Wenn die vielen Baustellen in Durlach kommen, ist Kreativität gefragt

Fehlende Barrierefreiheit im Bahnhof Durlach: Im Gegensatz zu den vorderen Gleisen (Regionalbahnen) sind die Gleise 11 und 12 (Foto unten) nicht über Aufzüge zu erreichen. Das wird bei den geplanten Baumaßnahmen zum Problem. Fotos: cg

Fehlende Barrierefreiheit im Bahnhof Durlach: Im Gegensatz zu den vorderen Gleisen (Regionalbahnen) sind die Gleise 11 und 12 (Foto unten) nicht über Aufzüge zu erreichen. Das wird bei den geplanten Baumaßnahmen zum Problem. Fotos: cg

Die großen Baumaßnahmen in Karlsruhe, besonders jene im östlichen Teil der Stadt, beeinträchtigen in diesem Jahr Abläufe deutlich, führen zu Beeinträchtigungen und zwingen mitunter Individualverkehr, Radler und ÖPNV-Nutzer zu größeren Umwegen.

  • Die Baustelle mit Sperrung der Prinzessenstraße ist beendet, die Straße wieder frei
  • Die Buddelei in der Lederstraße zwischen Sebold- und Pfinzstraße dauert noch etwas, die Sperrung besteht noch
  • Die Baumaßnahmen wegen der Elektroversorgung in der Weiher- und Brunnenhausstraße mit der einhergehenden Verengung der Fahrbahn dauern noch
  • Die Arbeiten an der Gas- und Wasserversorgung in der Grötzinger Straße, auf der Anliegerfahrbahn bei der Haltestelle, geht noch bis mindestens Ende des Monats
  • In der Gymnasiumstraße (B3) wird im Juni und Juli an der Straßenbeleuchtung und Verkehrstechnik gearbeitet; die Sperrung einer Fahrtrichtung ist angekündigt
  • In der Badener Straße wird an der Elektroversorgung gearbeitet: Engstellen gibt es Juni/Juli 2026
  • Ab Mitte August gehen dann die Arbeiten am Schienennetz in Durlach los: Die Gymnasiumstraße ist wegen Gleisauswechslung, Arbeiten an der Gas- und Wasserversorgung und der Deckenerneuerung der Fahrbahn von Mitte August bis Mitte September betroffen (Vollsperrung). Parallel dazu tauschen die Verkehrsbetriebe bis November auch Gleise und Weichen in Wolfartsweier aus.
  • Badener und Pfinztalstraße sind wegen Gleisauswechslung und Arbeiten an der Gas- und Wasserversorgung von Mitte August bis Mitte November betroffen. Das führt zu Sperrung einer Fahrtrichtung und teilweise Vollsperrung
  • Die Pfinztal-, Zunft- und Amtshausstraße sind wegen Gleisauswechslung dicht; im Zeitraum August, September voraussichtlich für etwa zwei Wochen 

Alternativrouten rechtzeitig ausmachen

Gravierender wird für den Verkehr – ÖPNV, Rad und Autos – jedoch die Sperrung des Verkehrsknotens an der Zufahrt nach Durlach im Bereich Durlacher Allee, Pfinztal- und Ernst-Friedrich-Straße – nach dem Verkaufsoffenen Sonntag/Baden-Marathon am 20. September bis zum Beginn des Weihnachtsmarkts Ende November 2026.

Denn das wird in diesem Bereich zu massiven Einschränkungen und Änderungen bei gewohnten Abläufen und Wegen führen: Verkehr aus Karlsruhe auf der Durlacher Allee Richtung Pfinztalstraße gesperrt, Verkehr aus der Ernst-Friedrich-Straße Richtung Durlacher Allee/Karlsruhe gesperrt – und Verkehr aus der Pforzheimer und der Pfinztalstraße Richtung Ernst-Friedrich-Straße gesperrt.

Die individualen Verkehrsströme müssen über Alternativrouten frühzeitig geleitet werden. Der Verkehr aus Karlsruhe nach Durlach zum Beispiel auch über die „alte B10“ (jetzt: K9659) Richtung Grötzingen – und dann über die Grötzinger Straße Richtung Bergbahnstraße. Oder erst bei der Einfahrt nach Durlach in die andere Richtung über die Ernst-Friedrich-Straße und hinter der Raumfabrik über die Auer und Rommelstraße vorbei. Problem bei beiden Varianten: Man sollte vorher wissen, in welchen Teil von Durlach man will/muss.

Wertigkeit der Maßnahmen

Diese beiden größeren Maßnahmen werden nicht wie sonst üblich in den Schulferien durchgeführt. Hintergrund sei die Wertigkeit der Maßnahmen in der Badener Straße (Bundesstraße) und am „Durlacher Stachus“, wie die Stadt Karlsruhe informierte: Ein Bereich müsse immer frei sein! Deshalb würde in dieser Reihenfolge vorgegangen. Das betrifft dann auch den Schülertransport im ÖPNV, denn am „Durlacher Stachus“ können im genannten Zeitraum auch keine Bahnen – Richtung Turmberg und nach Wolfartsweier – fahren. Fahrgäste müssen auf einen Schienenersatzverkehr (SEV) ausweichen.

Umstieg in den Bus angesagt 

Die Straßenbahnlinien 1 und 2 verkehren dann – je nach Maßnahme – bis 22. November 2026 nicht mehr auf ihrem gewohnten Weg; Fahrgäste müssen jeweils auf einen Schienenersatzverkehr (SEV) ausweichen. Zum Beispiel die Linie 1:  Sie fährt von Karlsruhe aus nicht mehr ab der Auer Straße durch Durlach bis zur Endhaltestelle, sondern biegt vor der Brücke in den Durlacher Bahnhof ab. Problem: Dort kommt sie an den hinteren Gleisen an, die jedoch nicht barrierefrei sind!

Dort geht’s für Fahrgäste die Treppen runter – kein Aufzug, keine Rolltreppe – durch die Bahnhofsunterführung (Treppe oder Aufzug hoch) bis zum Vorplatz des Bahnhofs, denn erst von dort fahren die Busse des Schienenersatzverkehrs (SEV). Es ist – aktueller Stand – bislang allerdings kein zusätzlicher „SEV“, sondern die reguläre Buslinie 31, die über die Haltestellen „An der Fayence“ und „Ochsentorstraße“ bis zur Haltestelle „Turmberg“ fährt (und dann weiter ins Waldstadt Zentrum – Rückfahrt analog). Dem Vernehmen nach soll die Linie „verstärkt“ werden, um das Mehr an Fahrgästen aus der Straßenbahn aufnehmen zu können. Dass wohl mehr Busse unterwegs sein werden, lässt sich daran ablesen, dass für die Zeit ab August in der Pfinzstraße ein temporäres absolutes Haltverbot eingerichtet wird.

Ob der Bus 31 aber so „verstärkt“ wird, dass er den 10 Minuten-Takt der Straßenbahnlinie aufnehmen kann, dazu auch die ankommenden Bahnen dann auch zeitlich „abnimmt“, ist noch nicht kommuniziert von den Verkehrsbetrieben. Denn der Bus 31 fährt ab 5.30 Uhr tagsüber alle 20 Minuten – jedoch nur bis 19.50 Uhr, danach nicht mehr. Das muss zeitlich deutlich ausgebaut werden, denn die Straßenbahnlinie 1 fährt fast den gesamten Tag und spätabends auch noch. 

Problem ist zudem die fehlende Barrierefreiheit

Wie aber kommen Mobilitätseingeschränkte zum Beispiel aus der Karlsruher Kaiserstraße zur Haltestelle Turmberg? Im Bahnhof Durlach ist auf den hinteren Gleisen Schluss für sie; für Menschen mit Rollatoren oder auch mit Kinderwägen. „Zwischen der Haltestelle Tram 1 und Haltestelle SEV ist leider kein barrierefreier Umstieg möglich“, schreiben die Verkehrsbetriebe in einer Antwort auf eine entsprechende Nachfrage, geben jedoch eine „Empfehlung“: „Für Rollstuhlfahrende besteht in dem oben genannten Zeitraum leider nur die Möglichkeit, über Hauptbahnhof Karlsruhe nach Bahnhof Durlach zu fahren und von den anderen Gleisen dann den SEV zu erreichen.“ 

„Halbe Weltreise“ als Alternative?

Mit anderen Worten: Wer als Rollifahrer, mit Kinderwagen oder als Gehbeeinträchtigter mit Rollator vom Karlsruher Marktplatz nach Durlach will, muss erst zum Karlsruher Hauptbahnhof fahren? Abgesehen davon, dass auf dem Vorplatz dort auch nicht überall Barrierefreiheit gegeben ist, geht’s durch den Hauptbahnhof zu den hinteren Bahngleisen, per Aufzug hoch auf den Bahnsteig, dann mit Regionalexpress oder S-Bahn nach Durlach, um dort auf den vorderen Gleisen anzukommen, die barrierefrei sind. Je nach Gleis: Aufzug runter, Unterführung nutzen, Aufzug hoch, auf dem Vorplatz in einen Bus wechseln, um dann Richtung Durlach Turmberg zu kommen.

Ein Umweg als „Alternative“? Wer keine Monats- oder Jahreskarte hat, sondern zum Beispiel eine App mit Fahrpreisermittlung via Luftlinie nutzt, muss dafür dann auch noch mehr bezahlen, denn die Strecke wird deutlich weiter.

Verkehrsbetriebe machen es sich zu einfach

Unverständlich ist jedoch der Nachsatz der Verkehrsbetriebe in Sachen Alternative, dass für alle anderen Rollatoren und Kinderwagen es sicher beschwerlich sei, aber es sei „aus unseren Erfahrungen mit Hilfe von anderen Mitreisenden sicher machbar“. Also sollen andere Reisegäste Senioren, Mobilitätsbeeinträchtigten oder Menschen mit Kinderwägen die Sachen die Treppen hoch oder runter tragen? Da machen es sich die Verkehrsbetriebe als Dienstleistungsunternehmen viel zu einfach – abgesehen von Haftungsfragen! 

Fehlende Barrierefreiheit schon seit Jahren ein Thema

Leider ist die fehlende durchgängige Barrierefreiheit im Durlacher Bahnhof schon seit Jahren ein ungelöstes Thema: 2022 wurde immerhin das Planfeststellungsverfahren des barrierefreien Ausbaus von Gleis 11 und 12 im Bahnhof Durlach vorgestellt, der Planfeststellungsbeschluss wurde im April 2023 erteilt, teilten die Verkehrsbetriebe Ende 2025 auf eine Anfrage im Durlacher Ortschaftsrat mit. Doch zum damaligen Zeitpunkt wurde durch aktuelle Kostenentwicklungen auch der Finanzierungsantrag überarbeitet und beim zuständigen Ministerium eingereicht. Dazu wurden Ausführungsplanung, Aufzugsplanung und Ausschreibungsunterlagen der Bauleistungen erstellt und sollten bis Ende 2026 veröffentlicht werden. Mit dem Bau sollte dann 2027 begonnen werden, teilten die Verkehrsbetriebe damals bei der Beantwortung der Anfrage mit, eine Gesamtfertigstellung sei spätestens 2028 vorgesehen. Ursprünglich war dabei vorgesehen, die Maßnahme schon zum Jahreswechsel 2025/2026 zu realisieren, dies sei aber von der „DB InfraGO“ wegen einer Parallelmaßnahme (Erneuerung der Pfinzbrücken, siehe „Artikel zum Thema“) aus baubetrieblichen und logistischen Gründen abgelehnt worden – mit den leider aktuellen Folgen.

Dem Vernehmen nach fordern die Parteien im Durlacher Ortschaftsrat überparteilich von den Verkehrsbetrieben eine praktikable barrierefreie Lösung mit nutzerfreundlicher Anbindung für die kommende Baustellenzeit in Durlach.

Übersicht zu den Baustellen

Weitere Informationen

Ortschaftsrat Durlach

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