Großer Diskussionsbedarf um Standort und Verfahren einer Biovergärungsanlage

Großer Diskussionsbedarf um Standort und Verfahren einer Biovergärungsanlage. Foto: pm

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Über 70 Teilnehmer kamen zum ersten öffentlichen Diskussionsforum der Bürgeraktion Eisenhafengrund.

Letztere will bekanntlich die gewaltige Umweltzerstörung und wahrscheinlich unnötige zusätzliche Versiegelung des Eisenhafengrundes verhindern. Professor Josef Winter vom KIT, Institut für Ingenieurbiologie, erläuterte die verschiedenen Verfahren der Biovergärung und sprach sich eindeutig für die Nassvergärung aus, die es zur Zeit bereits beim Durlacher Müllberg gibt. Die in die Jahre gekommene Anlage muss allerdings saniert oder durch eine neue, technisch und von der Anordnung der Anlagenteile verbesserten Nass-Biovergärungsanlage ersetzt werden. Die Kosten liegen unter denen einer Trockenvergärungsanlage. Auch die Energieausbeute liegt bei der Nass-Biovergärungsanlage um ein Vielfaches höher als bei der vom Dezernat 5 bisher gewollten Trocken-Biovergärungsanlage.

Begrüßt wurde, dass die Vertreter der Stadt ausdrücklich betonten und von einem „offenen Verfahren“ sprachen, bei dem Standort und Art der Biovergärung noch nicht festgelegt seien. Denn fast alle Teilnehmer meinten, das Dezernat 5 habe mit seinen Vorgaben bisher vermittelt, dass genau der Standort und das Verfahren schon festgelegt seien. Nicht nur von den zwei anwesenden Oberbürgermeisterkandidaten, Herren Wellenreuther und Wenzel, wurde in der Diskussion gefordert, das angestrebte Trockenverfahren mit seinen Problemen bei der Nachrotte kritisch unter die Lupe zu nehmen. Herr Wellenreuther wies noch mal auf das HTC-Verfahren hin, dessen Weiterentwicklung von der Karlsruher Firma AVA-CO2 derzeit betrieben wird. Herr Thomas Reisch (Firma AVA-CO2) erklärte, dass es kein Problem sei, die in Karlsruhe anfallenden Mengen an Bioabfall und Klärschlämmen wesentlich kostengünstiger zu verarbeiten, als mit den Biovergärungsanlagen, ob Nass oder Trocken.

Kritisch hinterfragt wurde die zusätzliche Belastung der Rittnert- und Ochsenstraße als Zufahrtsweg zur Mülldeponie. Der Hohlweg soll für die Begegnung von LKWs aufgeweitet werden. Nicht akzeptiert wurde von den Teilnehmern, dass die Stadt für die neue, große Vergärungshalle einen Architektenwettbewerb ausschreiben will. An der Landschaftsverschandelung, Versiegelung von wertvollem Boden und an der Geruchsbelästigung würde dies überhaupt nichts ändern, außer die Kosten nochmals steigern.

Die Bürgeraktion wies darauf hin, dass die Müllgebühren in Karlsruhe extrem hoch seien. So kostet z.B. eine 120 Liter Restmülltonne bei 14-tägiger Leerung pro Jahr in Karlsruhe 360,12 €, im Ortenaukreis 162,12 €, im Landkreis Karlsruhe 166,00 €, in Heidelberg 220,00 € und in Rastatt 234,20 €.

Die Bürgeraktion Eisenhafengrund machte mehrmals ausdrücklich darauf aufmerksam, dass durch einen zentralen Standort der Biovergärungsanlage durch Arbeitszeit- und LKW-Kilometerersparnisse über 700.000 € im Jahr eingespart werden können. Es gibt sicherlich auch Wege, wenn vom Dezernat 5 gewollt, die Abwärme an anderen Stellen zu verkaufen.

Die Bürgeraktion Eisenhafengrund wird aufgrund der großen Resonanz nun verschiedene Biovergärungsanlagen besuchen und weitere Diskussionsforen veranstalten. Eine Internetseite wird derzeit erstellt und noch bekannt gegeben.

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