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Quelle

Informationsbroschüre
"Naturschutzgebiet Erlachsee"

Regierungspräsidium Karlsruhe

Textauszüge konnten mit freundlicher Genehmigung der Behörde übernommen werden.

Umsetzung

Online-Portal für Durlach
Christine Gustai
Marstallstraße 12
76227 Karlsruhe
Tel. 0721 / 9118981
Fax 0721 / 9118982

Das Naturschutzgebiet Erlachsee

Blick aus dem Beobachtungsstand

In den letzten Jahrzehnten gingen auch im Raum Karlsruhe viele Feuchtgebiete verloren. Folge war ein bedrohlicher Rückgang vieler Pflanzen- und Tierarten. Da Feuchtgebiete wie Mosaiksteinchen in der Kulturlandschaft liegen und Rückzugsgebiete für eine natürliche Regeneration von Tieren und Pflanzen sind, gewinnen sekundäre (vom Menschen geschaffene) Lebensräume immer mehr an Bedeutung. In der Oberrheinebene liegen eine Vielzahl von Baggerseen, die als Ausgleichsräume für bereits zerstörte Biotope dienen könnten. Der gestiegene Erholungsbedarf des Menschen beansprucht diese Seen jedoch für vielerlei Freizeitaktivitäten, die die Natur stark beeinträchtigen. Um so bedeutender ist es, solche Gebiete - wie hier im Stadtteil Durlach - gezielt für die Natur und somit für die Ansiedlung bedrohter Arten zu gestalten.

Die Entstehungsgeschichte

Luftaufnahme aus westlicher Richtung mit Bemerkungen.

Die ersten größeren von Menschen verursachten Wunden trug der Auewald im Stadtwalddistrikt Oberwald vor dem 2. Weltkrieg davon. Für den Bau der Autobahn entnahm man diesem Teil des Oberwaldes Kies. Durch den Abbau entstand eine Trockenbaggerungsfläche, die zwei Meter tiefer als der umgebende Wald lag. Der steigende Wasserbedarf einer wachsenden Bevölkerung bedingte, dass sich die Förderleistung des nahe liegenden Wasserwerkes nach dem 2. Weltkrieg erhöhte. Dies führte im Laufe der Jahre zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels. Der natürliche Baumartenbestand von Erlen, Eschen und Weiden wurde seiner bis dahin noch feuchten Lebensgrundlage beraubt. Extreme Bedingungen, verursacht durch lange Trockenperioden einerseits und starkes Hochwasser und Überflutungen andererseits, verurteilten aller Wiederaufforstungsmaßnahmen zum Scheitern. Dem Wechsel zwischen Dürre und Überschwemmung waren die Bäume nicht gewachsen. Angesichts dieser Situation entschloss man sich, den bedrohten Tier- und Pflanzenarten der Feuchtgebiete hier einen Lebensraum zu schaffen. Im Bereich der Trockenbaggerung wurde Anfang der 80er Jahre durch eine vorübergehende Kiesnutzung ein differenziert gestaltetes Gewässer angelegt. Noch während des Kiesabbaus erhielt der See die eigens konzipierte Gestalt und Gliederung.

Ein Feuchtbiotop aus Menschenhand

Übersichtskarte des Naturschutzgebiets

Einzelne Abschnitte wurden auf die natürlichen Bedürfnisse der verschiedenen Tierarten zugeschnitten. Flache und steile Uferbereiche, Ringgräben und vegetationsarme Kiesinseln, tiefe und flache Wasserzonen bieten inzwischen unterschiedliche Lebensbedingungen. Damit sich Pflanzen und Tiere ungestört entwickeln können, hält ein Zaun allzu neugierige Besucher oder gar Badelustige fern. So können sich nun alle ökologischen Vorgänge vollziehen, die anderswo aufgrund zahlreicher Störungen durch den Menschen nicht mehr ablaufen. Dies gilt besonders im Hinblick auf die Empfindlichkeit bedrohter Tierarten. Hobby-Vogelkundler kommen trotzdem zu ihrem Recht: Von Beobachtungsständen aus können sie das Treiben im Erlachsee verfolgen. Die wirklichen Naturliebhaber unter der Bevölkerung haben Gelegenheit erhalten, in Ruhe ein Stück geschützter Natur zu beobachten und können sich daran erfreuen. So entstand ein Feuchtbiotop, das als sekundärer Lebensraum heute eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Am 30. November 1983 wurde die Fläche mit einer Größe von etwa 15 ha und einer Wasserfläche von ca. 8 ha als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Tierbeobachtung

Zaun und Hinweisschilder dienen dem Schutz der Tier- und Pflanzenwelt.

Die einmalige Bestandsentwicklung konnte in den wenigen Jahren nur durch eine konsequente Freihaltung des Gebietes von jeglicher störenden Nutzung und Einwirkung erreicht werden. Dies war nur möglich durch die sehr intensive Überwachung des Gebietes, die gleichzeitige Einzäunung der schutzwürdigen Fläche und das Verbot von Jagd und Fischerei. So konnten sich die Wasservögel an den Betrachter gewöhnen. Für die Besucher ist es möglich, relativ nah an interessante Vögel zu gelangen, sowohl um die Art zu bestimmen, als auch spezielle Lebensgewohnheiten studieren zu können. Durch Jagdausübung und Fischerei würde erfahrungsgemäß die Fluchtdistanz nicht nur erheblich vergrößert, sondern das Beobachtungsobjekt in vielen Fällen sogar vertrieben.

Schutz und Pflege

Um den Wert des Gebietes zu erhalten und zu fördern ist die Pflege, Erweiterung und Ausformung der Uferbereiche vorgesehen. Flachwasser- und Überschwemmungszonen sind wichtig als Brut-, Nahrungs-, Ruhe- und Rückzugsräume. Bei zu starker Entwicklung der Unterwasserpflanzen sind Entkrautungsmaßnahmen erforderlich. Durch eine flache Ausformung der Uferböschung muss zukünftig die Entwicklung einer breiten Röhrichtzone gefördert werden. Die Erhaltung von Rohbodenflächen als Lebensraum für Flusspionierarten ist ein weiteres wichtiges Ziel. Von Zeit zu Zeit wird deshalb die Vegetationsdecke auf Teilen des Gebietes wieder entfernt. Ebenso wichtig ist das Verhältnis und die Rücksichtnahme der Besucher des Naturschutzgebietes: Neben dem Betretungs- und Fütterungsverbot dürfen hier keinesfalls Tiere eingebracht oder ausgesetzt werden. Zeitweise war der Bestand der einheimischen Kleinfische durch illegal eingebrachte Zwergwelse stark gefährdet. Diese fremde Fischart vermehrte sich massenhaft und machte sich über den Laich und die Jungfische der anderen Arten her. Der Zwergwels wurde lange Zeit erfolglos bekämpft und sein Bestand reduzierte sich erst, nachdem man die Regulierung der Natur überließ. Eine wichtige Zielsetzung bei der Planung war, Naturbeobachtung ohne Störung zu verwirklichen. Dies ist in mustergültiger Weise erreicht worden. Naturfreunde haben die Gelegenheit, das Leben der scheuen Tiere durch Sehschlitze an den Beobachtungsständen zu verfolgen. Auf einem um den See führenden Weg kann das Gebiet umwandert werden. Freizeitgestaltung in Form stiller Erholung wie Spazierengehen, Wandern und Naturbeobachtung ergänzen sich so in idealer Weise.

Die Pflanzenwelt - vom Wasser geprägt

Kinzig-Murg-Rinne: Sumpfgebiet (= blau) und Kiesinseln
Schonwaldgebiet südlich des Erlachsees.

Das Naturschutzgebiet "Erlachsee" liegt in der Kinzig-Murg-Rinne, einer ehemaligen Flusslandschaft, die durch Verlandung kaum noch offene Wasserflächen aufweist. Der voreiszeitliche Kinzig-Murg-Strom, der auf der Höhe von Waghäusel dem Rhein zufloss, sucht heute nur noch unterirdisch seinen Weg. Insbesondere die Wälder, wie der unter Landschaftsschutz stehende Oberwald, weisen in grundwassernahen Bereichen noch einen auenartigen Charakter (Erlen-Eschen-Auewald) auf. In grundwasserferneren Bereichen steht dagegen ein frischer Eichen-Hainbuchen-Wald. Der Erlen-Eschen-Wald im Naturschutzgebiet weist eine typische, nährstoffreiche Krautschicht auf. Neben hohen Gräsern beherrschen verschiedene Großseggen, wie die Schnabel- oder die Schlanke Segge (Carex rostrata und Carex gracilis) das Bild. Auf meist oder zeitweise überschwemmten Flächen haben sich Binsen, der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia), aber auch der gefährdete Schmalblättrige Rohrkolben (Typha angustifolia) angesiedelt. An nassen und wechselfeuchten Ufern ist ein Weidensaum entstanden. Zur Wasserseite schließt sich die Schwimmblatt-, Laichkraut- und Tiefenwasserzone an. Die Schwimmblattzone bietet mit der gefährdeten Seerose (Nymphaea alba) und der Teichrose (Nuphar lutea) ein attraktives Bild.

Ein ursprünglicher Lebensraum für Vögel

Stockente
Blässhuhn
Zwergtaucher
Flussregenpfeifer
Eisvogel
Graureiher
Tafelente

Die Zielsetzung, einen optimalen Lebensraum für Wasservögel zu schaffen, konnte hier in idealer Weise verwirklicht werden. Neben häufigen Arten wie Stockente (Anas platyrhynchos) und Blässhuhn (Fulica atra) haben sich auch seltene und bedrohte Arten wie Zwergtaucher (Podiceps cristatus), Haubentaucher (Podiceps ruficollis), Flussregenpfeifer (Charadrius dubius), Uferschwalbe (Riparia riparia) und Eisvogel (Alcedo atthis) angesiedelt. Ringgräben und reich gegliederte Uferlinien ließen gedeckte Buchten, Inseln und Halbinseln entstehen., die einer Vielfalt von Tierarten verschiedene Nahrungs- und Brutbiotope bieten. Im Bereich von Baumstumpen und unter der überhängenden Ufervegetation finden Entenvögel geeignete Brutstätten. Bemerkenswert ist der Brutnachweis der Reiherente (Aythya fuligula). Es ist das einzige Vorkommen dieser Art im Stadtkreis Karlsruhe. Der Haubentaucher hält sich in der Tiefenwasserzone auf. Sein schwimmendes Nest baut er in der Schilfzone. Dort und in der Deckung herabhängender Äste im Wasser stehender Bäume und Büsche genießt auch der Zwergtaucher den wenig gestörten Lebensraum. Auf der flachen, pflanzenarmen und kiesbeschichteten Inseln brütet der scheue Flussregenpfeifer. Er findet hier die gewohnten Voraussetzungen für sein Gelege und kann, ohne von Erholungssuchenden gestört zu werden, brüten. Der Eisvogel ist ursprünglich an fließenden Gewässern mit Abbruchkanten zu Hause. Seine angestammten Plätze hat dieser selten gewordene Vogel durch Kultivierungsmaßnahmen weitgehend verloren. Die Steilufer und der Fischreichtum des Erlachsees bieten ihm vollwertigen Ersatz. Von diesem reichen Fischangebot profitieren auch der bedrohte Kormoran (Phalacrocorax carbo) und der Graureiher (Ardea cinerea). Sie können hier ungestört fischen, weil am Erlachsee nicht geangelt werden darf und sie deshalb nicht als Nutzungskonkurrenten angesehen werden. Da das Gebiet in der natürlichen Zugstraße entlang des Rheins liegt, sind eine Vielzahl von Sommer- und Wintergästen zu beobachten. Die durch Wasserstandsschwankungen trockenfallenden Schlickflächen bieten Enten- und Schnepfenvögeln attraktive Nahrungsflächen. Im Winter besiedeln vor allem Tauch- und Schwimmenten die offene Wasserfläche. In diesen natürlichen Lebensräumen finden sich unter anderem die stark gefährdeten Arten wie Krickente (Anas crecca), Tafelente (Aythya ferina) und die Kolbenente (Netta rufina) ein.

Ein Rückzugsgebiet für Amphibien

Grasfrosch
Feuersalamander
Erdkröte
Wechselkröte
Tümpel entlang des Sees bilden weitere wertvolle Laichgewässer

Der Erlachsee ist als gegenwärtig letztes Rückzugsgebiet für Amphibien im Oberwald anzusehen. Dem früher rückläufigen Amphibienbestand wurde durch die gezielte Gestaltung des Gewässers entgegengewirkt. Sie finden hier einen Lebensraum, den die Auelandschaft des Rheins ihnen seit Urzeiten geboten hatte, bevor menschliche Kultivierung ihn zerstörte. Das "Atoll", eine Kiesinsel mit einer darin liegenden kleinen Wasserfläche, bietet den Amphibien Schutz vor ihren Fressfeinden. Heute können am Erlachsee wieder viele, teilweise seltene Amphibienarten wie Grasfrosch (Rana temporaria), Feuersalamander (Salamandra salamandra), Springfrosch (Rana dalmatina), Kammmolch (Triturus cristatus), Erdkröte (Bufo bufo) und Wechselkröte (Bufo viridis) beobachtet werden. Der Grasfrosch und auch der Springfrosch sind hier sehr häufig anzutreffen. Das Gewässer bietet günstige Voraussetzungen für ihre Entwicklung; die Laichballen werden oft in besonnte Flachwasserbereiche abgelegt. Die Wechselkröte ist eine typische Pionierart. Als Laichplatz kommen nur sehr flache und vegetationsarme Gewässerabschnitte in Frage. Nach dem Verlust ihrer natürlichen Lebensräume müssen solche Flächen immer wieder neu geschaffen werden. Die Erdkröte bevorzugt dagegen von Bäumen gesäumte Gewässerabschnitte mit Wasserpflanzen.

 

 

Fische - ungestört von fischereilicher Nutzung

Durch Überbesetzung und einseitige Artenauswahl mit Fischen finden Amphibien und Wasserinsekten in anderen Gewässern kaum noch natürliche, ungestörte Entwicklungsmöglichkeiten. Im geschützten Erlachsee kann sich die gesamte Unterwasserwelt in einem ausgewogenen Verhältnis entwickeln. Das Gewässer bietet neben den häufigeren auch einigen seltenen Fischarten Lebensraum. Dies konnte durch gezielte Besatzmaßnahmen mit Arten, die in ihrer natürlichen Heimat, den Rheinauen, keine Lebensbedingungen mehr haben, erreicht werden. Hier können sich nun wieder sowohl Amphibien wie auch Fischarten ungestört von menschlicher Nutzung entwickeln. Durch Kontrolluntersuchungen wird eine regelmäßige fischereiliche Gewässerüberwachung gewährleistet.

Schnecken

Schnecken, darunter auch die seltene Ohrschlammschnecke (Radix auricularia), sind zu beobachten. Arten wie die Zierliche Tellerschnecke (Anisus vorticulus) und die Linsenförmige Tellerschnecke (Hippeutis complanatus) können als nicht lebende ("Subfossile") Exemplare gefunden werden. Da diese Arten seichte, kleinere Gewässer bevorzugen, ist ein tatsächliches Vorkommen im Erlachsee in Frage zu stellen und als Hinweis für einen ehemals vorhandenen Lebensraum zu werten.

Weitere Informationen

Naturschutzgebiet Erlachsee - der offizielle Steckbrief
Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)
Offizielle Webpräsenz

Welche Schutzgebietskategorien gibt es?
Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)
Offizielle Webpräsenz

Quellen

Luftaufnahme Erlachsee | Fotograf: Lothar Neumann - Stadtwiki Karlsruhe
Stockente | Fotograf: Lukasz Lukasik - Wikimedia commons
Blässhuhn | Fotograf: Marek Szczepanek - Wikimedia commons
Zwergtaucher | Fotograf: Lukasz Lukasik - Wikimedia commons
Flussregenpfeifer | Fotograf: Marek Szczepanek - Wikimedia commons
Eisvogel | Fotograf: Marek Szczepanek - Wikimedia commons
Graureiher | Fotograf: Lukasz Lukasik - Wikimedia commons
Tafelente | Fotograf: Marek Szczepanek - Wikimedia commons
Grasfrosch | Fotograf: Julius Rückert - Wikimedia commons
Feuersalamander | Fotograf: Marek Szczepanek - Wikimedia commons
Erdkröte | Fotograf: Marek Szczepanek - Wikimedia commons
Wechselkröte | Fotograf: Marek Szczepanek - Wikimedia commons

Grundlage für Karte "Kinzig-Murg-Rinne"
- OpenStreetMap - The Free Wiki World Map     zum Kartenwerk
- Naturführer Oberwald (Stadt Karlsruhe)          PDF downloaden

Grundlage für "Übersichtskarte des Naturschutzgebiets"
- OpenStreetMap - The Free Wiki World Map     zum Kartenwerk
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