Sanierungsarbeiten auf dem Turmberg haben begonnen – Turm bereits eingerüstet

Am Montag waren die Gerüstbauarbeiten am knapp 30 Meter hohen Turm fast abgeschlossen. Fotos: cg

Am Montag waren die Gerüstbauarbeiten am knapp 30 Meter hohen Turm fast abgeschlossen. Fotos: cg

Er ist das Wahrzeichen von Durlach: Der markante Bergfried auf dem Turmberg thront bereits seit etwa 1200 über der Markgrafenstadt und dem Oberrheingraben. Zur Anlage der damaligen Burg Hohenberg gehörend, sei der Turm heute das „höchstwahrscheinlich älteste oberirdische Baudenkmal im Karlsruher Stadtgebiet“, betont Oberkonservator Martin Wenz vom Landesamt für Denkmalpflege.

Mehrmals ausgebrannt, aufgebaut und umgebaut: der Bergfried hat eine bewegende Geschichte hinter sich. Im 16. Jahrhundert wurde er als Landwarte genutzt, in diese Zeit fällt auch der Bau des anschließenden Treppenturms, der den mittelalterlichen Eingang des Bergfrieds in neun Metern Höhe mit dem Bodenniveau verbindet. Ebenso der Anbau des Pfeilers und der dazugehörigen Geschützplattform. Vom Turm aus wurden anrückende Truppen gesichtet, bei Feuer Alarm gegeben.

Die gute Aussicht wird heutzutage auch von Besucherinnen und Besuchern des Durlacher Hausbergs geschätzt. Das Kulturdenkmal steht bei vielen ganz oben auf ihrer „To-Do-Liste“, wenn sie die Fächerstadt besuchen. Doch es gibt ein Problem: die Turmfassade bröckelt. Ausflügler mussten bereits vor Corona auf die Besteigung des Bergfrieds verzichten. Die Unfallgefahr war zu groß, so Thomas Dueck, der die Abteilung Hochbau und Gebäudewirtschaft im Stadtamt Durlach leitet.

„Der Substanzerhalt hat allerhöchste Priorität“

2017 erfolgte bereits die Schadenskartierung, nun wurden die Sanierungsarbeiten mit dem Aufbau des Gerüsts begonnen. Die Bau- und Nebenkosten werden dabei auf insgesamt rund 1,3 Mio. Euro geschätzt, einen Landeszuschuss werde es wohl geben. „Wir haben hier keine einfache und tägliche Baustelle“, so Wenzel: „Der Substanzerhalt hat allerhöchste Priorität.“ Da das Bauwerk mehrere Jahrhunderte alt sei, müsse man sehr vorsichtig vorgehen. Bereits das Einrüsten sei kompliziert. Die erfahrenen Gerüstbauer versuchen dabei, möglichst keine Anker direkt ins Gestein zu setzen. Auch sei der Turm während der einjährigen Sanierungsphase nachts durch drei Meter hohe Blechkassetten vor Vandalismus und übermütigen Kletterern geschützt.

Erst mit der anschließenden Reinigung der Fassade werden alle Schadstellen sichtbar. Dann gilt es, Fugen zu erneuern, Sandsteinquader auszubessern, Hohlräume zu verfugen – aber nur: „so viel wie nötig.“ Zum Schluss wird alles mit einem Restaurierungsmörtel verschlämmt. Der Treppenturm soll statt des Sichtmauerwerks eine Schicht aus Putz erhalten – dessen Materialzusammensetzung wird aktuell untersucht. Wenzel erhofft sich durch die Baustelle, neue Erkenntnisse zum Mauerwerk selbst und zur einstigen Farbfassung zu erhalten. Insbesondere interessieren ihn dabei die verbauten Buckelquader, die wohl aus dem benachbarten Steinbruch an der Jean-Ritzert-Straße stammen könnten.

Aussichtsplattform ist „Sorgenkind“

Das „Sorgenkind“ sei allerdings weniger das Mauerwerk, sondern die obere Aussichtsplattform aus den 50ern, so Dueck. Deren Beton sei in einem wesentlich schlechteren Zustand: „Wir können offenbar nicht mehr so gut bauen wie damals.“ Randprofile seien hier marode, die Armierung würde bereits blank liegen. Kurzum: Die gesamte Fläche muss abgetragen und mit einer neuen Abdichtung aus Flüssigkunststoff versehen werden. Besser schaut es bei der unteren Plattform aus. Ebenfalls erneuert werden muss das Dach des Treppenturms.

Diese „Aufgabe für nächste Generationen“ wird in den kommenden Monaten nun angegangen. Die Stadt geht davon aus, dass im September 2023 die Arbeiten spätestens abgeschlossen sein werden. Die benachbarte Gastronomie „Anders auf dem Turmberg“ hat weiterhin für seine Gäste geöffnet.

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