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Fernwärme für Durlach

Symbolischer Anschluss: Die Markgrafenstadt mit der Raumfabrik ist nun Teil des Fernwärmenetzes (v. l.): Klaus Ochs, Alexandra Ries, Gabriele Luczak-Schwarz und Dr. Karl Roth. Foto: pm

Seit dieser Heizperiode können auch die Durlacher mit Fernwärme heizen. In den letzten beiden Jahren haben die Stadtwerke Karlsruhe eine 4 Kilometer lange Leitung nach Durlach gebaut, die rund 8 Millionen Euro gekostet hat.

Pläne für eine Fernwärmeversorgung von Durlach gab es schon länger. Beflügelt wurden diese Pläne durch den Wunsch von dm, die neue Firmenzentrale in der Durlacher Untermühlsiedlung CO₂-arm mit Fernwärme zu beheizen. Als dann auch die Raumfabrik auf dem ehemaligen Pfaff-Gelände Interesse bekundete, war der Leitungsbau beschlossen. „Die Karlsruher Fernwärme ist eine ökologische, klimaschonende Heizenergie. Wir haben uns sehr gefreut, dass unsere Fernwärme die Wunschenergie für den dm-Neubau und viele neue und bestehende Gebäude auf dem Gelände der Raumfabrik war“, so Dr. Karl Roth, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Karlsruhe.

Der Bau der Leitung nach Durlach ist Teil einer groß angelegten Fernwärme-Ausbaustrategie. Sie begann 2011 mit dem Bau der so genannten Südschiene, die Daxlanden, Grünwinkel, die Heidenstückersiedlung sowie Oberreut erschließt. Das Ziel des Unternehmens, bis 2020 rund 40.000 Karlsruher Wohnungen mit Fernwärme zu versorgen, ist durch die vorliegenden Aufträge bereits erfüllt. Schon ans Fernwärmenetz angeschlossen sind zurzeit über 34.600 Wohnungen. Dazu kommen zahlreiche öffentlich oder gewerblich genutzte Gebäude. Mit dem Baubeginn für die Leitung in die Nachbargemeinde Rheinstetten in diesem Frühjahr erobert die Karlsruher Fernwärme sogar das Umland.

Vom Ostring zur Raumfabrik

Die Leitung nach Durlach beginnt bei der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge an der Kreuzung des Ostrings mit der Durlacher Allee. Sie wird ab dem Herbst 2020 auch im neuen IKEA-Möbelhaus an der Durlacher Allee für Wärme sorgen. Größtes Etappenziel ist das Gelände der Raumfabrik. Zurzeit wird die Leitung bis ins ehemalige Areal der Badischen Maschinenfabrik Durlach weitergebaut. In den nächsten Jahren werden die Stadtwerke das
Netz in Durlach sukzessive weiter ausbauen.

Viele Hindernisse

Beim Bau der Trasse durch die Netzservice-Gesellschaft der Stadtwerke mussten zwei Bahnstrecken über- bzw. unterquert werden. Der Einbau der rund 17 Tonnen schweren Rohrbrücke über die Hauptbahnlinie von Frankfurt nach Karlsruhe fand nachts statt, um den Bahnverkehr so wenig wie möglich zu stören. Eine Rohrführung unter den Gleisen hindurch war von der Bahn nicht genehmigt worden.

Ein aufwendiger Leitungsabschnitt war auch die Unterquerung der A5 im so genannten Micro-Tunneling-Verfahren. Zwei Hülsrohre wurden unter der sechsspurigen Hauptverkehrsachse durchgepresst. In diese knapp 70 Meter langen Betonrohre kamen dann die Kunststoffmantelrohre für den Vor- und Rücklauf der Fernwärme. Auf der Autobahn installierten die Stadtwerke ein Messsystem, das eventuelle Setzungen oder Hebungen registrierte. „Das war eine Premiere, wir haben noch nie eine Fernwärmeleitung unter einer Bundes-Autobahn gebaut. Zum Glück ist alles nach Plan verlaufen und es gab keinerlei Verkehrsbehinderungen auf dieser wichtigen Nord-Süd-Achse“, so Roth.

Niedriger Primärenergiefaktor und geringer CO₂-Ausstoß

„Die Karlsruher Fernwärme stammt zu über 90 Prozent aus Abwärme aus der Raffinerie oder bei der Stromerzeugung“, so Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz. Daher ist der Primärenergiefaktor von nur 0,26 ein Spitzenwert für ein über 200 Kilometer langes städtisches Fernwärmenetz. Eine Ölheizung hat zum Beispiel einen Primärenergiefaktor von 1,1. Er beschreibt das Verhältnis der eingesetzten Primärenergie zur abgegebenen Endenergie. Dabei gilt: Je kleiner er ist, desto umweltschonender und effizienter ist der Energieeinsatz. Weil die Karlsruher Fernwärme mit ihrem sehr niedrigen Primärenergiefaktor laut den Wärmegesetzen fast den erneuerbaren Energien gleichgestellt ist, können Bauherren kostensparend planen und bauen.

Die Karlsruher Fernwärme punktet aber nicht nur beim Primärenergiefaktor. Auch beim spezifischen Feinstaub-, Kohlendioxid- und Stickoxidausstoß spielt sie in der ersten Liga. So schneidet sie zum Beispiel im Vergleich zu Heizöl beim CO₂-Ausstoß 5 mal, beim Ausstoß von Stickoxiden 10 mal und beim Feinstaub 8 mal besser ab. Die Nutzung von Abwärme aus der MiRO im Karlsruher Fernwärmenetz hat übrigens Pilotcharakter und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet – zuletzt mit dem Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg.

„Der Karlsruher Fernwärme-Ausbau ist ein wichtiger Beitrag zur Wärmewende und das größte Klimaschutz-Projekt in Karlsruhe. Die CO₂-arme Beheizung von tausenden von Wohnungen hilft uns, die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Stadt zu erfüllen“, so die Erste Bürgermeisterin.

Weitere Informationen

Daten und Fakten zur Durlach-Leitung:
Länge: ca. 4 km
Kosten: ca. 8 Mio. €
Nennweite: 150 bis 250 mm
Kapazität: ca. 18 MW
Vorlauftemperatur: 80 bis 120 °C
Bauzeit: ca. 3 Jahre

von pm veröffentlicht am

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