Neue Turmbergbahn soll gebaut werden – Ortschaftsrat spricht sich für Erneuerung aus

Seit 1888 erschließt die Turmbergbahn das Ausflugsgebiet rund um den 256 Meter hohen Turmberg. Sie ist die älteste noch im Betrieb befindliche Standseilbahn Deutschlands. Foto: cg

Seit 1888 erschließt die Turmbergbahn das Ausflugsgebiet rund um den 256 Meter hohen Turmberg. Sie ist die älteste noch im Betrieb befindliche Standseilbahn Deutschlands. Foto: cg

Der Durlacher Ortschaftsrat hat in seiner Sitzung am Mittwoch „grünes Licht“ für die über 20 Mio. Euro teure Erneuerung der Turmbergbahn gegeben.

Es geht um die barrierefreie Erneuerung und ebenerdige Verlängerung der Turmbergbahn, bis hinab zur Bundesstraße B3. Veraltete Technik und ein Erlöschen der Betriebserlaubnis zum 31. Oktober 2022 machen diesen Schritt bei der beliebten Standseilbahn notwendig. Geplant ist zugleich die Einbindung ins ÖPNV-Netz – bisher musste für die Fahrt auf den Durlacher Hausberg ein separates Ticket gelöst werden. Mit der Eingliederung ins KVV-Netz erhoffen sich die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) weiterhin steigende Fahrgastzahlen für diese Strecke. Auch der fahrerlose, automatische Betrieb bei gleichzeitiger Verlängerung der Betriebszeiten soll dazu beitragen.

Keine Förderung, keine Bahn

Ursprünglich mit 14,7 Mio. Euro angesetzt (Stand: April 2018), wird nun seitens der VBK durch die zusätzliche Integration einer Fußgänger- und Fahrradunterführung auf Höhe der jetzigen Talstation und Baukostensteigerungen mit Kosten von ca. 20,863 Mio. Euro kalkuliert, welche von den Verkehrsbetrieben getragen werden. Vorausgesetzt: Das Land übernimmt die Hälfte der Umbaukosten. „Keine Förderung, keine Bahn!“, so die Aussage im Ortschaftsrat. Allerdings seien mehrfach schon Gespräche mit dem Ministerium für Verkehr geführt worden und man gehe durch den barrierefreien Ausbau und durch das Intergrieren in den KVV-Tarif eher sogar von einer Fördersummen von 75 Prozent aus.

Eine europaweite Ausschreibung erfolgte 2019, welche neben vielen technischen Neubauten auch ein architektonisches Konzept umfasste. Dem Ortschaftsrat wurde das ausgewählte Konzept mit baumartigen Stützreihen als Gestaltungselement bei Tal- und Bergstation präsentiert. „Mich erinnert das eher an übrig gebliebene Y-Träger vom Stadionneubau“, so Ortschaftsrat Jan-Dirk Rausch (SPD). Er hätte sich einen stärkeren historischen Bezug gewünscht. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, in einem Punkt waren sich die Mitglieder des Durlacher Gremiums allerdings einig: Bei solch markanten Veränderungen im Ortsbild sollte ihnen nicht nur ein Vorschlag vorgelegt werden. Mit dem Stadtplanungsamt sei irgendwie besprochen worden, „aber ist es wirklich das Richtige, was wir an dieser Stelle brauchen?“, stellte auch Ortschaftsrat Martin Pötzsche (GRÜNE) kritisch in den Raum.

Mittelstation

Zweites problematisches Thema war die Mittelstation beziehungsweise deren Wegfall. „Vom Bau einer Mittelstation wird aus Kapazitätsgründen der Fahrgastbeförderung derzeit abgesehen“, so die Verkehrsbetriebe. Eine spätere Nachrüstung sei aber möglich. Grund hierfür ist der Umstand, dass bei Standseilbahnen die Mittelstation – wie der Name schon sagt – genau in der Mitte platziert werden müsste. Dieser Standort entspricht allerdings nicht der jetzigen Talstation, sondern wäre weiter bergaufwärts. Eine Lösung kann somit nur eine Bedarfshaltestelle sein, die in die geplante Querung integriert werden müsste. Problem dabei: Auch die gegenläufige Bahn müsste im Bedarfsfall dann warten. Die Fahrzeit würde sich somit von ca. 210 auf 440 Sekunden erhöhen, so die VBK, entsprechend sich die Fahrgastkapazitäten reduzieren. In den meisten Fällen wohl unproblematisch, würde es an „Tagen, wenn das Geschäft brummt“ zum Problem werden. Auch die zusätzlichen Kosten für den Bau im geschätzt siebenstelligen Bereich wären nicht unerheblich.

Fast durchweg Zuspruch erhiet der Architektur-Entwurf für die Fußgänger- und Fahrradunterführung. Dieser sieht eine offene, platzähnliche Gestaltung vor, „die sich weit öffnet und durch ihren hellen Charakter freundlich und sicher wirkt“.

Am Ende der Diskussion wurde im Ortschaftsrat der Verlängerung der Turmbergbahn einstimmig zugestimmt. Im Fall der Mittelstation sprachen sich 12 dafür und 5 gegen den Bau aus. Zwei Ortschaftsräte enthielten sich. Ortschaftsrat Andreas Kehrle begründete die Haltung der CDU mit Blick auf leere Kassen in Corona-Zeiten: „Wir möchten die Verlängerung nicht gefährden.“ Daher sprachen sich er und seine Parteimitglieder vorerst gegen eine Mittelstation aus, die auch noch zu einem späteren Zeitpunkt nachgerüstet werden könnte.

Am 20. Oktober 2020 wird der Karlsruher Gemeinderat sich mit der Beschlussvorlage befassen. Das Planfeststellungsverfahren ist bis Herbst 2022 anvisiert, so dass dann die Bautätigkeiten beginnen könnten. Diese würden vermutlich ein gutes Jahr, also 2023, in Anspruch nehmen.

21. Oktober 2020

Auch Gemeinderat stimmt mehrheitlich zu – allerdings ohne Mittelstation

Der Gemeinderat stimmte in der gestrigen Sitzung der barrierefreien Erneuerung und ebenerdigen Verlängerung der Turmbergbahn zu. 43 Ja-Stimmen standen 4 Nein-Stimmen von KAL/Die PARTEI gegenüber.

Der ergänzende Antrag der SPD, im Bereich der jetzigen Talstation ein Haltepunkt der Turmbergbahn als sogenannte Mittelstation zusätzlich einzurichten, wurde hingegen mehrheitlich abgelehnt (13 Ja-, 34 Neinstimmen). Stellungnahmen seitens der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) zum Änderungsantrag: Die VBK sind weiterhin der Auffassung, dass keine Mittelstation erforderlich sei. Die dadurch entstehende Fahrzeitenverlängerung würde zu einer massiven Reduzierung der Fahrgastkapazität führen. Trotzdem könne die Mittelstation nachgerüstet werden (zusätzliche Kosten je nach Ausführung ca. 0,6 – 1,0 Mio. Euro).

Weitere Informationen

Turmbergbahn

Ortschaftsrat Durlach

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