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Ein Haus erhitzt die Gemüter

Ein Haus erhitzt die Gemüter. Foto: om

Stellen sich quer (v.l.n.r.): Günther Malisius, Robin Cordier und Mirko Felber vom Historischen Verein. Fotos: om

Anfang August 2018 lud der Arbeitskreis Stadtbild Durlach im Historischen Verein Durlach e.V. Medien- und Pressevertreter, sowie interessierte Bürger zur Sachstandsklärung und Gespräch zum Thema „Abriss des Torwächterhauses“ ins Hotel Restaurant Zum Ochsen – direkt gegenüber – ein.

Zusammen mit Gastgeber Gérard Jollit, der sich ebenfalls gegen den Abriss einsetzt (siehe Artikel zum Thema), legte der Vorstand des Historischen Vereins zunächst den Sachstand dar und führte anschließend durch die Geschichte des Hauses, sowie dessen Bedeutung für das Durlacher Stadtbild.

Günther Malisius erklärte, dass die Zefie gemeinnützige GmbH das Gebäude gekauft und einen Abrissantrag bei der Stadt gestellt hat. Dieser wurde aufgrund des fehlenden Denkmalschutzes erteilt und nur durch Zufall bekam der Freundeskreis über den direkten Kontakt zum Ortschaftsrat Wind von den Geschehnissen. Laut Bauantrag soll ein doppelt so großes Gebäude entstehen, das die Gestalt und den Geist des noch existierendem Gebäudes aufnehmen und erhalten soll. Genutzt werden soll das neue Gebäude für die Inobhutnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (abgekürzt: umF bzw. MUFL).

Mirko Felber referierte anschließend über den ehemaligen Nutzen des Hauses. „Als Zollstation war dieses Haus wichtig für die Selbstständigkeit Durlachs“, so der Architekt, „und auch Karlsruhe hatte was davon, denn diese Stadt ist aus Durlach entstanden“. Kritik übte Felber am Vorgehen des Denkmalamtes, welches nur zu einer Sichtung gekommen sei und nicht „unter den Putz“ geschaut habe. Daraus ergab sich nach Meinung des Historikers nur eine oberflächliche Bewertung, welche zur Ablehnung des Denkmalschutzes führte.

Der Leiter das Arbeitskreises Stadtbild Durlach, Robin Cordier, verdeutlichte seine Kritik gegenüber der Stadt, welche durch ihr Nichtinfomieren dafür gesorgt hat, dass der Abriss von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt durchgewunken wurde. „Erst ein Jahr nach Antragsstellung haben wir Kenntnis davon erhalten und das nur durch Zufall“, so Cordier, man könne von Glück sprechen, dass Vorsitzender Günther Malisius auch Mitglied des Durlacher Ortschaftsrats ist. Der gebürtige Durlacher verwies die Anwesenden auf §4 der Durlacher Gestaltungssatzung aus dem Jahre 1998, in dem sinngemäß steht, dass die Genehmigung für eine Veränderung erteilt werden kann, wenn diese die Gesamtlage unerheblich oder nur vorübergehen beeinflusst, bzw. überwiegende Gründe des Gemeinwohls unausweichlich Berücksichtigung verlangen. Im Umkehrschluss hieße das, dass ein Denkmalschutz sehr wohl erteilt werden kann, wenn das öffentliche Interesse groß genug sei. Aus diesem Grunde wurde neben der bereits seit einiger Zeit laufenden Online-Petition (siehe Links), auch eine Petition an den Ausschuss im Landtag gestellt (siehe Downloads). Codier stellte abschließend klar, dass die Vorwürfe, der Arbeitskreis würde versuchen den Eigentümer fertig machen zu wollen, völlig haltlos seien, „uns geht es ausschließlich um die Sachlage, das Torwächterhaus zu erhalten“.

Auf die im Raum stehende Argumentation des Eigentümers, dessen Geschäftsstelle gegenüber des Torwächterhauses liegt, das Gebäude sei nicht mehr im Originalzustand, kontert Cordier, dass in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nahezu jedes Haus in der Altstadt saniert wurde, um die Wohnqualität auf ein normales Maß zu bringen.

Eine weitere öffentliche Arbeit zu diesem Thema wird mit der Unterschriftensammlung vor Ort eingesetzt. Diese durch Mitglied Jürgen Leitz betreute Aktion habe nach dessen Einschätzung eine große Resonanz und werde konstant fortgeführt.

Bei den anschließenden Fragemöglichkeiten aus der Runde wollte Traudl Schucker wissen, wie man den Arbeitskreis auch weiterhin unterstützen kann, damit das Thema nicht „abreißt“. Der Leiter des Arbeitskreises munterte die Bevölkerung auf, auch weiterhin Unmut zu äußern, beispielsweise durch Leserbriefe (siehe Artikel zum Thema) oder mit dem genauen überlegen, wo man bei der nächsten Kommunalwahl sein Kreuzchen setzt.

Auf die Frage, wie es begründet ist, dieses Gebäude überhaupt zu schützen, da es sich ja nicht mehr im Original befände, machte Felber deutlich, dass zunächst einmal klar sein muss, dass es in Durlach keinen Mittelalterlichen Charakter gibt, auch wenn er immer beworben wird. „Nach dem Brand von 1689 durch Sonnenkönig Ludwig XIV, wurde Durlach erst Mitte des 18 Jahrhunderts wieder vollständig aufgebaut und die Gebäude wurden dann mehrmals nicht vollständig nachvollziehbar verändert“. Der Arbeitskreis sei nicht gegen weitere Veränderungen des Torwächterhauses, es soll lediglich das äußere Erscheinungsbild erhalten bleiben. Als eine mögliche Lösung sieht der Historische Verein auch in der Sanierung des Bestandes und den Anbau eines weiteren Gebäudes, um auf die gewünschte Wohn- und Nutzungsfläche zu kommen. Vermutlich werden allerdings Fördergelder nur bei Abbruch und Neubau gewährt, so der Vorstand unisono.

Abschließend stellte Gastgeber Gérard Jollit die Frage, warum die Stadt Karlsruhe das Gebäude nicht kaufen würde. Malisius erklärte, der Ortschaftsrat habe diesen Antrag bereits gestellt, er wurde bisher allerdings abgelehnt. Man bleibe an der Sache dran und die Chance, dass dies doch noch klappt, wird durch das steigende öffentliche Interesse und der Tatsache begünstigt, der Eigentümer habe nach Aussagen des Freundeskreises signalisiert, ihn beginne das Thema „zu nerven“ und er würde einem Verkauf unter Umständen zustimmen. Die anschließenden Nutzungsmöglichkeiten seien vielfältig, Vorschläge könne der Historische Verein jederzeit vorbringen.

Fotos

von om veröffentlicht am 07.08.2018

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