzung für die Erweiterung der Nassvergärung liegt ausführlich vor und wird als realistisch eingeschätzt“. Dann kommt in dem Gutachten aber die Empfehlung für eine komplett neue Anlage mit dem Argument, dass es nur EU-Fördergelder gäbe, wenn die Nachrotte direkt bei der Vergärungsanlage erfolge (was bei der Nassvergärung seit 1977 der Fall war!). Inzwischen gibt es diese Förderung nicht mehr.

Die Bürgeraktion untersucht nun die Zahlen, die  belegen sollen, warum „neu“ unbedingt günstiger sein soll. So wird die Gebäudeabschreibung mit 25 Jahren bzw. 4 % pro Jahr vorgenommen, was normalerweise in Ordnung ist. Schon jetzt weiß man aber, dass es in 5 bis 10 Jahren ganz neue und viel umweltfreundlichere Vergärungsverfahren geben wird, die momentan noch in der Erprobung sind. Ein Bau der Trockenvergärungsanlage würde aus finanziellen Gründen 25 Jahre lang Fortschritt ausschließen. Bewährt hat sich z.B. schon ein Verfahren, bei dem der gesamte Hausmüll in einem Behälter landet und dann sortiert, vergoren und danach in verschiedenen Fraktionen getrennt wird. Die bisherige Nassvergärungsanlage ist im Grunde bereits vollständig abgeschrieben!

Weiter heißt es in dem Gutachten, dass bei der alten Anlage jährlich hohe Reparaturkosten anfallen. Genau dies ist bei der übergroßen neuen Anlage für den jährlichen Unterhalt in einem viel höheren Maß erforderlich. Nicht berechnet wurde das Ausmerzen der Kinderkrankheiten und das Schulen und Einarbeiten einer neuen Mannschaft. Kosten, die aufgrund einer erfahrenen Mannschaft für die Nassvergärung nicht anfallen.

Nachdem das Witzenhausen Institut GmbH das Gutachten erstellt hatte, führte u.a. igw-Witzenhausen Planungsarbeiten durch. Geschluckt wurde diese Firma von der Pöyry Environment GmbH, die widerum in den unterschriftsreifen Verträgen zum Bau der neuen Anlage für die Bauaufsicht und Überwachung vorgesehen ist. Für die Bürgeraktion stellt sich also die Frage: Sind die Gutachter neutral oder wegen den Folgeaufträgen einseitig auf Neubau fixiert?

Die Stadt Karlsruhe kann viel Geld sparen, wenn die bisherige Nassvergärung, die sogar eine bessere Gasausbeute als die geplante Neuanlage hat, saniert und auf neuesten Stand gebracht wird oder der Bioabfall fremd entsorgt wird und man in 5 Jahren eine wirklich umweltfreundliche und kostengünstige Müllverwertungslösung gefunden hat.

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