„Wir dürfen den öffentlichen Raum nicht mit Angst belegen“

Das Einhalten der AHA-Regeln schützt einen selbst und das Gegenüber – wie hier auf dem Durlacher Wochenmarkt, wo Maskenpflicht gilt. Foto: cg

Das Einhalten der AHA-Regeln schützt einen selbst und das Gegenüber – wie hier auf dem Durlacher Wochenmarkt, wo Maskenpflicht gilt. Foto: cg

Landrat Christoph Schnaudigel und Oberbürgermeister Frank Mentrup informieren über die aktuelle Corona-Lage in der Region.

„Wir wollen in der aktuellen Situation deutlich machen, worauf es ankommt in diesen Tagen“, betonte Karlsruhes Oberbürgermeister Mentrup am Freitag, 6. November 2020: „Denn aktuell sind die Labore bis zum Anschlag ausgebucht, haben keine Kapazitäten mehr.“ Auch seien die zuständigen Stellen bei den Nachverfolgungen überlastet. All dies würde in der aktuellen Situation die Bemühungen von Stadt- und Landkreis belasten. „Alleine diese Woche wurden über 6.000 Kontakte verfolgt“, so Landrat Schnaudigel: „Das ist aufwändig, trotz der Hilfe der Bundeswehr.“ Aber die Ämter kämen an ihre Grenzen dabei, kein Wunder, dass es zwar noch machbar, wenn auch mit einem Tag Rückstand sei. „Das liegt aber meist daran, dass die Laborkapazitäten am Anschlag sind!“

Gruppe der Betroffenen hat sich gewandelt

Waren es im Frühsommer überwiegend „ältere“ Menschen in der Region, die schwere Verläufe hatten, hat sich das gewandelt: Aktuell sind überwiegend 20- bis 35-Jährige die Hauptbetroffenen in der Region, die dabei mitunter nur leichte oder gar keine Symptome haben, aber das Virus eben weitertragen: „Das macht es dabei so schwer“, so Landrat und OB unisono – und appellierten deutlich an die Bewohner der Region, die Maßnahmen ernst zu nehmen. Die Verordnung des Landes sei eine klare Vorgabe. „Reduzieren Sie persönliche Kontakte und halten Sie Abstand“, so die klare Ansage, denn man könne nicht sicher sein, dass das Gegenüber bei diesen Zahlen nicht auch infiziert ist.

Die Krankenhäuser in der Region melden immer mehr Patienten, die „Jahrgang 64 und jünger sind, die aber schwere Verläufe haben“, so Mentrup – und zog dabei den sichtbaren Unterschied zum Frühjahr: „Wir können durchaus darüber diskutieren, ob Kultureinrichtungen oder Restaurants zu schließen sind, aber mit den Anordnungen geht’s darum, generell deutlich die Kontakte zu reduzieren!“ Denn die aktuellen Fälle in der Region sind weiter auf einem hohen Niveau! Die Steigerung in den vergangenen sieben Tage ist deutlich ablesbar in der Grafik! Das Durchschnittsalter der Patienten mit stationärer Behandlung ist aktuell merklich niedriger als im Frühsommer.

30 Prozent der Infektionsquellen unbekannt

Auch die Quellen der Neuinfektionen hat sich gegenüber dem Sommer verändert, betonen Mentrup und Schnaudigel: Der Anteil „Unbekannt“ ist deutlich gestiegen, „zum Glück liegt er aber in der Region nur bei 30 Prozent“, doch das mache die Nachverfolgung um ein Vielfaches schwerer: Erfolgte der Kontakt vielleicht doch im Betrieb, in der Bahn, im Restaurant, beim Sport? … Sicherlich seien es keine klassischen Hotspots in der Gastronomie und Kultur, aber bei einer großen Menge sei das eben nicht mehr nachvollziehbar. „Das 'Woher' ist dann offen, das könnte dann auch dort passiert sein“, so Schnaudigel: „Wenn wir die Kontakte reduzieren, dann kann es uns gelingen, dass wir das Infektionsgeschehen halbwegs wieder in den Griff bekommen. Aber aktuell sind die Fallzahlen auf einem hohen Niveau, für unsere Auffassungen zu hoch. Denn längst hat es auch die größeren Arbeitgeber in der Region betroffen, die anders als in der ersten Welle, jetzt anders auch reagieren müssten.

Dass man die Kontakte deutlich reduzieren müsse, zeige sich auch bei der Entwicklung in den Nachbarstaaten. „Diese aktuellen Maßnahmen sind der Versuch, vor größeren Maßnahmen wie einer Ausgangssperre“, machten Mentrup und Schnaudigel deutlich: Sonst gerate das Gesundheitssystem an seine Grenzen. Schon jetzt würden in einzelnen Krankenhäusern die Notplätze knapp, werden nicht dringend notwendige Operationen verschoben.

Bürger sollten sich deshalb immer bewusst machen, dass das Gegenüber vielleicht doch das Virus in sich trage, also ansteckend sein kann. Wer sich selber an die Regeln hält, schützt sich und andere. „Die Regeln einhalten, das hilft allen“, so Mentrup.

Aktuell gebe es in den Schulen der Region „viele Einzeleinträge, aber es sieht so aus, dass die Maßnahmen greifen“, so Schnaudigel: „Wir haben mit einzelnen Ausnahmen erfreulicherweise wenige Ausbrüche.“ Auch der ÖPNV sei ein Thema – gerade bei der Verlässlichkeit, denn mit Krankheitsfällen würden Bahnen ausfallen, da meist die Krankmeldungen am Morgen kämen – und Erstaz sei nicht immer möglich!

Kontrollen der Maskenpflicht

Das ist zwischen Stadt- und Landkreis ein unterschiedliches Thema. Im Landkreis gebe es keine großen Anhaltspunkte, betonte Schnaudigel, dass es große Verstöße gebe, immerhin bei über 30 Gemeinden, da kontrolliere die Ortspolizei zudem regelmäßig.

In der Stadt würden Passanten auf einen Masken-Hinweis meist reagieren, so der Oberbürgermeister, der aber zugab, dass bei Kontrollen ohne Uniform „ein größerer Anteil der Bevölkerung“ entsprechend Hinweise brauche: „Viele haben die Ernsthaftigkeit der Ansage nicht verstanden“, so seine deutliche Anmerkung: „Abends und nachts, da fällt das mir besonders auf!“

Angebotsvielfalt leidet

Durch die geschlossene Gastronomie in der Karlsruher Innenstadt leide aktuell auch der Einzelhandel besonders. Eine Erkenntnis, die nicht gerade neu ist, denn beide Sparten brauchen sich, brauchen Anziehungspunkte. „Mit Abstand und/oder Maske: Nur so werden wir wieder den Betrieb herstellen können“: Oberbürgermeister und Landrat betonten indes, dass das Einkaufen in der Stadt per se kein Infektionsrisiko sei. Kreativität sei in diesen Tagen besonders gefragt, dezentrale Angebote sollen dabei in Karlsruhe für „Stimmung“ sorgen, „das wird auch eine Aufgabe der Stadt sein“, so Mentrup: „Wir dürfen den öffentlichen Raum nicht mit Angst belegen!“

Die aktuelle Situation mit einem stagnieren der Zahlen, sei kein Grund für Entwarnung: „Wir brauchen ein Sinken der Zahlen, damit wir die Pandemie besser in den Griff bekommen können“, so Mentrup und Schnaudigel unisono – und gaben zu bedenken, dass Krankenhäuser eine deutlich nachlaufende Entwicklung zeigen würden, „bis zu drei Wochen“.

Diagramme aus Presseinformation des Landkreises und der Stadt Karlsruhe.

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