. .
Sie sind hier:  Start  >  Neuigkeiten-Archiv  >  Artikel

Durlacher Branchenverzeichnis

500 Unternehmen aus allen Branchen
Firmenpartner mit eigener Seite
(Kontaktdaten, Öffnungszeiten, Links)

Durlacher Infomail abonnieren

Durlacher Infomail abonnieren

Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein:

Torwächterhaus am Ochsentor – ehemaliges Wohnhaus der Familie Gültling

Gestaltungsidee von Architekt Mirko Felber: Freigelegter Torbogen und die Nordmauer als erhaltenes Teilstück des Vortores des ehemaligen Durlacher Ochsentors. Mit den neu hinzugefügten Dachgauben könnte man das Dachgeschoss noch besser ausnutzen. Grafik: Felber / Arbeitskreis Stadtbild Durlach

Der Lokalhistoriker Robert Gültling aus Hohenwetterbach, geboren 1932 in Durlach, berichtet in einer schriftlichen Aufzeichnung an den Arbeitskreis Stadtbild Durlach über seine interessante Familiengeschichte und die damit verbundene langjährige Nutzung des „Torhauses“ am ehemaligen Ochsentor, welches in seiner Familie immer so bezeichnet wurde. Johann Nepomuk von Gültlingen, später mit bürgerlich verkürztem Familiennamen Gültling, war wohl der erste Besitzer des historischen Durlacher Gebäudes in der Familie.

Zum Torwächterhaus am Ochsentor in Durlach

Das Torhaus kann als ehemaliger Stammsitz der Familie Gültling bezeichnet werden. Bereits der Ur-Ur-Großvater von mir, Johann Nepomuk Gültling hatte das Haus bewohnt. Das geht aus einem Geburtseintrag hervor, nachdem eine seiner Töchter, Friderike, 1836 in der Adlerstraße 32 (heute Ochsentorstraße 32) geboren wurde. Er bewohnte das Haus mit drei Söhnen und drei Töchtern.

Sein Vater, Karl August von Gültlingen, 1771 in Berneck geboren, war großherzoglich badischer Kammerherr und „Oberst“ der badischen Truppen und wohnte in Durlach. Im Jahr 1812 zog er mit ca. 2.000 Mann bis nach Moskau und kam mit 62 Überlebenden nach Durlach zurück.

Johann Nepomuk von Gültlingen, (mein Ur-Ur-Großvater) wurde wie seine Schwester im Schloss Eichtersheim geboren. Er selbst kam am 8. Mai 1807 auf die Welt. Die Schwester Friderike wohnte später bei ihrer Tante, der Baronin Schilling von Canstatt in Hohenwettersbach. Johann Nepomuk wurde Soldat und arbeitete später im Karlsruher Schloss und im Hoftheater.

Sein Sohn, Friedrich Josef Gültling, geb. am 19. Februar 1841, gestorben am 30. September 1888 verbrachte sein ganzes Leben im Torhaus. Seine Schwester Friderike heiratete in eine der ältesten Durlacher Familien, den Hafnermeister und Sohn eines berühmten Waffenschmiedes, August Bull. Er hatte fünf Söhne und drei Töchter. Da er der einzige männliche Nachkommen mit dem Namen Gültling war, der Söhne hatte, gehen alle Nachfahren mit dem Namen Gültling auf ihn zurück, darunter der Großvater von mir, Philipp.

Nächster Besitzer des Torhauses wurde Friedrichs Sohn Heinrich Gültling. Dieser bewohnte das Haus mit einem Sohn und drei Töchtern. Erbe des Hauses war seine älteste Tochter Mina König, geborene Gültling. Die Familie hatte zwei Töchter. Mina  König selbst hatte bis zu ihrem Tod im Torhaus gelebt.

Die Familien, die das Torhaus bewohnten, waren weitgehend Selbstversorger. Neben dem Torhaus gab es zwei Schweineställe, einen Ziegenstall sowie Hasen- und Hühnerställe. Auch Gänse und Enten wurden gehalten. Ein Garten im „Strähler“ sorgte für Obst und Gemüse. Auf ein paar Äckern wurden Kartoffeln, Getreide und Mohn angebaut. So war es bei vielen Durlacher Familien, die als Ackerbürger lebten.

Der auf alten Fotos ersichtliche Torbogen diente in späteren Jahren als Einfahrt für die Handkarren, der dahinter befindliche Raum wurde zur Lagerung des eingefahrenen Erntegutes genutzt. Früher soll sich nach Aussage meines Großvaters hinter dem Torbogen statt des Lagerraumes jedoch eine Arrestzelle aus Zeiten der Torwächter befunden haben.

Ich erinnere mich sehr gut an die bitteren Kriegs- und Nachkriegsjahre 1944 bis 1947, in denen ich zweimal im Jahr an den Schlachttagen bei der Tante Mina (König, geb. Gültling) „Metzelsupp“ mit ein paar geplatzten Würsten in einer Milchkanne abholen durfte.

Aufgezeichnet von Robert Gültling

Hohenwettersbach, 5. April 2019

Bilder

Aktuelle Aufnahme des Gebäudes in der Ochsentorstraße 32. Foto: cg

Alte Aufnahme: Zoll- und Wachhaus beim ehemaligen Ochsentor. Foto: Historischer Verein Durlach

Weitere Informationen

Freundeskreis Pfinzgaumuseum – Historischer Verein Durlach auf Durlacher.de

von pia/cg veröffentlicht am

Aktuelle TOP-Themen auf Durlacher.de

Zeugen gesucht! Kupferdiebe richten 100.000 Euro Sachschaden in Durlacher Rohbau an

Bislang unbekannte Täter haben in der Nacht zum Freitag (14. Februar 2020) den Bauzaun eines Rohbaus in der Durlacher Pfinzstraße überwunden und...

„heiter bis rauschend“ mit Paaren, Pärchen und Paarungen

Werke u. a. von Bach, Joplin und Ogden am 22. Februar 2020 um 20 Uhr in der Stadtkirche Durlach – Eintritt frei.

Fraktionen von DIE LINKE und GRÜNE wollen öffentlichen Parkraum budgetieren

Die Karlsruher Gemeinderatsfraktionen von DIE LINKE und GRÜNE beantragen im kommenden Gemeinderat die Budgetierung des öffentlichen Parkraums nach...

Damwildgehege im Bergwald mutwillig zerstört

Forstamt: Freilaufende Tiere nicht beunruhigen / Hunde an die Leine nehmen.

Bereits 40 „Amoretten“ lassen Durlacher Geschichte in der Altstadt aufleben

Vor 4 Jahren hatte die im vergangenen Jahr verstorbene Gerda Schneider-Sato begonnen, Schilder für die Durlacher Altstadthäuser im Einvernehmen mit...

Falsche Polizeibeamte am Telefon – aktuell zahlreiche Betrugsversuche in Durlach

Mindestens 20 Anrufe von falschen Polizeibeamten sind am Montag (10. Februar 2020) beim Polizeirevier Karlsruhe-Durlach angezeigt worden.

Bahnhof Durlach: Zeugenaufruf nach Körperverletzung in Straßenbahn und Unterführung

Am Samstag (8. Februar 2020) kam es zwischen 14.15 und etwa 15.00 Uhr in der Straßenbahnlinie S51 von Pforzheim nach Karlsruhe bzw. im Bahnhof Durlach...

Text trifft Ton zu Wandel und Wirren

Nach dem große Erfolg seines Programms „Heimat und Fremde“ präsentiert das Trio „Text trifft Ton“ im Salon der Durlacher Orgelfabrik erstmals seine...

Dachse zu Besuch in Grötzingen

Besonders in der Nacht und bei Dämmerung lässt sich in den Hohlwegen rund um Grötzingen mit etwas Glück der „Grimbart“ antreffen.

Alle Neuigkeiten aus Durlach im Archiv auf Durlacher.de