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Die Geschichte des Torwärterhauses am Ochsentor

Zoll- und Wachhaus beim ehemaligen Ochsentor (alte Aufnahme). Foto/Grafik: Historischer Verein Durlach

Wer über die Ochsentorstraße in die Altstadt von Durlach gelangen möchte, wird einen der vier Wege wählen, den Bürger, Hintersassen und Auswärtige schon im Spätmittelalter nahmen. – Ein Beitrag des Historischen Vereins Durlach.

Im Norden war dies der Gang durch das Ochsentor, ein dreigeschossiger Torturm in Flucht der noch heute gut zu erkennenden Zwingermauer. Davor befand sich der um die gesamte Stadt verlaufende Stadtgraben. Im Grabenbereich vor dem Ochsentor führte zudem der vom Blumentor im Osten kommende Glasurgraben das Wasser der Pfinz zur Glasurmühle der Fayancefabrik. Beide Gräben querte man ursprünglich über eine Brücke, wobei am Ochsentor ein Brückenteil als hölzerne Zugbrücke ausgebildet war, die sich über den Stadtbrand von 1689 hinaus noch für das Jahr 1724 belegen lässt.

Was den wenigsten bekannt sein dürfte: Vor allen Tortürmen gab es ein weiteres Vortor, das sich in einem Mauerzug vor dem Stadtgraben befand. Innerhalb dieser Mauer stand ein Wachthaus. Der heute verwendete Begriff „Torwärterhaus“ ist eine jüngere Bezeichnung desselben Gebäudetyps und nimmt Bezug auf die an den Stadteingängen stationierten Torwärter.

Das Wachthaus am Ochsentor stand einst auf der anderen, westlichen Straßenseite. Wie Aufzeichnungen im Stadtarchiv Karlsruhe belegen, wurden die wohl üblicherweise vorwiegend aus Holz erbauten Wachthäuser nach dem Stadtbrand von 1689 mehrfach umgebaut bzw. neu errichtet und durch weitere Gebäude ergänzt - so auch jenes am Ochsentor. Denn spätestens Mitte des 18. Jahrhunderts kam ein zweites Gebäude hinzu, das man an der Stelle des heutigen „Torwärterhauses“ errichtete. Die Wachstelle bestand demnach aus zwei Gebäudeteilen, beiderseits der Straße.

Auch die Vortore wurden nach dem Stadtbrand wieder instandgesetzt. Über jenem am Ochsentor wurde 1701 ein Schwibbogen erneuert, der an die offensichtlich vom Stadtbrand verschont gebliebenen Mauerteile angesetzt wurde. Ein Foto des „Torwärterhauses“ aus den 1980er Jahren deutet darauf hin, dass von diesen Mauern die etwa 80 Zentimeter breite, rechte Tormauer bis heute erhalten ist und als Teil der nördlichen Hauswand eine neue Verwendung fand.

Entsprechend den Archivquellen muss das heutige Gebäude spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts an Stelle mindestens eines Vorgängerbaus entstanden sein. Mit seiner später zugemauerten, heute verputzten und daher nicht mehr sichtbaren Hauseinfahrt wird es im Jahre 1802 beschrieben.

Zu dieser Zeit gab es in Durlach noch zwei städtische Torwärter: Friedrich Klenert am Bienleinstor und Nicolaus Decker am Blumentor. Sie waren auch für die „Nebentore“, das Basler- und Ochsentor zuständig. Im Jahre 1842 wurde das Ochsentor auf Abbruch versteigert und zwischen 1842 und 1864 auch der westliche Teil des Vortores abgebrochen. 1924/25 wurde bei Straßenarbeiten die alte steinerne Brücke über den Stadtgraben wieder entdeckt, deren Bögen man in den 1980er Jahren freilegen ließ. Im selben Jahrzehnt wurden auch die Bürgerhäuser des 19. Jahrhunderts zugunsten des heutigen Parkplatzes beseitigt. Von den Gebäuden innerhalb des Vortores ist heute nur noch das „Torwärterhaus“ Ochsentorstraße 32 erhalten, das zusammen mit Brücke, Zwinger- und Stadtmauer noch immer den ursprünglichen Zustand des nördlichen Stadteingangs erkennen lässt. Auf den ehemaligen Ochsentorturm verweist ein Schild an der Zwingermauer.

Foto Torwächterhaus (aktuell): cg

Weitere Informationen

Freundeskreis Pfinzgaumuseum – Historischer Verein Durlach auf Durlacher.de

von pm veröffentlicht am

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