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Liebe kennt weder Liga noch Barrieren

Carsten de la Porte mit einem seiner Schützlinge. Foto: pm

KSC Behinderten-Fanbeauftragter Carsten de la Porte entwickelt gemeinsam mit der Initiative „Inklusion muss laut sein“ einen bundesweiten Begleitungsservice für Menschen mit Handicap in Fußball-Stadien.

Carsten de la Porte, Leiter der Regionalgruppe Südwest der BBAG (BundesBehindertenfanArbeitsGemeinschaft e.V.) sowie Behinderten-Fanbeauftragter beim Karlsruher SC, und Ron Paustian von „Inklusion Muss Laut Sein (IMLS)“ setzen sich für mehr selbstbestimmte Teilhabe im Bereich Fußball ein – und das bereits über Jahre hinweg. Der Karlsruher Verein „Cent hinterm Komma“, dessen Geschäftsführer de la Porte ebenfalls ist, gilt seit langem schon als einer der Vorreiter in Sachen Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Handicap in Karlsruhe. Dies beweisen etliche Projekte, die der Verein bereits erfolgreich in der Vergangenheit umgesetzt hat.

„Ziel ist es stets, die gemeinsame Aktivität in den Vordergrund zu stellen. Behinderte brauchen keinen Sonderangebote, sondern Qualität und Normalität“, so de la Porte zur Intension seines Schaffens. Dabei ist der Verlauf der Projekte meist der gleiche. Irgendwo entsteht eine Idee, diese wird durchdacht und konzipiert und anschließend übernimmt ein fachkundiger Partner die alltägliche Umsetzung. „Man benötigt vor allem die Expertise von Spezialisten, um adäquate und authentische Teilhabe zu schaffen,“, erklärt der 50-jährige Netzwerker. Dann baue man nicht einfach einen Spielplatz speziell für behinderte Kinder, sondern einen Spielplatz auf dem Kinder gemeinsam Spaß haben können, jedes nach seinen Möglichkeiten und egal, welches Handicap da mitspielt.

Auf der letzten Regionaltagung Südwest der BBAG in der Opel Arena, Spielstätte des Bundesligisten Mainz 05, wurde der Grundstein für ein neues und einzigartiges Projekt im Bereich von Sportveranstaltungen gelegt. Zusammen mit den Vertretern der jeweiligen Vereine stellte Paustian ein Konzept für mehr Teilhabe vor. Dieses bezieht nicht nur die Vereine und Fans mit ein, sondern es entsteht ein ganz neues Netzwerk. Auf Augenhöhe wollen alle Beteiligten einen ersten Testlauf starten und so einen Gewinn für die Fans, die sich vielleicht noch nicht ins Stadion trauen, denen eine Begleitperson fehlt, oder wo kurzfristig eine Begleitung erkrankt, schaffen.

BUDDIE-Netzwerk bildet Projektbasis

„Inklusion Muss Laut Sein“ verfügt bereits über jahrelange Erfahrungen in der Begleitung von Menschen mit Handicap zu Konzerten und Festivals. Über 1.500 sogenannte „Buddies“ sind bundesweit in einer Datenbank gelistet, haben dort ein Profil angelegt, in dem bevorzugte Künstler und Regionen gespeichert sind, beruflicher Background sowie Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit Handicap und alle relevanten Daten, um es den Betroffenen zu ermöglichen, bedarfsgerecht ihre potenziellen Begleitungen zu matchen. IMLS führt die Partner zusammen und übernimmt sogar etwaige Kosten, die dem BUDDIE entstehen, wie Reisekostenerstattung und Eintrittsgelder. „Und eine Wurst und ein Bier sind natürlich auch noch drin“, ergänzt Paustian, der IMLS gegründet hat und diesen Vermittlungsservice seitdem kostenlos anbietet.

De la Porte und Paustian entwickelten die Idee zu einem gemeinsamen Projekt, welches sich auf das vorhandene BUDDIE-Netzwerk stützt. „Schon beim ersten Telefonat im vergangenen Herbst war klar, da haben sich zwei gesucht und gefunden“, beschreibt Paustian den Erstkontakt der beiden Inklusions-Profis. „Wir haben einfach mal rumgesponnen und im Handumdrehen waren zwei Stunden vergangen und ein neues Kind geboren“.

Ein erstes, sehr umfangreiches Konzept liegt bereits vor und wird zunächst von den Proficlubs in Südwestdeutschland von Freiburg über Karlsruhe bis nach Frankfurt in einem Pilotversuch geprüft, welche Punkte und Dienstleistungen auf ihre Bedürfnisse zutreffen. Im Juli 2019 soll dann das Konzept bundesweit vorgestellt werden, um dieses schnell und effektiv umzusetzen. „Inklusion Muss Laut Sein“ freut sich über die Zusammenarbeit und wünscht allen Beteiligten viel Erfolg für ihre Fans, BUDDIES und für die Teilhabe.

Mit der Ausweitung der Interessen auf Fußballspiele wird dem Rechnung getragen, dass bereits viele Vereine Teilhabe und Inklusion in ihre Stadien bringen. Sie verändern Bauliches und wirken so als Vorreiter in Sachen Inklusion, sie stellen Hilfsmittel und erarbeiten neue Wege. Mit den Fußball-BUDDIES von „Inklusion Muss Laut Sein“ möchte man nun einen weiteren Service für alle bieten.

KSC baut Angebot für Menschen mit Handicap aus

Die Initiative zeigt einmal mehr, dass die Liebe zum Fußball keine Liga und schon gar keine Barrieren kennt. Beim Karlsruher Drittligisten ist dies eine weitere Ergänzung des Angebots für Menschen mit Handicap rund um die Spiele im Wildpark. Neben einer Audio Description für Blinde und Sehbehinderte, die ebenfalls fortlaufend weiterentwickelt wird, hat sich nun auch im Januar 2019 der erste Gehörlosen-Fanclub „Deaf Karlsruhe“ gegründet. Hier warten ganz neue Herausforderungen auf den Behinderten-Fanbeauftragten der Blau-Weißen. Themen wie Gebärdendolmetscher oder Möglichkeiten der Visualisierung von Ereignissen rund um ein Spiel sind zwar noch Neuland in Karlsruhe, jedoch verspricht sich de la Porte gerade durch den Neubau weitere Möglichkeiten solche inklusiven Angebote auszuweiten. „Es freut mich sehr, dass sich der KSC gerade gegenüber diesem Thema sehr offen zeigt und ich auch aktiv einbezogen werde in die Planungen“, freut sich de la Porte. Ein Zeichen dafür, dass Fußball die schönste Nebensache der Welt ist und bleibt und Barrieren dafür da sind, sie zu überwinden – auch beim Fußball!

Weitere Informationen

Cent hinterm Komma e.V. auf Durlacher.de

von dlp veröffentlicht am

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