Massiver Schwammbefall: Denkmalstiftung fördert Sanierung der Bergfriedhofskapelle

Symbolische Scheckübergabe vor der Grabkapelle. Foto: cg

Die Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, Nicole Razavi, übergab am Mittwochabend den symbolischen Förderscheck zusammen mit Lotto-Geschäftsführer Georg Wacker (rechts von ihr) an Mätthaus Vogel, Leiter des Friedhofs- und Bestattungsamtes (l.), OB Frank Mentrup und an den Stellv. Durlacher Ortsvorsteher Martin Pötzsche (r.). Fotos: cg

Die Kapelle auf dem Bergfriedhof in Durlach stammt aus dem Jahr 1902. Zahlreiche Balken der Dachkonstruktion sind inzwischen von einem Schwamm befallen und müssen ausgetauscht werden. Auch die Fassaden und der Innenraum stehen zur Renovierung an. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützt die Stadt dabei mit einem Zuschuss von 150.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale.

„Für die Reparaturen ist es inzwischen höchste Zeit, der Dachstuhl musste bereits abgestützt werden“, betont Nicole Razavi MdL, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen und zugleich Kuratoriumsvorsitzende der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. Trauerfeiern waren zuletzt nur noch dank dieser Notsicherung möglich. „Die stattliche Kapelle im Stil des Späthistorismus soll aber ihrer Funktion wieder gerecht werden können und nach der denkmalgerechten Sanierung uneingeschränkt nutzbar sein“, unterstreicht Razavi.

Der als Park angelegte Friedhof am Fuße des Turmbergs wurde Ende des 19. Jahrhunderts notwendig, als mit der Industrialisierung auch die Bevölkerung von Durlach stark gewachsen und der bisherige Friedhof zu klein geworden war. Die Kapelle, an die Leichenhalle und Aufbahrungsräume angeschlossen sind, entstand nach Plänen des evangelischen Kirchenbaurats Rudolf Burckhardt in einem Baustil, der sowohl Elemente der Romantik wie auch der Gotik aufgriff. So prägt etwa eine große Maßwerkrose in gotischem Stil das Eingangsportal, während die Formensprache der roten Sandsteinelemente an der Putzfassade zum Teil romanisch inspiriert ist.

„Die Kapelle auf dem Bergfriedhof von Durlach kann man deshalb als anschauliches und zeittypisches Beispiel des Späthistorismus bezeichnen“, erklärt Razavi. „In spielerischer Freiheit sind hier Elemente verschiedenster Epochen kombiniert. Umso dringender muss dieses architekturhistorisch und heimatgeschichtlich wichtige Kulturdenkmal erhalten werden.“

Dazu sollen nicht nur der schädliche Schwamm bekämpft und die Dachkonstruktion repariert werden – auch die Fassaden aus Putz und Sandstein sollen instandgesetzt und der komplette Innenraum restauriert und gereinigt werden. Hinzu kommen Reparaturen und Säuberungen an den Bleiglasfenstern.

150.000 Euro aus Lotterieerträgen

In Baden-Württemberg fließen jährlich rund 28 Millionen Euro aus Lotteriemitteln in den Denkmalschutz. Davon profitiert nun auch die Stadt Karlsruhe. „Das Geld der GlücksSpirale macht es der Denkmalstiftung Baden-Württemberg möglich, wertvolle Kulturdenkmale zu erhalten. Unser Landesunternehmen leistet damit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag“, betont Lotto-Geschäftsführer Georg Wacker bei seinem Besuch in Durlach. „Diese Unterstützung ist vor allem den Tipperinnen und Tipper zu verdanken, denn sie machen dieses gemeinwohlorientierte Lotto-Prinzip als heimliche Mäzene möglich.“

Oberbürgermeister Frank Mentrup sprach bei der Unterzeichnung des Zuwendungsvertrags am Mittwochabend seinen Dank an die Ministerin aus. Neben den 150.000 Euro aus der Denkmalstiftung wird das Sanierungsvorhaben aus dem Denkmalförderprogramm des Landes mit 216.000 Euro unterstützt (siehe Artikel zum Thema). „Das hilft uns natürlich sehr, diese im Moment auf 2,2 Millionen erwartete Sanierung des Dachstuhls aber auch vieler anderer Bereiche der Kapelle am Bergfriedhof sicherzustellen“, freut sich Mentrup.

Zeltkonstruktion im Gespräch

Versucht werde, die umfagreichen Instandsetzungsarbeiten bis Ende 2023 abzuschließen. Als Alternative für diesen Zeitraum sei aktuell eine Zeltkonstruktion im oberen Bereich des Bergfriedhofs im Gespräch, so Matthäus Vogel, Leiter des Friedhofs- und Bestattungsamtes in Karlsruhe. Endgültig sei hier die Entscheidnung noch nicht gefallen. Auch wäre ein Ausweichen für Trauerfeiern auf die Friedhöfe in Aue und Grötzingen möglich.

Weitere Informationen

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie über 1.600 Vorhaben mit annähernd 64 Millionen Euro gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten.

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