Vor 75 Jahren: Neubeginn für das „Wölfle“ mit US-Soldaten und Feuerwehr

1935 gegründet, 1945 neu in Betrieb genommen: Vor 75 Jahren erlebte das Freibad Wölfle einen Neubeginn. Foto: Wittemann

1935 gegründet, 1945 neu in Betrieb genommen: Vor 75 Jahren erlebte das Freibad Wölfle einen Neubeginn. Foto: Wittemann

Vor 75 Jahren, im Juli 1945, schlug die zweite Geburtsstunde des 1935 gegründeten und im Zweiten Weltkrieg beschädigten Freibads Wölfle.

Es waren amerikanische Soldaten und die freiwillige Feuerwehr Wolfartsweier, die das Freibad Wolfartsweier in einer Hauruck-Aktion im Juli 1945 wieder instandsetzten.

Die letzten Gefechte des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet der Gemeinde Wolfartsweier fanden rund um den Taleinschnitt der Reichsautobahn Karlsruhe-Stuttgart und damit in der unmittelbaren Nähe des Freibads Wölfle statt. Am Ostersamstag, 31. März 1945, wurde die Autobahnbrücke durch deutsche Soldaten gesprengt. Grundlage war Hitlers Nero-Befehl, mit welchem der Diktator die Zerstörung der Infrastruktur Deutschlands anordnete. Französische Truppen rückten am 4. April 1945 in das Stadtgebiet Karlsruhe ein. Deutsche Soldaten zogen sich in Hangstellungen beiderseits der Autobahn Karlsruhe-Stuttgart zurück, welche Teil der Schwarzwaldrandstellung waren. Vom 4. bis zum 7. April 1945 beschossen Infanterie, Artillerie und ein vor der eingestürzten Autobahnbrücke postierter amerikanischer Panzer die deutschen Resttruppen. Es ist wahrscheinlich, dass bei diesen Gefechten auch das bereits im Kriegsverlauf bombardierte Freibad Wolfartsweier weitere Schäden davontrug.

Bei Wolfartsweier kämpfende deutsche Soldaten kapitulierten am 7. April 1945 und wurden in Wolfartsweier in einen Keller gesperrt. Noch am gleichen Tag nahmen die französischen Truppen Grünwettersbach und Hohenwettersbach ein. Das Leben normalisierte sich nur sehr langsam. Das Freibad Durlach wurde am 13. Juni 1945 und das Freibad im Rheinhafen am 16. Juni 1945 wieder für die Bevölkerung geöffnet.

Der Autobahn Karlsruhe-Ulm kam im Plan der Alliierten zur Aufteilung Deutschlands eine wichtige Bedeutung zu. Die Amerikaner beanspruchten das nördlich der Autobahn liegende Gebiet einschließlich der Autobahn und der an ihr liegenden Städte. De Gaulle weigerte sich gegenüber dem amerikanischen Präsidenten Truman zunächst vehement, die bereits eingenommenen Städte Karlsruhe und Stuttgart zu räumen. Erst die Androhung von Blockaden durch die Amerikaner führte schließlich dazu, dass sich die Franzosen am 7. Juli 1945 auf eine südlichere Linie – die Grenze zum Landkreis Karlsruhe – zurückzogen.

Schlauchleitung vom Zündhütle brachte wieder Wasser

Die erste Amtshandlung der Amerikaner in Wolfartsweier war die Beschlagnahmung des außer Betrieb befindlichen Freibads. Als die Pumpen zur Füllung des Beckens versagten, ließen die amerikanischen Soldaten das Becken durch die freiwillige Feuerwehr Wolfartsweier füllen, indem diese Wasser über Schlauchleitungen von der Munitionsfabrik Zündhütle bis ans Ortsende zum Freibad pumpte. Die bei dieser Aktion beschädigten Feuerwehrschläuche, mit denen eine Distanz von rund einem halben Kilometer – und auch noch bergauf – überwunden werden musste, bezahlten die Amerikaner. Die amerikanische Besatzungsmacht hob die Beschlagnahme am 11. August 1945 auf. Es herrschte im Sommer 1945 reger Badebetrieb.

Am 16. April 1947 wurde das Freibad – ohne zuvor die Gemeinde zu informieren – wieder von den Amerikanern beschlagnahmt. Das Bad blieb in amerikanischer Hand bis zum Ende der Besatzungszeit und sogar darüber hinaus. Erst am 30. November 1949, also rund fünf Monate nach Gründung der Bundesrepublik, gab ein US-Offizier das Bad zurück an die Gemeinde Wolfartsweier.

Ausgleichszahlung und Neubeginn

Bürgermeister Robert Huber ließ nach dem Abzug der Amerikaner die von diesen verursachten Schäden und Kosten auflisten und stellte 1950 bei der zuständigen amerikanischen Dienststelle einen Antrag auf Ausgleich von über 14.000 DM. Immerhin erhielt die Gemeinde daraufhin die Gesamtsumme von 8.405,91 DM.

In der vom Verein für die Geschichte von Wolfartsweier herausgegebenen informativen Chronik Wolfartsweier sind die Geschehnisse rund um das Bad bei Kriegsende (Prof. Dr. Gerd Roellecke, Heft 8, Vom Dorf zum Stadtteil, Seiten 134-137) und in der Nachkriegszeit (Elga Roellecke, Heft 2, Wasser und Straßen, Seiten 78-79) ausführlich dargestellt. In den späteren Jahren erfolgte zwei Mal ein weiterer Neubeginn für das Freibad in Wolfartsweier. 1967 erfolgte ein Neubau des Bads mit 50-Meter-Becken an alter Stelle, 1993 erhielt das Wölfle-Bad seine jetzige Gestalt als Familienbad.

Weitere Informationen

Aktuelle Infos zu Mitgliedschaft, Unterstützungsmöglichkeiten und Öffnungszeiten gibt es jeweils auf der Website des Freibads (siehe Links).

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