Rund 90 Tiere mit Vogelgrippe im Zoo Karlsruhe

Tierpfleger Dennis Zander füttert die Kubaflamingos. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Die rund 700 im Zoo Karlsruhe gehaltenen Vögel sind derzeit auf 25 Einheiten aufgeteilt und werden unter Einhaltung höchster Biosicherheitsmaßnahmen versorgt. Auf dem Bild ist Tierpfleger Dennis Zander zu sehen, der die Kubaflamingos füttert. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Es gibt mittlerweile rund 90 Fälle der „hochpathogenen aviären Influenza“, auch bekannt als Vogelgrippe, im Zoo Karlsruhe. Dies wurde nach umfangreichen Beprobungen des Vogelbestands durch die Zootierärzte und Amtsveterinäre im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) bestätigt. Bei Wildvögeln ist die Situation hingegen schwer einschätzbar.

Der Zoo hat bereits in der vergangenen Woche epidemiologische Einheiten seiner Vögel gebildet. Von diesen 25 streng voneinander getrennten Gruppen sind aktuell zwei betroffen, im Rest gab es bislang keine positiven Befunde. Bei den bestätigten Fällen handelt es sich um die Pelikangruppe, Enten und Gänse. Gestorben sind 26 Tiere: 14 Pelikane, neun Hawaiigänse, eine Schwanengans, eine Nonnengans, eine Kaisergans sowie eine Hühnergans.

„Es geht mir unheimlich nahe“

„Es ist für mich als Vogelliebhaber das Schlimmste, was passieren kann. Und für den Zoo ist es eine Katastrophe. Solch ein großer Vogelgrippe-Ausbruch ist mir aus keinem anderen Zoo bekannt. Es geht mir unheimlich nahe“, sagt Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt. „Ich bin aber ein grundsätzlich positiver Mensch und sehr froh, dass das Infektionsgeschehen aktuell nur zwei Einheiten betrifft. Und selbst dann, wenn es in einem weiteren Bereich einen neuen Fall geben sollte, müsste der Ausbruch mit unseren hohen Sicherheitsvorkehrungen auf die jeweilige Gruppe beschränkt bleiben“, so Reinschmidt weiter.

Die einzelnen epidemiologischen Einheiten werden mit höchsten Biosicherheitsmaßnahmen versorgt. Dabei sind geschulte Tierpflegerinnen und Tierpfleger für das Versorgen der Vögel zuständig. Vor dem Betreten der jeweiligen Anlage ziehen sie sich einen Schutzanzug, Brille, Maske, Handschuhe und Überschuhe an. Diese Schutzkleidung wird vor dem Eintreten bei jeder Gruppe komplett erneuert.

Nach Auswertung der ersten Testreihen gibt es nun regelmäßig weitere Proben bei den rund 700 Vögeln, die im Zoo Karlsruhe leben. „Wir arbeiten derzeit alle hier an der Belastungsgrenze, um diese Krise meistern zu können“, berichtet Zootierarzt Dr. Marco Roller: „Aber jedes Tier, das wir aus unserem Bestand retten können, ist den Aufwand und das Engagement wert.“

Hohes Engagement für eine bestmögliche Lösung

Um eine bestmögliche Lösung für den Zoo und den Umgang mit dem Vogelgrippe-Ausbruch in Karlsruhe auszuarbeiten, erbringt zudem der Bereich Lebensmittelüberwachung und Veterinärwesen des Ordnungsamtes enormen Einsatz. Die Zusammenarbeit innerhalb der Stadt erstreckt sich über viele Stellen sogar bis zum Forstamt. Alle Beteiligten stehen in sehr engem Austausch und arbeiten gemeinsam an einem Sicherheitskonzept, mit dem die Ausbreitung des Virus verhindert und der Tierbestand im Zoo gerettet werden kann.

„Wir müssen unbedingt das Übergreifen der hochpathogenen aviären Influenza auf andere Bereiche im Zoo, aber vor allem auch auf Tiere außerhalb des Zoos verhindern. Die oberste Priorität liegt in der Verhinderung der Verschleppung des Virus in Wirtschaftsgeflügelbestände und private Geflügelhaltungen“, betont die Leitende Veterinärdirektorin des Ordnungs- und Bürgeramts, Dr. Alexandra Börner. Deshalb bleibe der Zoologische Stadtgarten weiterhin geschlossen.

Unterdessen ist das Ausmaß der Infektion bei Wildvögeln im Stadtgebiet Karlsruhe aktuell nicht eindeutig zu ermitteln. „Da es sich bei den bisher infizierten Wildvögeln um Arten handelt, die sich hauptsächlich an Gewässern aufhalten und der Verbreitungsweg generell vorwiegend über Wassergeflügel stattfindet, haben wir uns zum Schutz des Hausgeflügels dazu entschieden, entlang der großen Fließgewässer, mit ihren Zu- und Abflüssen, jeweils in einem Abstand von beidseitig 500 Metern, eine Stallpflicht für Geflügel anzuordnen“, fügt Börner an. Diese wird zunächst bis zum 15. März befristet sein. Zu Geflügel zählen Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Wachteln, Enten, Gänse und Strauße.

So funktioniert Aufstallung

Die sogenannte Aufstallung hat in geschlossenen Ställen zu erfolgen oder unter einer Vorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten Abdeckung und einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung besteht. Lediglich bei Hobby- und Rassegeflügelhaltungen darf die Abdeckung für die Aufstallung nach oben hin auch aus einem kleinmaschigen Netz bestehen. Dies gilt sowohl für gewerbliche wie für private Haltungen. Hierzu wird die Stadt Karlsruhe in der folgenden Woche eine Allgemeinverfügung erlassen. Vorab können die Geflügelhalterinnen und -halter bereits auf einer Online-Karte sehen, ob sie von der Maßnahme betroffen sind (siehe Links).

Hinweis an die Bevölkerung

Tote Wasservögel und Greifvögel in freier Wildbahn oder auf dem eigenen Grundstück können bei der Feuerwehr über die 112 oder die Behördennummer 115 gemeldet werden. Alle anderen Vogelarten sollten nicht gemeldet werden und können selbst entfernt werden.

Aktualisierung (17. Februar 2021)

Vogelgrippe in Karlsruhe: Vorsichtiger Optimismus

Im Zoo Karlsruhe gibt es seit Tagen keine neuen Todesfälle mehr bei den Enten, Gänsen und Pelikanen, die sich mit der „hochpathogenen aviären Influenza“ angesteckt hatten. „Es macht uns vorsichtig optimistisch, dass wir nach den 27 toten Tieren bei rund 90 Ansteckungen keine weiteren großen Verluste mehr haben könnten“, sagt Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt.

Wenn die Vogelgrippe sich weiterhin beständig aus dem Karlsruher Zoo zurückzieht, müssen aus jetziger Sicht keine Tiere vorbeugend getötet werden. Dies verlangt eigentlich die EU-Gesetzgebung nach der amtlichen Bestätigung des Ausbruchs einer Seuche der Kategorie A – in diesem Fall der aviären Influenza. Für den Zoo hat die Stadt Karlsruhe nun einer Ausnahmeregelung unter Widerrufsvorbehalt zugestimmt. Diese greift für bestimmte Tierkategorien, wie geschützte oder gefährdete Arten oder Tiere mit hohem genetischem, kulturellem oder pädagogischem Wert. Voraussetzung dafür ist eine Risikobewertung im Hinblick auf die Gesundheit der Tiere und natürlich hohe Biosicherheitsmaßnahmen. Betroffene Tiere müssen – wie im Zoo sofort geschehen – isoliert und überwacht werden, bis kein Risiko mehr zur Verbreitung des Virus besteht. Proben untersucht regelmäßig das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe.

„Dürfen Einheiten durchseuchen lassen“

„Wir werden ganze Einheiten positiver Tiere durchseuchen lassen dürfen, warten also ab, dass sich das Immunsystem der Tiere mit dem Virus auseinandersetzt und dieses eliminiert“, erläutert Zootierarzt Dr. Lukas Reese. „Für diese Möglichkeit sind wir extrem dankbar“, betont Reese. „Damit sind wir der erste Zoo in Deutschland, der in dieser Form vorgeht. Das geht aber auch nur, da der Zoo, das Veterinäramt, das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und die Task Force Tierseuchenbekämpfung des Landes an einem Strang ziehen. Dieses Vorgehen, wenn es erfolgreich ausgeht, könnte auch Vorbild für ähnliche Fälle in anderen deutschen Zoos und Veterinärämtern sein“, erklärt Dr. Marco Roller, ebenfalls Zootierarzt in Karlsruhe.

Die Aufstallung der Vögel erfolgt im Zoo Karlsruhe in 25 streng voneinander getrennten epidemiologischen Einheiten, welche regelmäßig klinisch untersucht und auf das Virus getestet werden. Auf der Basis von Stichproben werden so je Probenrunde mehr als 500 Tupfer durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Karlsruhe untersucht bis sichergestellt werden kann, dass die Tiere kein Risiko einer Übertragung der Vogelgrippe mehr bergen.

Der Zoo Karlsruhe hatte in seinem Antrag zur Ausnahmeregelung von der Tötungspflicht dargelegt, dass über ein Fünftel des gesamten Zoobestandes in Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen enthalten sind. Zahlreiche hoch bedrohte Arten werden hier gehalten, deren Verlust unwiederbringlich wäre.

Keine neuen Verdachtsfälle - vorsichtiger Optimismus

„Dass wir seit der Isolierung keine neuen Verdachtsfälle außerhalb der zwei betroffenen Gruppen haben, bestärkt uns in dem vorsichtigen Optimismus, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben zwar etwa ein Drittel der positiv getesteten Tiere verloren, die anderen zeigen aber bislang keine Symptome. Die weiteren Gruppen konnten wir durch die sehr hohen Biosicherheitsmaßnahmen vor einer Ansteckung schützen. Da können wir auf das bislang Erreichte schon etwas stolz sein“, stellt Zoochef Reinschmidt heraus.

„Damit wir als Zoo wieder als frei von der Vogelgrippe eingestuft werden können, müssen all unsere Vögel zweimal im Abstand von 42 Tagen negativ getestet werden. Dann dürfen wir alle Biosicherheitsmaßnahmen abbauen“, beschreibt Reese das weitere Vorgehen. In der zuletzt durchgeführten Testreihe seien die meisten Tests der betroffenen Tiere jedoch noch positiv gewesen. Der Zoologische Stadtgarten bleibt aktuell weiter geschlossen, um eine Verschleppung des Virus möglichst auszuschließen.

Stallpflicht für Hausgeflügel

Für Hausgeflügel in privater oder gewerblicher Haltung hat die Stadt Karlsruhe zu Beginn der Woche eine Stallpflicht beschlossen. Diese gilt entlang der großen Fließgewässer, mit ihren Zu- und Abflüssen, jeweils in einem Abstand von beidseitig 500 Metern und wird zunächst bis zum 15. März befristet sein. Geflügelhalterinnen und -halter können auf einer Online-Karte (siehe Links) sehen, ob sie von der Maßnahme betroffen sind. Zu Geflügel zählen Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Wachteln, Enten, Gänse und Strauße.

Weitere Informationen

Die Vogelgrippe tritt meist in Gebieten mit hoher Dichte an Geflügel auf sowie auch an den Hauptflugrouten der Zugvögel – wie hier am Oberrhein. Es wird vermutet, dass Wildvögel als Reservoir bei der Virusverbreitung eine Rolle spielen, vor allem wildes Wassergeflügel, welches das Virus nicht nur an Land sondern auch ins Wasser ausscheidet und es so über mehrere Wege verbreitet. Die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier über Sekrete aus dem Atem- und Geschlechtstrakt sowie über infizierte Kotausscheidungen.

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