Direkte Integration gelingt, aber Langzeitarbeitslosigkeit bleibt

Blick auf Karlsruhe. Foto: cg

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Auch Hilfen für Prostituierte und Wohnungslose im Sozialausschuss bilanziert.

Wesentlichen Hilfsangeboten – in Karlsruhe speziell für die Zielgruppen Arbeitslose, Prostituierte und Wohnungslose erfolgreich erbracht, aber auch dauerhaft vonnöten – hat sich der Sozialausschuss unter Vorsitz von Bürgermeister Martin Lenz in seiner jüngsten nichtöffentlichen Sitzung gewidmet. So legte das Jobcenter dem im Rathaus tagenden Gremium seine Jahresbilanz mit dem Kernergebnis vor, die vereinbarten Zielwerte 2015 erreicht beziehungsweise übertroffen zu haben: Es konnten 4.112 Integrationen in Arbeit und Ausbildung vollzogen werden, berichtete Geschäftsführer Hans-Peter Kölmel ein Plus von 255 Fällen gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Langzeitleistungsbezieherinnen und -bezieher wurde um 1,1 Prozent auf 8.852 gesenkt. Eine Maßnahme, um arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose wieder einzubinden, ist das neue Bundesprogramm des Europäischen Sozialfonds, für das sich das Jobcenter Karlsruhe 2015 erfolgreich beworben hatte. Förderfähig sind hierüber all jene, die seit mindestens zwei Jahren ununterbrochen arbeitslos und älter als 35 sind, außerdem keine verwertbare Berufsausbildung beziehungsweise -erfahrung haben.

Die Arbeitslosenquote betrug im Dezember 3,7, bei Jugendlichen unter 25 sogar nur 2,1 Prozent. Dennoch gilt jungen Menschen wie etwa auch Älteren („Perspektive 50 plus“) besondere Aufmerksamkeit, um trotz Startschwierigkeiten „ihre Stigmatisierung zu unterbinden“, wie Kölmel ausführte. Weitere Informationen finden sich seit März 2015 auf einer eigenen Website (s. Links).

Wert von Ausbildung hervorheben

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur, Ingo Zenkner, plädierte für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Akademikern und Facharbeitern, künftig sollen Eltern Nutzen und Karrierechancen der Dualen Ausbildung nahegelegt werden. Eltern mit Kindern unter drei Jahren wiederum werden zwar keinem Arbeitszwang ausgesetzt, sollen aber laut Kölmel schon ab dem ersten Lebensjahr des Kindes laufend informiert werden – als Grundlage schnellstmöglicher Wiedereingliederung. Auf Einwürfe des Ausschusses zeigten beide Fachleute Gesprächsbereitschaft, um weitere Möglichkeiten des kommunalen Arbeitsmarkts und für das dringend auf Nachwuchs angewiesene Handwerk auszuloten.

Zum breitgefächerten Wirken der Diakonie Karlsruhe zählt seit 2014 eine Beratungsstelle für Prostituierte mit eigenem Büro in der Südstadt. Hanna Lindenfelser gab dem Sozialausschuss Einblick in die vielfältige und bereits nach kurzer Zeit nutzbringende Arbeit, die sie gemeinsam mit einer Kollegin über je eine halbe Stelle erbringt. Straßenstrich, Bordell, SM-Studio, Wohnung: Die Ansprechpartnerinnen der Prostituierten kennen die Facetten des Karlsruher Gewerbes ebenso wie die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsumstände, die Motivation der Frauen und teils auch – mit öffentlich wenig Aufmerksamkeit versehen – Männer oder Transgender. Im überwiegenden Fall freilich sind es Frauen, oft sehr junge, die nur dadurch Vertrauen fassen, dass eine junge Frau ihnen allein und ohne Vorurteil oder Drohung begegnet. „Wir üben keinen Druck aus, richten uns nach den Frauen.“ Die Beratungsstelle möchte auch der Diskriminierung und Stigmatisierung entgegenwirken.

Zehn Jahre erfolgreich Wohnungslose untergebracht

Eine Zehnjahres-Bilanz erfolgreichen Netzwerkens für wohnungslose Familien präsentierte aufschlussreich Barbara Mauter dem Sozialausschuss. Sie repräsentierte die 2005 eingerichtete Fachstelle Wohnungssicherung, die aktuell 54 Familien mit 164 Personen, darunter 88 Kinder untergebracht hat. Mehr als die Hälfte sind Rumänen, fast 80 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Die Zuwanderung ist ein Grund für den exponentiellen Anstieg. Bis 2011 waren durchschnittlich 12 bis 15 Familien unterzubringen, seit 2012 stieg die Gesamtzahl von 290 auf nun 507 Personen an. Bemerkenswert ist vor allem, dass trotz des engen Wohnungsmarkts bislang stets Lösungen gefunden werden konnten. Dezernent Lenz führte den Erfolg auf drei Säulen zurück: das Engagement der Volkswohnung, private Vermieter, die drei Viertel des Wohnungsbestandes halten, und die Selbsthilfekräfte.

Das Programm Wohnraumakquise durch Kooperation findet bundesweit Beachtung und Nachahmer. Vermieter stellen im Rahmen dieses Programms Mietwohnraum für untergebrachte Familien zu sozialhilferechtlich angemessenen Mieten zur Verfügung. Im Gegenzug erhalten die Vermieter Sanierungszuschüsse und Mietausfallgarantien. Darüber hinaus erfolgt eine nachhaltige Betreuung der Familien durch die Fachstelle Wohnungssicherung. Durch diese zum Teil sehr intensive Betreuung können Probleme zwischen Vermietern und Mietern weitgehend vermieden oder aber sehr schnell gelöst werden. In besonders problematischen Einzelfällen wird untergebrachten Familien eine aufsuchende Intensivberatung durch den städtischen Kooperationspartner Ohlebusch GmbH angeboten. Sämtliche Problemfelder wie zum Beispiel Mülltrennung, pünktliche Mietzahlungen und Nachbarschaftskonflikte werden hier regelmäßig individuell und in einer vierzehntägigen Gesprächsrunde mit den betroffenen Familien besprochen. Auf diesem Weg ist es gelungen, 76 Familien in privaten Wohnraum zu vermitteln – nur fünf von ihnen wurden wieder wohnungslos.

Die enge Zusammenarbeit mit der Volkswohnung, die wie alle Wohnungsunternehmen lange Wartelisten hat, und einer Vielzahl privater Hauseigentümer, so das Fazit angesichts anhaltender Zuwanderung und einer verschärften Lage in den Einrichtungen für Obdachlose, bleibt unabdingbare Voraussetzung, weiter adäquaten und dauerhaften Wohnraum für Betroffene finden zu können.

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