Karlsruher Verkehrsverbund: Ticketpreise werden im Durchschnitt 3,78 Prozent teurer

Einzelfahrscheine werden für Karlsruhe ab 1. August teurer: Erwachsene müssen dann 2,80 Euro (bisher 2,60 Euro) bezahlen, der Preis für Kindertickets erhöht sich auf 1,60 Euro (bisher 1,50 Euro). Foto: cg

Einzelfahrscheine werden für Karlsruhe ab 1. August teurer: Erwachsene müssen dann 2,80 Euro (bisher 2,60 Euro) bezahlen, der Preis für Kindertickets erhöht sich auf 1,60 Euro (bisher 1,50 Euro). Foto: cg

Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) passt seine Tarife an: Zum 1. August werden die Ticketpreise um durchschnittlich 3,78 Prozent angehoben. Einen entsprechenden Beschluss hat der KVV-Aufsichtsrat mehrheitlich gefasst, die Genehmigungsbehörde muss den geplanten Änderungen noch zustimmen.

Mit der Anpassung der Ticket-Preise reagiere der KVV auf erhöhte Personalkosten durch die neuen Tarifabschlüsse im Öffentlichen Dienst, gestiegene Energiepreise für den Bus- und Bahnbetrieb sowie Investitionskosten für den Erhalt und Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur. Gleichzeitig biete der KVV seinen Kunden auch weiterhin „attraktive und preisgünstige Ticket-Angebote, etwa eine erweiterte Mitnahmeregelung für Kinder“, so der Verkehrsverbund in seiner Meldung. Ab Dezember 2021 steige der KVV mit der „Home Zone“ zudem in ein „innovatives Tarifangebot“ ein. Dies sei eine Antwort auf die gestiegene Nachfrage nach flexibleren Ticket-Lösungen, der Entfernungstarif soll für Gelegenheitsfahrten attraktiv sein.

„Angesichts der Klima- und verkehrspolitischen Ziele steht der KVV wie die gesamte ÖPNV-Branche vor der Herausforderung, die Ausweitung des Angebots oder flexiblere Ticket-Lösungen auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen. Gleichzeitig sinkt jedoch der ohnehin begrenzte kommunale finanzielle Handlungsspielraum durch die Pandemie weiter“, erklärt der KVV-Aufsichtsratsvorsitzende und Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup. „Auch wenn eine Tarifanpassung und eine verstärkte Nutzerfinanzierung immer unpopulär sind, müssen wir mit betriebswirtschaftlicher Vernunft auf diese Kostenentwicklungen reagieren. Das hat die Mehrheit des Aufsichtsrates auch so gesehen. Nur so kann der KVV den Menschen in der Region auch weiterhin ein attraktives und umweltfreundliches Nahverkehrsangebot machen“, betont Mentrup.

Zuletzt hatte der KVV im Dezember 2019 seine Tarifpreise erhöht. Im vergangenen Jahr wurde zur Kompensation die temporäre Absenkung der Mehrwertsteuer genutzt (siehe Artikel zum Thema) – der Ticketpreis blieb gleich. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht einfach gemacht. Die beschlossene Tarifanpassung gibt den Verkehrsunternehmen im KVV jedoch etwas mehr Handlungsspielraum zur Gestaltung der klimagerechten Verkehrswende. Denn neben der allgemeinen Kostenentwicklung stellen auch die Folgen der Corona-Pandemie den KVV und seine Verkehrsunternehmen weiterhin vor große wirtschaftliche Herausforderungen“, macht KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon deutlich.

Dramatischer Einbruch bei Fahrgastzahlen

Seit Ausbruch der Pandemie hat der KVV – wie alle Verkehrsverbünde und -unternehmen bundesweit – einen dramatischen Einbruch bei den Fahrgastzahlen und somit auch bei den Tarifeinnahmen zu verzeichnen – während der verschiedenen Lockdown-Phasen gingen die Fahrgastzahlen zeitweise um bis zu 75 Prozent zurück. Ohne den von Bund und Land aufgespannten ÖPNV-Rettungsschirm wäre für den KVV die Aufrechterhaltung der Mobilitätsangebote in den vergangenen Monaten nicht möglich gewesen. Zwar konnten tiefgreifende Angebotsreduzierungen im ÖPNV bislang vermieden werden. Jedoch gleicht der Rettungsschirm die Defizite bei den Tarifeinahmen nicht vollumfänglich aus. Im Jahr 2020 mindern sich die Erlöse im KVV um ca. 1,5 bis 2 Millionen Euro, 2021 sind weitere nachhaltige Fahrgeldrückgänge zu erwarten.

„Trotzdem haben die Verkehrsunternehmen im KVV auf Entscheidung von Politik und Aufgabenträgern während der gesamten Pandemie ihr Fahrplanangebot nicht ausgedünnt und sich so als verlässlicher Mobilitätsdienstleister für all jene Menschen erwiesen, die auf den ÖPNV angewiesen waren und es weiterhin sind“, so der Karlsruher Verkehrsverbund. „Das hat dazu geführt, dass die Verkehrsunternehmen kostenseitig keine Entlastung vornehmen konnten, sondern im Gegenteil sogar Mehraufwände – zum Beispiel für die zusätzlichen Desinfektions- und Reinigungsmaßnahmen in den Fahrzeugen – zu verzeichnen hatte, die nicht über den ÖPNV-Rettungsschirm von Bund und Land abgedeckt wurden“, erklärt Pischon und plädiert gleichzeitig dafür, „dass wir in Deutschland und auch hier bei uns vor Ort eine offene und ehrliche Diskussion über die zukünftige und resilientere Finanzierung des ÖPNV führen und dabei auch über zusätzliche Finanzierungsinstrumente nachdenken. Für die Politik und die Verkehrsunternehmen besteht derzeit die große Herausforderung, den Widerspruch zwischen steigenden Ansprüchen an den ÖPNV im Sinne des Klimaschutzes sowie der Forderung nach günstigen Fahrpreisen aufzulösen.“

Die einzelnen Kostenfaktoren im Überblick

Gestiegene Personalkosten durch neue Tarifabschlüsse

Mit ungefähr 60 Prozent stellen naturgemäß die Personalaufwendungen den größten Kostenblock bei den Verkehrsunternehmen dar. Hier haben die jüngsten Tarifabschlüsse zu einer deutlichen Kostensteigerung geführt. Im Herbst 2020 führten die Lohn- und Manteltarifvertragsabschlüsse zwischen ver.di und den kommunalen Arbeitgebern für die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (BzTV-N BW) zu einer Erhöhung der Personalkosten von bis zu 9,38 Prozent bis zum Jahr 2022. Bereits im April 2019 sind die Löhne um 3,09 Prozent und im April 2020 dann erneut um 1,06 Prozent gestiegen. Noch deutlicher fallen die Erhöhung der Personalkosten beim ZugTV mit der Lokführer-Gewerkschaft GDL für die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft aus. Hier kommt es von 2019 bis 2022 inklusive Zulagen und Flexibilisierung der Arbeitszeit zu einem schrittweisen Lohnzuwachs von 16,65 Prozent (Tarifvertrag für das Zugpersonal ZugTV). Für den ebenfalls geltenden ETV Tarifvertrag, der mit ver.di verhandelt wird, lagen die Personalkostensteigerungen von 2019 bis 2021 bei ca. 8,75 Prozent.

Gestiegene Energiekosten

Eine Tarifanpassung ist auch angesichts kontinuierlich steigender Energiekosten erforderlich. Zur Einordnung: Im KVV werden 80 Prozent der Fahrgeldeinnahmen im schienengebundenen Nahverkehr und 20 Prozent im Busverkehr erlöst. Somit spielt der Strompreis bei der aktuellen Kostenentwicklung eine wichtige Rolle. Dieser hat sich im Verlauf der vergangenen fünf Jahre verdoppelt. Doch auch beim für den Busbetrieb relevanten Preis für Dieselkraftstoff ist – nach einem Tiefstwert im Jahr 2020 – wieder ein Preisanstieg um rund 25 Prozent zu verzeichnen. Perspektivisch ist durch die CO2-Bepreisung hier in den kommenden Jahren mit weiter steigenden Kosten zu rechnen.

Gestiegene Materialkosten

Die Materialkostensteigerung für die Instandhaltung der Fahrzeugflotten belief sich in den Jahren 2019 und 2020 auf ca. 1,5-2 Prozent pro Jahr.

Investitionen in die ÖPNV-Infrastruktur

In den Bilanzbüchern der Verkehrsunternehmen spiegeln sich auch die hohen Kosten für Investitionen in die ÖPNV-Infrastruktur wider. Kontinuierlich verjüngen die Verkehrsunternehmen ihre Fahrzeugflotten. Auch der barrierefreie Ausbau von Haltestellen, zu dem die Verkehrsunternehmen gesetzlich verpflichtet sind, sowie Investitionen in den Erhalt der Infrastruktur und die gestiegenen Anforderungen der Digitalisierung schlagen hier auf der Ausgabenseite zu Buche. Trotz der Förderung von Bund und Land für diese Infrastruktur-Investitionen verbleiben Eigenanteile bei den Verkehrsunternehmen, die über Abschreibungen auf das bilanzielle Ergebnis zu Buche schlagen.

Inflationsrate

Neben den oben genannten Kostenfaktoren ist bei der Kalkulation zur Tarifanpassung zudem auch die Inflationsrate mit einzubeziehen. Im vergangenen Jahr lag die Inflationsrate bei 0,5 %, für 2021 wird diese von den führenden Wirtschaftsinstituten auf 1,4 % geschätzt.

Die neuen Fahrkartentarife

Der KVV wird in Kürze auf seiner Website (siehe Links) alle neuen Tarife mit den konkreten Preisen aufführen – sobald die Genehmigungsbehörde den Anpassungen zugestimmt hat. Hier eine Übersicht zur durchschnittlichen Preisanpassung bei den am stärksten nachgefragten Fahrkarten.

Einzelfahrkarten

Anpassung zwischen 4,6 bis 7,7 Prozent über alle Preisstufen hinweg (Wabe 1 bis 7). Eine 2-Waben-Einzelkarte (Geltungsbereich Stadtgebiet Karlsruhe/Baden-Baden) für Erwachsene kostet zukünftig 2,80 Euro statt wie bisher 2,60 Euro. Bei Kindern wird der Preis von 1,50 Euro um zehn Cent angehoben.

Tageskarten

Die Preise für Tageskarten werden teilweise abgesenkt und die Mitnahmeregelung für Kinder ausgeweitet (siehe Ausführungen unten). Die dadurch entstehenden Mindererlöse wirken der Tariferhöhung entgegen. Außerdem kann zukünftig die Tageskarte ganz auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten gelöst werden, ähnlich wie bei der bekannten Staffelung des Baden-Württemberg-Tickets. Eine Tageskarte „City“ für eine Person kostet so beispielsweise genau so viel wie zwei Einzelfahrkarten für Karlsruhe, 5,60 Euro. Jede weitere Person kostet wieder den Preis für eine Einzelfahrkarte in Karlsruhe mehr. So kostet die Citykarte zwei Personen, 8,40 Euro. Der Preis für die Regiotageskarte für eine Person sinkt um einen Euro von 11,80 auf 10,80 Euro. Auch hier fallen für jeden weiteren Erwachsenen nur 3,80 Euro an.

Karte ab 65

Die Karte ab 65 wird um 2,1 Prozent angepasst. Kunden zahlen dann monatlich 49 Euro statt wie bisher 48 Euro.

Monatskarten

Die Monatskarten werden um 3,0 bis 3,9 Prozent über das gesamte Sortiment angepasst. Die Erhöhung über die am stärksten nachgefragten Karten im Bereich 2 Waben beträgt 2,00 Euro. Eine Monatskarte im Geltungsbereich 2 Waben kostet ab dem 1. August 68 Euro statt 66 Euro. Eine verbundweite gültige Monatskarte (7 oder mehr Waben) kostet zukünftig 183 Euro statt 177 Euro.

Jahreskarte/AboFix

Hier erfolgt eine Anpassung um 3,4 bis 4,1 Prozent über das gesamte Sortiment. Eine Jahreskarte für Erwachsene im Geltungsbereich 2 Waben kostet nach der Tarifanpassung 708 Euro. Der bisherige Preis lag bei 684 Euro. Für eine Jahreskarte mit Netzfunktion (7 oder mehr Waben) werden 1920 statt 1.848 Euro berechnet.

KombiCard/KombiCard Partner

Die Anpassung beträgt bei der KombiCard 3,8 Prozent. Das entspricht einem Preisanstieg von 3,50 Euro im Monat. Die Karte kostet dann 94,50 Euro. Der Preis für die Partnerkarte wird – gekoppelt an die Preisentwicklung der Hauptkarte – ebenfalls um 3,8 Prozent angehoben (2,63 Euro monatlich) und beträgt dann 70,88 Euro.

9-Uhr-Karte

Die 9-Uhr-Karte wird zukünftig in denselben sechs Preisstufen der Monatskarten angeboten und dem Kunden somit ein flexibleres Angebot gemacht. Zuvor gab es nur eine Differenzierung zwischen 3 Waben oder der Netzfunktion. Für ein 2-Waben-Ticket sinkt der neue Preis um einen Euro (53 statt 54 Euro), im verbundweiten Geltungsbereich (7 Waben oder mehr) liegt der neue Preis bei 92 Euro.

ScoolCard

Die ScoolCard – eine Jahreskarte für Schüler und Azubis – wird zum 1. September um 3 Prozent angepasst. Das entspricht einer monatlichen Preiserhöhung von 1,50. Eine ScoolCard, die zur Fahrt im gesamten Verbundgebiet berechtigt, kostet dann 510 Euro (bisher 495 Euro) pro Jahr.

Ausbildungs-Monatskarte

Die Ausbildungs-Monatskarten werden ebenfalls zum 1. September um 3,0 bis 3,9 Prozent angepasst. Das entspricht einer monatlichen Preiserhöhung von 1,50 bis 4,00 Euro.

Studikarte

Hier erfolgt eine Anpassung zwischen 3,7 bis 5,6 Prozent. Bisher lag der Preis für die Studikarte (die 6 Monate gültig ist) bei 162,80 Euro. Ab September kostet das Semester-Ticket dann 168,90 Euro.

Erweiterte Mitnahmeregelung für Kinder

Auch in diesem Jahr setzte der KVV „seine familienfreundliche Tarifpolitik fort“ und bietet mit der Tarifanpassung zum 1. August auch eine erweiterte Mitnahregelung für Kinder bei Tageskarten für Erwachsenen an. Kinder bzw. Enkelkindern unter 15 Jahren fahren dann grundsätzlich immer kostenlos bei ihren Eltern bzw. Großeltern mit.

Ticket-Angebot „HomeZone“

Auch die Einführung der „HomeZone“ werde zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV beitragen, so der KVV. Damit können Kunden ab dem Jahresende 2021 über ihr Smartphone ihren individuellen Bewegungsradius als Tarifzone festlegen und damit unabhängig vom KVV-Wabennetz verkehren. Darüber hinaus wird ein luftlinienbasierter Entfernungstarif integriert, der vor allem ÖPNV-Nutzer auf der Kurzstrecke preislich entlastet. „Mit diesem E-Tarifmodell bieten wir ein innovatives Tarifmodell an, das perfekt auf die wachsenden Bedürfnisse der Kunden nach einem einfachen, digitalen Zugang zum gesamten Mobilitätsangebot des KVV zugeschnitten ist“, so Pischon. Der luftlinienbasierte Entfernungstarif wird über die App auch allen Fahrgästen zur Verfügung stehen, die keine HomeZone gebucht haben und den ÖPNV nur gelegentlich nutzen.

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