Karlsruhe als Fahrradfreundliche Kommune mit Silber-Status zertifiziert

Bürgermeister Daniel Fluhrer (r.) nimmt von Elke Zimmer, Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr (l.), die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune“ entgegen. Foto: Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Pierre Johne

Bürgermeister Daniel Fluhrer (r.) nimmt von Elke Zimmer, Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr (l.), die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune“ entgegen. Foto: Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Pierre Johne

Gemeinsam mit drei weiteren baden-württembergischen Städten hat Karlsruhe ein besonderes Prädikat errungen. Die Fächerstadt erhielt vom Land die Zertifizierung als Fahrradfreundliche Kommune.

Bürgermeister Daniel Fluhrer nahm in Stuttgart bei der Tagung der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e.V. (AGFK) die Auszeichnung von Elke Zimmer, Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr, entgegen.

Nach 2011 und 2017 ist es bereits die dritte Zertifizierung, aber zum ersten Mal mit dem Status Silber. Damit gehört Karlsruhe zu den am besten bewerteten Kommunen in Baden-Württemberg. Das Land würdigte insbesondere das qualifizierte Radverkehrskonzept sowie die überdurchschnittlich hohen Investitionen und das Engagement in diesem Bereich, die Karlsruhe zu einer bundesweit führenden Fahrradstadt werden ließen.

Bürgermeister Daniel Fluhrer freute sich über die Auszeichnung und betonte augenzwinkernd: „Wir in Karlsruhe, mit dem Abbild eines Fahrradreifens im Stadtgrundriss, sind natürlich besonders dem Fahrrad verpflichtet. Aber im Ernst: Wir freuen uns sehr über die Bestätigung unseres großen Engagements.“ Zugleich betonte Fluhrer, dass die Anforderungen und unsere Anspannung mit jeder neuen Bewerbung steigen. Nun gehe es darum, „die ambitionierten Ziele unseres neuen Programms für Aktive Mobilität mit noch mehr Rad- aber auch Fußverkehr umzusetzen.“

Staatssekretärin Elke Zimmer hob in ihrer Laudatio hervor, dass die ausgezeichneten Städte „wichtige Rahmenbedingungen für mehr Radverkehr“ geschaffen hätten. „Um mehr Menschen vom Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel zu überzeugen, benötigen wir attraktive Radwegenetze und genügend sichere Fahrradabstellplätze. Zudem arbeiten diese Städte daran, den Spaß am Fahrradfahren erlebbar zu machen. Das ist ein Gewinn für die Lebensqualität unserer Städte und somit für uns alle“, sagte Zimmer.

Prüfbericht erhalten

Verbunden mit der Auszeichnung ist zugleich ein Prüfbericht des Landes. Hierin wird Karlsruhe eine herausragende Rolle als fahrradfreundliche Kommune attestiert. Die Stadt kann mit einem Radverkehrsanteil am Gesamtverkehr von knapp über 30 Prozent im Jahr 2018 einen – auch bundesweit – herausragenden Modal-Split-Wert vorweisen. Somit hat sich die städtische Radverkehrsförderung ausbezahlt, denn die neu gebaute Infrastruktur wird von den Karlsruherinnen und Karlsruhern rege genutzt.

Besonders stark aufgestellt ist die Stadt dem Prüfbericht zufolge unter anderem in den Handlungsfeldern „Soziale Dimension“, „Kommunikation, Verhalten und Service“ sowie „Radtourismus und Freizeitradverkehr“. Hier gibt es nicht nur eine Vielzahl von Angeboten und Aktivitäten, sondern auch eine breit aufgestellte Unterstützung durch zahlreiche, auch ehrenamtlich engagierte Handlungsträger.

Gewürdigt wurde zudem, dass die Stadt Barrieren abgebaut und das Netz durchlässiger gemacht hat, beispielsweise durch den Umbau der Kriegsstraße im Zuge der Kombilösung. Neben den Aktivitäten der vier als Fahrradfreundliche Schulen ausgezeichneten Bildungseinrichtungen wurden die verschiedenen Serviceangebote im Stadtgebiet hervorgehoben. Als Beispiel sind hier die Lastenrad-Förderprogramme genannt, da diese in besonderem Maß zur Fahrradnutzung anspornen.

Für die Zukunft setzt die Stadt Karlsruhe bei der Rad- und Fußverkehrsförderung sehr konkrete Ziele. So soll der Anteil der aktiven Mobilität am Gesamtverkehr von 55 Prozent in 2018 auf 65 Prozent bis zum Jahr 2030 und 70 Prozent bis 2035 erhöht werden. Außerdem wird angestrebt, die Zahl der schwer verunglückten und getöteten Radfahrer und Fußgänger deutlich zu senken.

Handlungsbedarf identifiziert

Im Prüfbericht des Landes ist zugleich auch Handlungsbedarf auf einigen Gebieten benannt, wie beispielsweise „Infrastruktur“ und „Fahrradparken und Verknüpfung“ Aber auch im vormals starken Handlungsfeld „Verkehrssicherheit“ sieht die Prüfkommission dieses Mal die Notwendigkeit zur Nachbesserung. Kritisiert wird beispielsweise, dass eine systematische Zustandserfassung und -bewertung der Radverkehrsanlagen bislang nicht erfolgt ist, etwa wo besonderer Sanierungsbedarf besteht.

Während die beiden Fahrradparkhäuser am Hauptbahnhof mit ihren verschiedenen Serviceelementen und dem gutes Abstellangebot im Bereich Bike + Ride positiv bewertet wurden, vermisst die Prüfkommission an öffentlichen Gebäuden sowie an Schulen ein systematisches Vorgehen bei der Verbesserung der Fahrradparksituation. Auch der gesamtstädtische Bedarf an Fahrradparkmöglichkeiten wird noch nicht gedeckt.

Als Hausaufgaben gibt das Land der Stadt daher mit, beispielweise den Radetat weiter zu erhöhen. Die vom Bund empfohlenen finanziellen Mittel für Vorreiter von 18 bis 19 Euro je Einwohnende und Jahr sollten laut Land beim Etat für die Radverkehrsförderung in Karlsruhe angestrebt werden. Hierzu müssen auch die entsprechenden Personalressourcen weiterhin sichergestellt werden. Ferner sollte eine systematische Zustandserfassung der Radverkehrsanlagen erfolgen. Auch müssen Radverkehrsanlagen ausreichend breit dimensioniert werden um auch Überholvorgänge mit dem zunehmenden Radverkehrsanteil abdecken zu können.

Ganz deutlich fordert das Land weitere Analysen von Unfällen mit Radbeteiligung und eine prioritäre Beseitigung der Probleme an Unfallhäufungsstellen. Das Land möchte, dass die systematische Freigabe der Einbahnstraßen in Gegenrichtung fortgesetzt wird. Bei diesem Thema war die Stadt 2022 aktiv, im Winter werden weitere Straßen geöffnet. Auch bei der geplanten und geforderten „Radspur, Bus frei“ in der Hans-Thoma-Straße kann die Stadt positives vermelden, sie ist 2023 im Bauprogramm vorgesehen.

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