Fliegende Innovation aus Durlach

Fliegende Innovation aus Durlach. Foto: ASB Region Karlsruhe

Sinnvoll etwa für die Personensuche, wie dieses Ansicht aus 30 Metern Höhe verdeutlicht. Fotos: ASB Region Karlsruhe

Der Arbeiter-Samariter-Bund Baden-Württemberg e.V. Region Karlsruhe mit Sitz in Durlach setzt Drohnen im Rettungsdienst ein.

Der Arbeiter-Samariter-Bund kann künftig die Notfallrettung und den Bevölkerungsschutz in Baden-Württemberg mit Drohnen unterstützen. Am Standort Karlsruhe hat der ASB ein Drohnenteam aufgebaut, das vor allem bei großen Open-Air-Veranstaltungen, der Erkundung schwer zugänglicher Schadensstellen oder der Personensuche aktiv wird. Die Bilder aus der Luft helfen dabei den Rettern am Boden. Das Drohnenteam ist über die Integrierte Leitstelle Karlsruhe alarmierbar, aber auch in ganz Baden-Württemberg einsetzbar.

Bei Drohneneinsätzen suchen die Retter mit Hilfe der ferngesteuerten Fluggeräte aus der Vogelperspektive nach vermissten Personen oder unterstützen Einsatzkräfte mit Bildern aus der Luft bei unübersichtlichen Großveranstaltungen oder Großschadenslagen. Eine sinnvolle Ergänzung zum Rettungsdienst am Boden ist dies vor allem bei der schwierigen Erkundung von Einsatz- und Schadensorten wie Wasserflächen, Waldgebiete oder auch Innenstädten und Industriegebieten.

Guter Überblick für unübersichtliches Gelände

„Wir sehen gute Einsatzmöglichkeiten vor allem bei unübersichtlichen Arealen, Sportveranstaltungen mit dynamischer Entwicklung wie Radrennen und den zunehmenden Sucheinsätzen hilfloser Personen. Die Drohnen ermöglichen aber auch die gefahrlose Erkundung zum Beispiel bei Bombenfunden, Brand- und Räumungseinsätzen und schützen damit die Rettungskräfte“, erklärt Daniel Groß, zuständig für den Rettungsdienst im ASB Baden-Württemberg die Vorteile der „Unmanned Aerial Vehicles“ (UAV), wie die Drohnen im Fachjargon heißen.

Das Drohnenteam besteht aus Drohnenpiloten, Auswertern und den Führungskräften. Neben zwei Drohnen steht dem Team ein Gerätewagen mit technischem Material, ein Einsatzleitwagen (ELW), ein Kommandowagen sowie zwei Krads und zwei Geländefahrzeuge (Quads) zur Verfügung. Bei den Drohnen handelt es sich um Hexacopter Yuneec H520.

Beide Drohnen verfügen jeweils über sechs Rotoren. Sie sorgen für eine besonders stabile Lage in der Luft und ermöglichen einen sicheren Einsatz selbst bei Wind bzw. dann, wenn ein Rotor wider Erwarten ausfällt. Die integrierte Weitwinkelkamera ermöglicht hochwertige Fotos mit bis zu 20 Megapixeln; Videos werden mit einer Auflösung von 4K aufgenommen. Beide Fluggeräte sind zudem mit einer Wärmebild- und Restlichtdualkamera ausgestattet, was insbesondere bei der Suche nach vermissten Personen eine wichtige Rolle spielt.

Die Wärmebildkamera zeigt relative Temperaturunterschiede an. Mithilfe der Restlicht-Kamera sind dank 20fach erhöhter Lichtempfindlichkeit gegenüber dem menschlichen Auge auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch hervorragende Aufnahmen möglich. Wird während des Fluges permanent gefilmt, beträgt die Flugzeit der Hexakopter bis zu 28 Minuten. Die Bilder des Fluges lassen sich freilich in Echtzeit auf einem Bildschirm verfolgen – dazu dient die Bodenstation mit einer HD-Auflösung von 720 Pixeln.

Von Projektbeginn an mit dabei war Christoph Nießner. Der Vorsitzende der ASB Region Karlsruhe ist zugleich Leitender Notarzt für die Stadt Karlsruhe und Landesarzt des ASB. Er verfügt über jahrelange Erfahrung in der Notfallrettung und weiß, wie wichtig es ist, sich bei Großschadenslagen wie größeren Veranstaltungen schnell den Überblick verschaffen zu können.

„Von oben“ sagt Nießner, „lassen sich bei Großveranstaltungen auch Bewegungen von Menschenmengen in den Blick nehmen. So können wir, wenn Not am Mann ist, gezielt helfen. Außerdem lassen sich aus der Luft Gefahrenschwerpunkte frühzeitig finden und Schadensherde identifizieren, ohne dass sich die Einsatzkräfte selbst in Gefahr bringen müssen“, erläutert der Mediziner die Vorteile der Hexakopter, wie die Drohnen auch genannt werden.

Was früher außerhalb militärischer Einsatzfelder als technische Spielerei galt, entpuppt sich mittlerweile als Instrument, das die Notfallrettung und den Bevölkerungsschutz sinnvoll ergänzen kann. Dank der Neuregelung der Drohnenverordnung durch den Bund im April 2017 wurden die Einsatzmöglichkeiten dieser Technik im Bevölkerungsschutz erweitert. Hilfsorganisationen ist es demnach erlaubt, Drohnen ohne Sondergenehmigung der Luftfahrtbehörden einzusetzen. „Wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für einen Hubschrauber pro Minute sind, macht die Erkundung größerer Areale mittels Drohne auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn“, gibt Nießner zu bedenken.

Mit technischer Hilfe Menschenleben retten

„Wir vom ASB sind grundsätzlich offen für Neues und finden es wichtig, alle zur Verfügung stehenden Mittel und Techniken zu nutzen, um Menschenleben zu retten. Etwas stolz macht es uns, wenn wir dabei sogar zu einer Art Vorreiter in Baden-Württemberg werden, um den Einsatz von Drohnen im Rettungsdienst alltagstauglich zu machen“, sagt Dr. Andreas Bröker, Geschäftsführer der ASB Region Karlsruhe.

Mithilfe von Reserve-Akkus können beide ASB-Drohnen über eine Dauer von etwa 1,5 Std. am Stück eingesetzt werden. Ein Knopfdruck genügt und sie kehren zur Bodenstation zurück. Fällt der Akkustand auf ein für den Flug zu geringes Niveau, tun sie es automatisch.

Die Feuertaufe hat die Drohne bestanden: Neben Testzwecken bei größeren Übungen hat das Drohnenteam kürzlich die Suche nach einem vermissten Kind unterstützt. Die Drohne war hierbei in unwegsamem Gelände entlang von Bahngleisen eingesetzt.

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