Vogelgrippe: gute Entwicklung im Zoo Karlsruhe

Revierleiter Michael Heneka zu sehen, der Hyazinth-Ara Quicker mit Futter versorgt.

Auch in den kommenden Wochen müssen die Vögel im Zoo Karlsruhe mit sehr hohen Biosicherheitsmaßnahmen versorgt werden. Auf dem Bild ist Revierleiter Michael Heneka zu sehen, der Hyazinth-Ara Quicker mit Futter versorgt. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Es ist der größte Ausbruch der „hochpathogenen aviären Influenza“, auch bekannt als Vogelgrippe, in einem Zootierbestand. Im Zoo Karlsruhe gab es insgesamt rund 90 Vögel, die positiv getestet wurden, jetzt haben nur noch 14 Tiere einen positiven Befund.

„Auch wenn in den ersten Tagen nach dem Ausbruch insgesamt 27 Tiere durch die hochansteckende Variante des Virus' gestorben sind, so haben sich bei den restlichen Tieren keine Krankheitssymptome entwickelt“, erläutert Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt.

Insgesamt 27 Tiere gestorben

Der Vogelbestand von rund 700 Individuen im Zoo war direkt nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in 25 epidemiologische Einheiten aufgeteilt und wöchentlich getestet worden. Das Virus konnte bislang so auf lediglich zwei Einheiten begrenzt werden. Gestorben sind 27 Tiere: 14 Pelikane, neun Hawaiigänse, eine Schwanengans, eine Nonnengans, eine Kaisergans sowie eine Hühnergans. Nach der jüngsten Beprobungsrunde der Tiere und der Auswertung von mehr als 500 Tupfern durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) gab es nun erstmals Tiere, die zuvor mehrmals positiv getestet wurden und jetzt negativ sind. Auch bei den stark betroffenen Pelikanen sind drei der sechs überlebenden Tiere mittlerweile virusfrei.

„Wir sind absolut zufrieden, es ist ein sehr gutes Zwischenergebnis. Wir sehen so, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Trotz aller Euphorie liegt aber noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns“, berichtet Zootierarzt Dr. Marco Roller. Es könne noch mehrere Wochen dauern, bis es keinen positiven Befund mehr im Zoobestand gäbe. Neben den jetzt negativ getesteten Tieren wurden in der aktuellen Testung 23 Vögel gezählt, deren Status noch als fraglich gilt. Sie können zwar das Virus noch ausscheiden, allerdings in sehr geringem Maß. Diese Tiere könnten eventuell schon bei der Auswertung der anstehenden Beprobung als negativ gelten.

Tritt dann in den kommenden Wochen der Fall ein, dass alle Tiere negativ sind, müssen dennoch 42 Tage lang alle Biosicherheitsmaßnahmen bei den Vögeln aufrecht erhalten werden. Dabei sind geschulte Tierpflegerinnen und Tierpfleger für das Versorgen der Vögel zuständig. Vor dem Betreten der jeweiligen Anlage ziehen sie sich einen Schutzanzug, Brille, Maske, Handschuhe und Überschuhe an. Diese Schutzkleidung wird vor dem Eintreten bei jeder Gruppe komplett erneuert. „Das Durchseuchen eines Bestands bis zum Erhalt des Status als vogelgrippefreie Einrichtung ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon“, sagt Dr. Lukas Reese, ebenfalls Zootierarzt in Karlsruhe.

Bislang „vorbildlich“ Verschleppung verhindert

„Wir müssen unbedingt das Übergreifen der hochpathogenen aviären Influenza auf andere Bereiche im Zoo, aber vor allem auch auf Tiere außerhalb des Zoos verhindern. Die oberste Priorität liegt in der Verhinderung der Verschleppung des Virus in Wirtschaftsgeflügelbestände und private Geflügelhaltungen“, hatte die Leitende Veterinärdirektorin des Ordnungs- und Bürgeramts, Dr. Alexandra Börner, bereits vor zwei Wochen betont. Dies sei bislang vorbildlich gelungen. Um diese Ziele auch endgültig zu erreichen, müsse der Zoologische Garten aber vorerst geschlossen bleiben. Wann wieder geöffnet werden kann, steht noch nicht fest.

„Wir sind sehr dankbar, dass alle Beteiligten, der Zoo, das Veterinäramt, das CVUA, das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und die Task Force Tierseuchenbekämpfung des Landes an einem Strang ziehen. Nur so können wir diese große Krise bei uns zu einem guten Ende bringen“, blickt Zoochef Reinschmidt optimistisch auf die kommenden Wochen.

Laut Gesetz sind Vögel, die positiv getestet sind, sowie deren Kontakttiere, unverzüglich und ausnahmslos zu töten. Für den Zoo Karlsruhe konnte eine Ausnahmeregelung erwirkt werden, dass nicht nur negativ getestete Kontakttiere am Leben bleiben konnten, sondern sogar mit dem Virus infizierte Vögel teilweise gerettet werden konnten.
Einmalige Entwicklung in einem Zoo

„Es ist etwas ganz Besonderes, dass wir diese Ausnahmegenehmigung erhalten haben. Nach unserer Kenntnis hat es noch nie zuvor eine erfolgreiche Durchseuchung in einem Zoo in Zusammenhang mit der hochansteckenden Variante des Vogelgrippevirus gegeben“, stellt Roller heraus. Der Zusammenhalt im Zoo sei äußerst gut, lobt Reinschmidt: „Ohne unsere engagierten Tierärzte und unsere Tierpflegerinnen und Tierpfleger wäre dieser Kraftakt nie möglich gewesen.“

„Die Vogelgrippe kann unseren Zoo durch den Viruseintrag von Wildvögeln immer wieder erwischen. Anderen zoologischen Einrichtungen droht diese Gefahr, die in Zukunft sicher nicht kleiner wird, ebenfalls. Wir hoffen, mit unseren Erfahrungen auch Vorbild für ähnliche Fälle sein zu können. Dann hätte diese Krise tatsächlich etwas Gutes“, ergänzt Reese.

Weitere Informationen

Die Vogelgrippe tritt meist in Gebieten mit hoher Dichte an Geflügel auf sowie auch an den Hauptflugrouten der Zugvögel – wie hier am Oberrhein. Es wird vermutet, dass Wildvögel als Reservoir bei der Virusverbreitung eine Rolle spielen, vor allem wildes Wassergeflügel, welches das Virus nicht nur an Land sondern auch ins Wasser ausscheidet und es so über mehrere Wege verbreitet. Die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier über Sekrete aus dem Atem- und Geschlechtstrakt sowie über infizierte Kotausscheidungen.

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