Petition als offener Brief: Rettet den Karlsruher Schülerhort „Grazer Straße“

Petition als offener Brief: Rettet den Karlsruher Schülerhort „Grazer Straße“. Foto: pm

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Die Elterninitiative hat in Kindergärten des Schulbezirks und im Hort 68 Unterschriften von Eltern gesammelt, die sich für den Erhalt des Horts „Grazer Straße“ aussprechen.

Dies entspricht einem hohen Anteil an zukünftigen Schulkindeltern der Oberwaldschule, die sich den Erhalt des Hortes wünschen. Der Hort soll ab dem Schuljahr 2016/17 auslaufen, da die Oberwaldschule in eine Ganztagsschule in Wahlform umgewandelt wird. Dies wurde in der Gemeinderatssitzung am 24.11.2015 unter TOP 16 beschlossen. Ein Änderungsantrag der Partei GfK wurde knapp mit 26 zu 21 Stimmen abgelehnt.

Das Stadtamt Durlach und die Schulleitung der Oberwaldschule haben die betroffenen Eltern für Donnerstag, 28. Januar 2016, um 17.15 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in den Hort eingeladen, in der hoffentlich viele Fragen zum Auslaufen des Hortes und zur Umsetzung der Ganztagsschule und zu den möglichen Problemen in Zusammenhang mit dem Auslaufen des Hortes und der flexiblen Nachmittagsbetreuung geklärt werden können, wie zum Beispiel:

  • Mit welchen personellen und finanziellen Mitteln soll ein hortähnlicher Betreuungsstandard in der Ganztagschule erreicht werden?
  • Werden zukünftig die Halb- und Ganztagsschüler in gemeinsamen Klassen vermischt oder gibt es eine tatsächliche Trennung der Schulzüge?
  • Wie sieht die Rhythmisierung des Schultages für die Ganztagsschüler aus?
  • Wie steht es um die Zukunft des Hortes? Werden Erstklässlern oder Schülern höherer Klassenstufen frei werdenden Hortplätze zur Verfügung gestellt?
  • Wie steht es um die Zukunft der flexiblen Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr für die Regelschüler (Halbtags) und die Schüler der Stufen 3 und 4?
  • Können die Regelschüler und die Schüler der Stufen 3 und 4 auch zukünftig am Mittagessen teilnehmen, so wie es zur Zeit möglich ist?
  • Wird der Mensa-Umbau im Haushaltsplan 2017/2018 mit berücksichtigt oder erst 2019/2020? Die zur Zeit vorhandenen 45 Plätze, in der auch die Werkrealschüler der Oberwaldschule ihr Mittagessen einnehmen, werden zukünftig voraussichtlich nicht mehr ausreichen.
  • Können auch die Regelschüler an der Ferienbetreuung der Ganztagsschule teilnehmen?

Petition als offener Brief

Petition als offener Brief der Initiative der Elternschaft des Schülerhorts „Grazer Straße“ an Ortsvorsteherin Alexandra Ries, Bürgermeister Martin Lenz und Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup.

Rettet den Karlsruher Schülerhort „Grazer Straße“

1. Bedarfsabfrage zur Ganztagsschule
Wir fordern Herrn Frank Mentrup, Herrn Martin Lenz und das Schulamt der Stadt Karlsruhe auf, eine Bedarfsabfrage für die Ganztagsbetreuung an der Oberwaldschule (OWS) durchzuführen, in der der tatsächliche Betreuungsbedarf abgebildet wird. Hierfür ist bei der Befragung nicht nur nach Regel- oder Ganztagsschule zu fragen, sondern ebenfalls nach der Art der Ganztagsbetreuung wie verpflichtender Ganztagsschule (GTS), Halbtagsschule mit freiwilliger Hausaufgabenbetreuung oder Hort.

Begründung:
Im Schuljahr 2014/15 erfolgte eine Bedarfsabfrage zur GTS bei den Eltern im Schulbezirk, deren Kinder im Schuljahr 2015/16 einschult werden sollten, sowie bei den OWS-Grundschuleltern der damaligen Klassen 1 und 2. Die Bedarfsabfrage stellte lediglich eine Auswahl zwischen Halbtags- oder Ganztagsschule, die Wahl zum Hort oder freiwilligen Nachmittagsbetreuung fehlte gänzlich. Daher haben einige Eltern der zukünftigen Schulkinder lediglich aufgrund der in der Umfrage fehlenden Alternativen für die GTS gestimmt, obwohl sie eigentlich einen Hortplatz oder die flexible Nachmittagsbetreuung favorisieren würden.

Die Schulkonferenz hat auf Grundlage der Ergebnisse dieser Bedarfsabfrage einer Umwandlung zur GTS in Wahlform zugestimmt. Ob der mit dieser einseitigen Abfrage ermittelte GTS-Bedarf von 44 Plätzen tatsächlich der reale Bedarf ist, bleibt fraglich, da die Abfrage weder verbindlich war, noch erwähnt wurde, dass an der Schule eine flexible Hausaufgabenbetreuung und ein Hort besteht und weiterhin bestehen bleiben würde, wenn die Umwandlung zur GTS nicht erfolgt.

Verbindliche Anmeldungen zur Halbtagsschule und Ganztagsschule für das Schuljahr 2016/2017 stehen noch aus. Bei den damaligen Klassen 1 und 2 haben sich nicht ausreichend Eltern für die GTS entschieden, sodass die Umwandlung zur GTS im kommenden Schuljahr lediglich die Erst- und Zweitklässler betrifft.

Eine transparente Abfrage, die Eltern über alle existierenden Angebote an den Schulen aufklärt, würde die Akzeptanz der Eltern gegenüber der Entscheidung der Stadt Karlsruhe, die Grundschulen in Ganztagsschulen umzuwandeln, erheblich steigern. Denn dann würden nämlich nur dort Ganztagsgrundschulen entstehen, wo sie aufgrund fehlender Alternativen tatsächlich benötigt werden.

2. Horterhalt
Wir fordern Herrn Dr. Frank Mentrup, Herrn Martin Lenz und die Verantwortlichen der Stadt Karlsruhe auf, den Schülerhort „Grazer Straße“ auch nach Einführung der Ganztagsschule in Wahlform weiterhin zu erhalten, bis eine spezifischere Bedarfsabfrage (GTS, Halbtag, ergänzende Betreuung (Kernzeit bis 14 Uhr), flexible Nachmittagsbetreuung, Hort) durchgeführt wurde, mit einer umfassenden Evaluation des tatsächlichen Bedarfs an Plätzen für die GTS.

Begründung:
Der Schülerhort wird nach aktuellem Beschlüssen ab Schuljahr 2016/17 auslaufen und spätestens in 3,5 Jahren geschlossen werden, da nur die Schüler mit aktuell laufenden Hortverträgen einen Bestandsschutz haben.

Zurzeit gibt es an der Oberwaldschule eine gut organisierte Nachmittagsbetreuung in der ergänzenden Betreuung bis 14 Uhr für ca. 100 Kinder und der anschließenden Hausaufgabenbetreuung bis 16 Uhr für 26 Kinder. Parallel dazu gibt es den städtischen Schülerhort für 40 Kinder, der sowohl eine Nachmittagsbetreuung bis 17 Uhr als auch eine umfangreiche Schließtage-/Ferienbetreuung bietet.

Mit Einführung der GTS in Wahlform ab dem Schuljahr 2016/17 wird für die Erstklässler der Hort nicht mehr zur Verfügung stehen und auch die städtischen Zuschüsse für die Hausaufgabenbetreuung werden früher oder später gekürzt. Das bedeutet, dass es keine vertraglich gesicherte flexible Nachmittagsbetreuung für die Halbtagsschüler mehr geben wird. Die Eltern können nur noch zwischen verpflichtender Ganztagsschule oder Halbtagsschule wählen.

Die Familien, die aus verschiedenen Gründen ihr Kind nicht verpflichtend bis 16 Uhr in die Schule schicken wollen, können entweder die Nachmittagsbetreuung der Kinder im Austausch mit anderen Eltern in Eigeninitiative organisieren, an eine Schule mit flexibler Nachmittagsbetreuung wechseln oder die Arbeitszeit soweit reduzieren, dass die Nachmittagsbetreuung selbst gewährleistet werden kann. Der Wechsel in eine Schule mit flexibler Nachmittagsbetreuung ist zudem in Durlach erschwert, da es hier keine Regelgrundschule mit flexibler Nachmittagsbetreuung mehr gibt, so dass diese Kinder in eine Schule eines anderen Stadtteils gebracht werden müssen. Der daraus resultierende zusätzliche Organisations- und Fahraufwand oder die Arbeitszeitreduzierung ist nicht im Sinne der Verbesserung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu werten.

Zudem ist bei der Einrichtung einer GTS eventuell mit Anlaufschwierigkeiten zu rechnen, wie es aus anderen Ganztagsgrundschulen im Umfeld zu hören ist. Als Beispiel sei hier auf die mangelnde Rhythmisierung hinzuweisen, für die momentan kein ausgereiftes Konzept vorliegt. Bis ein dem Hort annähernd qualitativ hochwertiger Betreuungsstandard in der Ganztagsgrundschule erreicht ist, sollte ein pädagogisch ausgereiftes Konzept der Hortbetreuung nicht einfach so aufgegeben werden.

Folgende Gründe sprechen für den Erhalt des Hortes:

  • Der Hort unterliegt einem Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag nach § 22 Abs. 3 SGB VIII
  • Zur Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit: In Karlsruhe sind die Hortbeiträge sozialverträglich gestaltet. Einkommensschwache Familien können einen Zuschuss erhalten, der abhängig ist von der Höhe des Familieneinkommens
  • Qualifizierte pädagogische Betreuung durch 2 Erzieher pro Gruppe von Montag bis Freitag bis 17 Uhr. Dies bietet die Möglichkeit, verschiedenen Interessen gleichzeitig gerecht zu werden (d. h. 2 betreute Angebote zur gleichen Zeit zu machen, wie z. B. Toben im Hof UND Bastelarbeiten im Haus)
  • beim Hort gibt es keine "Pflichtanwesenheit", dadurch ist auch eine zeitliche Flexibilität möglich. Die Kinder können zwischen 15.30 Uhr und 17:00 Uhr abgeholt werden.
  • es besteht die Möglichkeit, den Hort nur tageweise zu buchen
  • bestehendes, gut funktionierendes Team mit pädagogischem Konzept
  • die Kinder und die Eltern sind ausnahmslos voll zufrieden mit dem Konzept und den Betreuern des Horts
  • es gibt eine feste Tagesstruktur, die das Zusammenleben fördert und Sicherheit und Halt gibt
  • die Integrationsförderung von Kindern mit Migrationshintergrund ist deutlich besser aufgrund des besseren Betreuungsschlüssels. Der Hort fördert das Zusammenleben der Kulturen.

Förderung der Sozialkompetenzen:

  • Förderung der Sozialkompetenz durch altersgemischte Gruppen, die aus je 20 Kindern bestehen (aktuelle Klassengröße über 20)
  • der Austausch der Kinder über Klassengrenzen ist im Hort möglich und wird gefördert.
  • Übernahme von Aufgaben und Pflichten (Tischdienst, Küchendienst) fördert das Verantwortungsbewusstsein

Verpflegung:

  • Mittagessen in ruhiger familiärer Atmosphäre, ohne Zeitdruck und unter einer Aufsicht, die den Eltern die Gewissheit gibt, dass das Kind überhaupt etwas zu sich nimmt

Räumlichkeiten:

  • räumliche Trennung zur Schule: die Kinder sind nicht den ganzen Tag und nicht auch noch in den Ferien in der Schule, in den Hort gehen alle Kinder gerne!
  • kindgerechte Umgebung durch Spielbereiche
  • Ferienbetreuung in kindgerechter Umgebung mit großer Auswahl an Spielen, Bastelmaterialien und auch Raum, diese zu nutzen oder auch an einem Projekt über mehrere Tage zu arbeiten
  • mehrere Räume, sodass schnellere Kinder bei den Hausaufgaben schon spielen können und die „langsameren“ die nötige Ruhe haben, ihre Aufgaben in der Zeit zu Ende zu bringen, die sie benötigen
  • generell bieten mehrere Räume die Möglichkeit, sich bei Bedarf zurückzuziehen
  • Abwechslung durch die Möglichkeit, nach Absprache auch die Spielmöglichkeiten in der anderen Gruppe zu nutzen

Ferienbetreuung:

  • gesicherte Ferienbetreuung durch qualifiziertes pädagogisches Personal und den Kindern bekannten Bezugspersonen
  • kindgerechter Umgebung mit Spielbereichen und -angeboten

Wir bitten Sie unsere vorgetragenen Sachargumente für den Horterhalt sachlich und ideologiefrei zu prüfen. Für die Stadt Karlsruhe sollte neben der Frage der Finanzierung der Schul- oder Betreuungsangebote in erster Linie auch die Qualität im Vordergrund stehen. Eine freie Elternwahl bei Aufrechterhaltung des Hort-Angebotes motiviert die Ganztagsschule zu einem qualitativ hochwertigeren Angebot.

Uns geht es um die Zukunft der Kinder und um eine freie Wählbarkeit des Familienzusammenlebens.

Eine Initiative der Elternschaft
des Schülerhorts „Grazer Straße“
Grazer Straße 7
76227 Karlsruhe (Durlach)

Weitere Informationen

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