Offener Brief des Gesamtelternbeirats: „Schulen in Karlsruhe im Zeichen der Pandemie“

Auf Abstand während der Corona-Pandemie: Unterricht in der Turnhalle des Markgrafen-Gymnasiums. Foto: cg

Auf Abstand während der Corona-Pandemie: Unterricht in der Turnhalle des Markgrafen-Gymnasiums. Foto: cg

Offener Brief des Gesamtelternbeirat Karlsruher Schulen an Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und Bürgermeister Martin Lenz (21. Mai 2020).

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Mentrup, sehr geehrter Herr Bürgermeister Lenz,

seit Ende März die Schulen geschlossen haben, hat sich die Situation aufgrund der Corona Pandemie permanent verändert. Sind viele vermutlich noch zu Beginn davon ausgegangen, dass bis nach den Osterferien wieder ein weitgehend regulärer Schulbetrieb möglich sein wird, so stehen wir heute vor der Tatsache, dass wir davon ausgehen müssen, dass dies auch noch nach den Sommerferien möglicherweise so nicht stattfinden kann. Dies erfordert andere Maßnahmen für die Schulträger, als wenn man von Übergangslösung zu Übergangslösung denkt, wie man es bislang im Kultusministerium tut – aber nicht nur dort, sondern offensichtlich auch bei der Stadt Karlsruhe.

Grundsätzlich können wir konstatieren, dass im Großen und Ganzen vieles gut und richtig läuft. Auf eine Umfrage hin haben wir wenige, sehr ernst zu nehmende Beschwerden von den ElternvertreterInnen der Schulen erhalten. Nichtsdestotrotz stellen wir fest, dass „im Großen und Ganzen“ eben nicht ausreicht. Die, die schon immer am meisten unter der Bildungsungerechtigkeit zu leiden hatten, kommen jetzt verstärkt in die Bredouille. Das liegt auch daran, dass es in Karlsruhe wie in vielen anderen Städten keinen Plan für eine längere Abkehr vom Präsenzunterricht gibt.

So haben wir erfahren, dass zwar einige SchülerInnen Laptops über das Landesmedienzentrum erhalten haben. Aber anscheinend nutzen nicht alle Schulen diese Möglichkeit tatsächlich aus und wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Wieso hier das Windhundkonzept zum Tragen kommt, ist uns völlig unverständlich. Leider wurde aber trotz dieser Maßnahme vergessen, an weiteres, dringend benötigtes Gerät zu denken: ein kombinierter Scanner und Drucker. Viele Aufgaben müssen die SchülerInnen ausdrucken, ausfüllen, einscannen und zurück an die LehrerIn übertragen. Per E-Mail oder Moodle. Denn: nicht alle SchülerInnen haben Zugang zu PC/Laptop und Drucker. Was uns zum nächsten Punkt bringt: nicht alle SchülerInnen haben Zugang zum Internet. Das KA-WLAN ist nicht flächendeckend im Stadtgebiet erreichbar, jenseits der Innenstadt wird es reichlich dünn mit den Zugangspunkten. Insofern: selbst wenn die SchülerInnen an ein ausgedrucktes Arbeitsblatt kommen, und sie das Ergebnis fotografieren könnten: sie haben keine Möglichkeit, die Ergebnisse zu übertragen.

Darüber hinaus erreichen uns Berichte, nach der einzelne Schulen um Spenden von Desinfektionsmittelspendern und/oder Seife gebeten haben. Wir wollten es nicht glauben, dass die Stadt Karlsruhe angesichts der partiellen Schulöffnung mit den Prüfungsklassen nicht für ausreichend Vorrat gesorgt hat.

Zur Ausstattung der SchülerInnen wäre daher nötig:

Eine Ausstattung aller SchülerInnen der Karlsruher Schulen mit einem Laptop, der für Officeanwendungen, Bild und Videobearbeitung, Online-Video und Chatsysteme angemessen ausgestattet ist. Diese Ausstattung sollte im Rahmen der Lernmittelfreiheit vom Schulträger übernommen werden. Eltern können von einer Ausstattung absehen, wenn schon eine vorhand en ist. Die Ausstattung aller SchülerInnen der Karlsruher Schulen mit Drucker, Scanner und mindestens Webcam und Mikrofon zur Teilnahme am sogenannten Fernunterricht.

Die Ausstattung aller aller SchülerInnen der Karlsruher Schulen mit einem adäquaten Internetzugang. Dies kann bspw. über käufliche zu erwerbende Hotspots erfolgen.

Zur Ausstattung der Schulen wäre daher nötig:

Um den Unterricht in der vollen Bandbreite zu gewährleisten, sollten alle Karlsruher Schulen Zugang zu Serverkapazitäten haben. Dies kann in großen Schulen durch eigene Serverkapazitäten erfolgen oder aber durch Anschluss an das Karlsruher Glasfasernetz. Denn es gibt auch Berichte über ausgefallene Stunden, weil Moodle und BigBlueButten oder Jitsy nicht mehr aufgrund von Bandbreitenproblemen funktionierten.

Eine umgehende Erfassung sämtlicher der Ausstattung der Schulen mit Seife, Handdesinfektion und Einmalhandtüchern und Schließung eventuell vorhandener Lücken.

Grundsätzlich:

Es scheint uns, als gäbe es kein umfassendes fachliches und technisches Konzept, wie Schule in Karlsruhe aussehen kann, wenn Präsenzunterricht weiterhin weitgehend ausgesetzt bliebe – bis über die Sommerferien hinaus. Auch wenn wir es uns nicht wünschen – diese Situation muss bedacht und vorbereitet werden. Bei allen Öffnungskonzepten gibt es zu viele Unabwägbarkeiten und es wird ja dieser Tage intensiv vor einer zweiten Welle gewarnt.

Wir fordern Sie daher auf, sich mit den Schulen ins Benehmen zu setzen und eine ungeschminkte Bestandsaufnahme durchzuführen und vorhandene Lücken sofort zu schließen. Wir fordern Sie auf, gemeinsam mit Schulen und Eltern ein Konzept zu entwickeln, das der Tatsache Rechnung trägt, dass die Schulschließungen auch noch länger andauern können. Dazu sollte so schnell wie möglich der Schulbeirat einberufen werden. Selbst wenn wir dieses Konzept in der aktuellen Situation nicht benötigten, könnte es für zukünftige Situationen,die der jetzigen gleichen, genutzt werden.

Suchen Sie positive Beispiele aus den städtischen Schulen, promoten Sie sie, verstärken Sie sie. Übernehmen Sie gute Lösungen und entwickeln Sie Handlungsempfehlungen aus diesen „Best Practice Beispielen“. Holen Sie alle Schulleitungen (mit genügend Abstand natürlich) zusammen und diskutieren, was aus deren Sicht nötig ist. Sehen Sie diese Situation als Chance, sich und die Schulen für die Zukunft aufzustellen. Um eine digitale Kultur an den Schulen zu entwickeln, die offensichtlich nicht vorhanden ist, muss die IT-Infrastruktur unbedingt State of the Art sein. Und wir möchten anmerken: die Ausstattung der Schulen mit IT ist ein Thema, an das wir als GEB immer und immer wieder erinnern – zuletzt im Januar diesen Jahres. Auch hier stehen noch Antworten aus.

Und ein letztes Wort zur Schülerbeförderung: auch die Stadt Karlsruhe ist in den Gremien vertreten, die eine Entlastung der Eltern von den Kosten für die Schoolcard bislang verhindert haben. Bis zum Zeitpunkt, als dieser Brief formuliert wurde, gibt es keine Information an die Eltern, wann sie dieses Geld zurückerhalten werden – obwohl ein verbindlicher Beschluss der Koalition in Stuttgart vorliegt. Setzen Sie sich unbedingt dafür ein, dass bis spätestens 22. Mai eine Auszahlung an alle Eltern stattfindet.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Mentrup, sehr geehrter Herr Bürgermeister Lenz, uns ist bewusst, dass die Corona Pandemie Sie vor viele, ganz neue Herausforderungen stellt. Das Kultusministerium reagiert nur ungenügend. Auch dort hangelt man sich von Woche zu Woche und scheut sich, langfristige Entscheidungen zu treffen. Wir sind uns bewusst, dass vieles Gutes geschieht aber im Bereich Schule ist es nunmal so, dass „Vieles“ nicht ausreicht. Die Bildungsgerechtigkeit ist ein zentraler Auftrag, direkt mit den im Grundgesetz garantierten gleichwertigen Lebensumständen verbunden. Ihr Auftrag ist es, allen SchülerInnen an den Karlsruher Schulen die bestmöglichen Zugänge zu Bildung, gerade in diesen Zeiten zu ermöglichen. Das funktioniert in unseren Augen nur bedingt.

Lassen Sie uns gemeinsam nach den besten Lösungen suchen – unsere Unterstützung und Kooperation ist Ihnen gewiss.

In Erwartung einer baldigen Antwort
Mit freundlichen Grüßen

Für den Gesamtelternbeirat KARLSRUHE
Peer Giemsch, Vorsitzender

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