Verbundprojekt „regioKArgo“ nimmt Fahrt auf: Neuartige Güter-Tram wird angestrebt

In Zeiten schwacher Auslastung könnte durch die Entwicklung einer Güter-Tram ein kombinierter Betrieb mit Personen- und Güterbeförderung möglich sein. Foto: cg

In Zeiten schwacher Auslastung könnte durch die Entwicklung einer Güter-Tram ein kombinierter Betrieb mit Personen- und Güterbeförderung möglich sein. Foto: cg

In den vergangenen Monaten haben sich mehrere Projektpartner zusammengefunden, um unter dem Motto „regioKArgo“ in Karlsruhe und der umliegenden Region neue Formen des Warenladungs- und Lieferverkehrs zu untersuchen und umzusetzen, um diese Verkehre zum einen stärker von der Straße auf die Schiene zu verlagern und zum anderen die letzte Meile der Belieferung emissionsfrei zu gestalten.

Der stetig zunehmende Lieferverkehr stellt sowohl Kommunen, wie die Stadt Karlsruhe, als auch die Speditionen und Logistikunternehmen vor wachsende Herausforderungen. Mit Blick auf den Wirtschaftsverkehr kommt es durch diese angespannte und sich weiter verschärfende Situation zunehmend zu Problemen und Engpässen – sowohl auf Seiten der Speditionen und Transportunternehmen, was z. B. die Fahrzeugverfügbarkeit und die Gewinnung von Personal anbelangt, als auch auf Seiten der Kommunen und deren Einwohnern, die unter der wachsenden Verkehrsbelastung leiden. Um hier für eine dauerhafte Entlastung und mehr Klima- und Umweltschutz zu sorgen, könnten unter anderem umgebaute Trams für den Transport von Waren eingesetzt werden. Der Austausch zwischen den Städten und die Belieferung der Innenstädte würde dann künftig mit diesen Güter-Trams gebündelt erfolgen – ausgehend von sog. „Konsolidierungscentern“. In Karlsruhe und ggf. auch anderen Städten und Gemeinden würden „City-Hubs“ entstehen, von denen aus die Waren dann innerhalb der Stadt in der „Feinverteilung“, z. B. mit Lastenrädern, weiter ausgeliefert werden können.

Verkehrswende auch im Güter- und Warentransport

„Das vom öffentlichen Personennahverkehr bekannte und von VBK und AVG seit vielen Jahren erfolgreich betriebene „Karlsruher Modell“ bietet auch für diese Anwendung beste Voraussetzungen, um die Verkehrswende auch im Güter- und Warentransport zu ermöglichen“, ist sich Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer der VBK und AVG, sicher. Bei „regioKArgo“ mit von der Partie sind namhafte Partner aus der gesamten Region. Die Stadt Karlsruhe ist über das Stadtplanungsamt an dem Projekt beteiligt. Bürgermeister Daniel Fluhrer bringt sich als Vertreter der Stadt federführend in die Arbeit des Lenkungskreises ein. Seine Zielsetzung: „Die Stadtqualität steht für uns an erster Stelle und innovative Logistik- und Lieferkonzepte können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Verkehrsbelastungen zu reduzieren“.

Auf Forschungsseite ist die Hochschule Offenburg, Studiengang Betriebswirtschaft/Logistik und Handel, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit dem Institut für Fahrzeugsystemtechnik und dem Institut für Verkehrswesen, das Forschungszentrum Informatik (FZI) sowie MARLO-Consultants involviert. Aus dem Bereich der Verkehrsunternehmen zählen neben den beiden kommunalen Verkehrsunternehmen Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) auch die DB Engineering & Consulting GmbH mit ihrem Standort in Karlsruhe. Um praxistaugliche Lösungen zu entwickeln, sind mehrere Speditionen, Logistikdienstleister und weitere Dienstleistungsunternehmen beteiligt. Das Mobilitätsnetzwerk der Region, Automotive Engineering Network (aen) bündelt die Aktivitäten.

Die vergangenen Monate wurden intensiv dazu genutzt, eine Projektgruppe zu bilden und eine Projektstruktur für die weitere Zusammenarbeit zu etablieren. „Das Gesamtprojekt regioKArgo bietet eine große Chance, die Klimawende für die Stadt Karlsruhe und die Region durch nachhaltige Konzepte als Alternative zur bisherigen Form des Gütertransports zu beschleunigen“, sagt Waldemar Epple, Vorstandsvorsitzender des aen.

Güter-Tram soll bereits 2022 getestet werden

Innerhalb des Projekts wurden Arbeitspakete definiert, welche die erforderlichen Teilaspekte vertiefend behandeln und vorantreiben. So bereitet beispielsweise eine Gruppe aus Forschungspartnern und Industrieunternehmen unter Führung der AVG das Projekt „LogIKTram“ vor. Dieses hat neben ersten Logistik- und Lieferkonzepten sowie Grundbausteinen zur IKT-gestützter Konsolidierung und Transportplanung vor allem das Ziel, einen ersten Demonstrator für eine Güter-Tram zu konzipieren und diesen bereits in 2022 als Pilotanwendung zu testen. Dabei ist angedacht, die Güter-Tram so auszuführen, dass diese in Hauptverkehrszeiten exklusiv für die Personenbeförderung und in den Schwachlastzeiten im kombinierten Betrieb mit Personen- und Güterbeförderung eingesetzt werden kann. Die im Projekt „LogIKTram“ gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen bilden damit eine solide Basis, welche dann gewinnbringend und effizienzsteigernd in die vertiefenden Arbeiten des Gesamtprojekts „regioKArgo“ einfließen wird. Dabei soll durch ein abgestimmtes Gesamtkonzept in den kommenden Jahren erreicht werden, Warenströme auf der Schiene zu bündeln und aus der Region in die Innenstädte zu befördern und dabei die bereits vorhandene Infrastruktur des „Karlsruher Modells“ optimal zu nutzen.

Mit der Entwicklung des „Karlsruher Modells“ als weltweit erstem TramTrain-System wurden in der TechnologieRegion Karlsruhe bereits vor Jahrzehnten Maßstäbe gesetzt. „Mit regioKArgo kann in der TechnologieRegion erneut Pionierarbeit geleistet werden“, ist auch Bürgermeister Daniel Fluhrer überzeugt.

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