Suche Zimmer – biete Unterstützung im Haushalt

Stefanie Bienwald (l.) und Marianne Feix von den Paritätischen Sozialdiensten stellten gemeinsam mit Roland Laue die Wohnpartnerbörse vor. Foto: cg

Stefanie Bienwald (l.) und Marianne Feix von den Paritätischen Sozialdiensten stellten gemeinsam mit Roland Laue die Wohnpartnerbörse vor. Foto: cg

Günstige Wohnungen für Studenten sind in Karlsruhe Mangelware. Gerade zu Beginn des Wintersemesters bilden sich lange Schlangen bei Zimmerbesichtigungen. Warum also nicht einen anderen Weg gehen?

Die Idee besonderer Wohngemeinschaften verfolgen in Karlsruhe seit 2008 die Paritätischen Sozialdienste in Kooperation mit dem Studentenwerk. Im Rahmen der „Wohnpartnerbörse“ finden Bürger mit Wohnraum und Studenten zusammen.

Das Projekt, das auch in anderen Städten erfolgreich unter dem Titel „Wohnen für Hilfe“ läuft, bietet für beide Seiten Vorteile. Studenten können vergünstigt wohnen, da sie nur die Nebenkosten zu berappen haben. Im Gegenzug verpflichten sie sich dazu, pro Quadratmeter Wohnraum 1 Stunde Mithilfe im Monat zu leisten. Diese kann individuell vereinbart werden. Familien werden beispielsweise bei der Kinderbetreuung unterstützt. Ältere Menschen wird das Leben in den eigenen vier Wänden erleichtert, indem der neue Mitbewohner Einkäufe erledigt oder sich um den Garten kümmert. Pflegeleistungen hingegen sind tabu.

Um auch in Durlach für das Projekt zu werben, war Stefanie Bienwald von den Paritätischen Sozialdiensten zusammen mit ihrer Kollegin Marianne Feix zu Gast im Rathaus. Von den aktuell 27 Karlsruher Wohnpartnerschaften sind drei auf Durlacher Gemarkung anzutreffen. Diese relativ kleine Zahl verdeutliche, dass es sich zur Zeit noch um ein „Nischenprojekt“ handle, so Bienwald. Gleichzeitig sieht sie in der ehemaligen Markgrafenstadt Potenzial für die Wohnpartnerbörse, da hier häufig noch große Wohnungen vorhanden sind – teils zu groß für eine alleinstehende Person. Die schnelle Erreichbarkeit von Uni oder Hochschule machen den Wohnort zudem attraktiv.

„Der Prozess, eine fremde Person in seinen Haushalt aufzunehmen, erfordert Überwindung“, wusste Bienwald aus ihren Erfahrungen zu berichten. Daher wird jede Partnerschaft von Anfang an individuell durch die Paritätischen Sozialdienste begleitet. Zuerst wird bei Interesse an einer Wohnpartnerschaft der Wohnraum geprüft, ehe es dann auf die Suche nach einem geeigneten Studenten geht. Anhand vorliegender Bewerbungsbögen, in denen Wohnraumwünsche und angebotene Hilfeleistungen abgeklärt werden, wird ein erstes Treffen zum Kennenlernen vereinbart. Hier, so Bienwald, sei sie bewusst nicht dabei, da so offener miteinander geredet werden könne. Im Anschluss daran besteht auch die Möglichkeit eines „Probewohnens“. Sind sich Wohnraumgeber und Student einig, geht es ans Anfertigen eines Überlassungsvertrags. In diesem wird neben dem Mietverhältnis die vereinbarte Hilfeleistung und deren Umfang dokumentiert. Dies sei wichtig, denn so ist der Rahmen für beide Parteien klar abgesteckt. Und treten doch mal Unstimmigkeiten auf, können sich die Betroffenen an Bienwald wenden. Ein Scheitern sei allerdings selten. Nur etwa zwei Prozent aller Wohnpartnerschaften werden vorzeitig beendet.

„Sicherlich ist die Einsparung von Miete eine starke Motivation für die Studenten“, so Bienwald. Zugleich sei auf Seiten der Bewerber aber auch ein hohes Maß an sozialem Engagement bemerkbar. Und das Interesse an dem Wohnprojekt ist groß. Auf momentan drei offene Angebote kommen etwa 20 interessierte Studenten. Ein Grund für Roland Laue, Leiter des Bereichs Jugend und Soziales im Stadtamt Durlach, die Wohnpartnerbörse auch in Durlach voranzutreiben. Insbesondere sehe er eine Chance darin, die Vereinsamung bei älteren Menschen zu reduzieren.

Wer sich für das kostenlose Projekt interessiert, kann sich unter Tel. 0721 / 91230-34 an die Paritätischen Sozialdienste wenden. Auch werden in der Mensa des Studentenwerks in regelmäßigen Abständen Treffen für alle Interessenten der Karlsruher Wohnpartnerschaften angeboten. Weitere Informationen findet man auch online (s. Links).

Weitere Informationen

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