Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord wird größter Naturpark in Deutschland

Die Gemarkung Durlach gehört ab sofort zum Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Foto: cg

Die Gemarkung Durlach gehört ab sofort zum Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Foto: cg

Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder unterzeichnete am 7. Januar 2021 die Zweite Änderungsverordnung des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Auch die Gemarkung Durlach ist Teil der Gebietserweiterung (Durlach, Hohenwettersbach, Stupferich, Wettersbach, Wolfartsweier).

Durch die Änderung wird der Naturpark um 46.000 Hektar erweitert und wird so, mit einer Gesamtfläche von rund 420.000 Hektar, zu Deutschlands größtem Naturpark. Die Gebietserweiterung benötigt zur Wirksamkeit nur noch der Verkündigung im Gesetzblatt. Neu aufgenommen in den Naturpark werden die Städte und Gemeinden Aichhalden, Dunningen, Fluorn-Winzeln, Niefern-Öschelbronn und Oberndorf am Neckar. Bei 14 weiteren Kommunen am West- und Ostrand des Schwarzwaldes kommen weitere Gemeindeteilflächen hinzu.

Auf Wunsch der Kommunen auf Aufnahme in die Naturparkkulisse, beantragte der zuständige Naturparkverein Schwarzwald Mitte/Nord beim Regierungspräsidium Karlsruhe die Erweiterung des Naturparks. Mit Zustimmung des Umweltministeriums wurde das Verordnungsverfahren zur Gebietserweiterung 2019 begonnen. Das Verfahren gestaltete sich aufgrund der großen Reichweite des Naturparks und des ersten Lockdowns im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie aufwändig, konnte aber durch die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Kommunen, Vereine und Behörden nun abgeschlossen werden.

Gebietserweiterung nach Norden: Gemarkung Durlach

Der Erweiterungsbereich erstreckt sich über die Stadtteile Durlach, Hohenwettersbach, Stupferich, Wettersbach sowie Wolfartsweier (alle Gemarkung Durlach) und schließt auf rund einem Drittel seiner Fläche den nördlichsten Ausläufer des Naturraums „Schwarzwald-Randplatten“ ein. Die Gemarkung Durlach erstreckt sich im Westen entlang der Autobahn A5 und zum Teil auch über diese hinweg bis in den Oberwald hinein.

Die Erweiterungsfläche westlich der B3 beinhaltet das Naturschutzgebiet „Erlachsee“ und auch Teilbereiche der Landschaftsschutzgebiete „Oberwald und Rießnert“ und „Gießbachniederung – Im Brühl“ liegen in diesem Bereich. Das als Schonwald ausgewiesene Waldschutzgebiet „Oberwald-Rißnert“ liegt im Südwesten der Erweiterungsfläche; zudem ist die Fläche Teil des FFH-Gebiets „Oberwald und Alb in Karlsruhe“. Für diesen Bereich sind zahlreiche Amphibien- und Reptilienvorkommen bekannt, u.a. die geschützte Wechselkröte.

Die Erweiterungsfläche östlich der B3 beinhaltet die Landschaftsschutzgebiete „Bergwald-Rappeneigen“, „Grünwettersbacher Wald-Hatzengraben“, „Stupfericher Wald-Schönberg“ sowie „Turmberg-Augustenberg“ und auch die FFH-Gebiete „Pfinzgau West“ und „Wiesen und Wälder bei Ettlingen“. Der Bereich zeichnet sich zudem durch den hohen Anteil an mageren Flachlandmähwiesen aus. Auch für diesen Bereich sind zahlreiche Amphibien- und Reptilienvorkommen bekannt, u.a. das Vorkommen der Gelbbauchunke.

Die Erweiterungsfläche weist entsprechend der verschiedenen naturräumlichen Gegebenheiten ein abwechslungsreiches Mosaik unterschiedlicher Nutzungen und Landschaftsausschnitte auf. Die gesamte Erweiterungsfläche enthältwichtige Biotopverbundstrukturen von trocken bis feucht. Fundpunkte für Arten innerhalb des Artenschutzprogramms Baden-Württemberg für die Artengruppen Käfer, Pflanzen, Libellen und Schmetterlinge sind bekannt. Besonders hervorzuheben ist hierbei das Vorkommen des Dunklen Wiesenknopfameisenbläulings. Insgesamt zeichnet sich die Erweiterungsfläche durch den hohen Anteil an Landschaftsschutzgebieten aus und hat somit einen langfristigen Schutz.

Im Erweiterungsgebiet wird von der Stadt Karlsruhe noch ein Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, das künftige Landschaftsschutzgebiet „Eisenhafengrund-Grünberg“,mit einer Fläche von ca. 300 Hektar. Dieses derzeit in der Planungsphase befindliche Schutzgebiet soll den Schutz des großen, landwirtschaftlich geprägten Offenlands südlich von Durlach zum Inhalt haben.

Aufgrund der zentral in den Erweiterungsraum hineinragenden nördlichen Ausläufer des Naturraums „Schwarzwald-Randplatten“ sowie der Arten- und Biotopvielfalt und durch den Verbund aus bestehenden Schutzgebieten stelle die Erweiterung eine sinnvolle Ergänzung des Naturparks dar, so die fachliche Beurteilung des Regierungspräsidiums Karlsruhe.

Positive nachhaltige Effekte für die ganze Region

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord besteht seit dem Jahr 2000. Die Veränderungen in den letzten 20 Jahren zeigen, wie erfolgreich die Ausweisung des Naturparks für die Natur, Landschaft und die Menschen im mittleren und nördlichen Teil des Schwarzwaldes ist. Das Naturparkgebiet konnte als vorbildliche Erholungslandschaft entwickelt werden und dabei seine charakteristische Eigenart und Schönheit sowie die Vielfalt an Lebensräumen und Arten bewahren. Auch dem Tourismus, der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft kommen bei der Umsetzung der Naturparkziele eine wichtige Rolle zu.

Diese Ziele sollen künftig auch in der Erweiterungsfläche umgesetzt werden: Durch die Zusammenführung von Landschaft, Landnutzung und Tourismus sollen positive nachhaltige Effekte für die ganze Region erzielt werden. Durch die Gebietserweiterung werden weitere Entwicklungen für den Naturpark, insbesondere in den Randbereichen, ermöglicht. Beispielsweise im Bereich der Vermarktung regionaler Produkte. Zahlreiche attraktive Projekte und Initiativen können hier künftig gefördert werden.

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