Nach dem Abstieg des KSC: Angriffe auf eingesetzte Sicherheitskräfte

Polizeibericht Durlach

Nach Ende des Relegationsspiels gegen den SSV Jahn Regensburg und dem besiegelten Abstieg des Karlsruher SC in die dritte Liga ist es am Montagabend (14. Mai 2012) im und um das Wildparkstadion durch Karlsruher „Fans“ zu massiven Angriffen gegen die Sicherheitskräfte gekommen.

Insgesamt 75 Personen, darunter 18 Polizeibeamte, wurden verletzt. Die mit starken Kräften im Einsatz befindlichen Rettungsdienste mussten 58 Verletzte versorgen. Eine Frau, die abseits des Angriffsgeschehens drei Meter in die Tiefe gestürzt war und eine schwere Rückenverletzungen erlitten hatte, musste in eine Klinik gebracht werden.

Unmittelbar nach Abpfiff des Spiels versuchten Karlsruher Anhänger auf das Spielfeld zu stürmen. Diese konnten aber durch die Einsatzkräfte rasch in die Blöcke zurückgedrängt werden.

Während die weitaus größte Zahl der Fußballfans sich friedlich auf den Heimweg begab, ließen mehrere hundert Karlsruher Stadionbesucher ihrem Frust freien Lauf. Im Bereich des „magischen Dreiecks“, also an der Ecke Adenauerring und Theodor-Heuß-Allee, wo sich regelmäßig die Ströme von Heim- und Gästefans begegnen, kam es zunächst zu verbalen Provokationen zwischen Karlsruhern und den rund 600 im umzäunten Bereich am Stadioneingang Ost stehenden Regensburgern. In der Folge entlud sich der Abstiegs-Unmut über den zwischen den Lagern stehenden Polizeibeamten. Im Schutz der Dunkelheit und des angrenzenden Waldes warfen Karlsruher Ultras und Hooligans immer wieder Steine, Flaschen, Holzprügel und Verkehrsleitkegel auf die Einsatzkräfte. Zudem feuerten sie Böller und Pyrotechnik in deren Richtung.

Ein weiterer Brennpunkt ergab sich an dem durch Gitter gesicherten Bereich hinter dem Stadion, wo sich bis zu 500 teilweise vermummte Fans versammelten und ihren Unmut zum Ausdruck brachten. Hier gelang es 150 Karlsruhern, in den gesicherten Bereich zu gelangen, wo sie offenbar die KSC-Geschäftsstelle und die Stadionwache stürmen wollten. Wie am Osteingang, musste die Polizei auch hier Pfefferspray und Hiebwaffen einsetzen. Nachdem es gelungen war, die Eindringlinge zurückzudrängen, trat eine gewisse Entspannung dadurch ein, dass Verantwortliche und Spieler des KSC das Gespräch mit den Wartenden suchten.

Gegen 23.40 Uhr konnten schließlich die Gäste-Busse mit Polizeibegleitung über den Adenauerring und das Durlacher Tor den Heimweg antreten.

Unterdessen kam es am „Nackten Mann“, also am Westeingang des Wildparkstadions, zu einem Angriff von rund 50 Randalierern gegen drei szenekundige Beamte – auch hier kamen schließlich Hiebwaffen und Pfefferspray zum Einsatz.

In direkter Nachbarschaft suchten über hundert sogenannter Fans die Auseinandersetzung mit der Polizei. Insgesamt 109 Personen wurden daraufhin von den Beamten eingeschlossen und in Gewahrsam genommen. In der Folge wurden bei diesen die Personalien einzeln erhoben, die Personen videografiert und Platzverweise ausgesprochen, denen letztlich auch Folge geleistet wurde. Diese Videoaufnahmen werden nun zu den weiteren strafrechtlichen Ermittlungen herangezogen.

Acht Personen wurden wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher und „einfacher“ Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung festgenommen; diese erwarten entsprechende Strafanzeigen.

Gegen 01.00 Uhr entspannte sich die Lage zusehends, so dass die Sicherheitskräfte nach und nach entlassen werden konnten. Gegen 03.00 Uhr war der Einsatz schließlich beendet.

Insgesamt hatte die Polizei 210 Beamte im Einsatz; dazu kamen 350 Ordner, so dass rund 560 Sicherheitskräfte eingesetzt waren. Der Kräfteansatz, bei dem auch der Abstieg des KSC berücksichtigt war, richtete sich unter anderem am neutralen Verhältnis der Heim- und der geringen Anzahl von Gästefans aus. Mit einem derartigen Gewaltausbruch war trotz verantwortungsvoller Planung nicht zu rechnen gewesen.

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