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Quelle

MIETHANER,  S., NESTMANN, F., MEURER, M. (2007):

"Bewertung urbaner Fliessgewässer - Methodenvergleich und Entwicklung eines neues Bewertungsansatzes"

Diplomarbeit am Institut für Wasser und Gewässerentwicklung, Universität Karlsruhe (TH)

Textauszüge konnten mit freundlicher Genehmigung von Susanne Miethaner übernommen werden.

Umsetzung & Ergänzungen

Online-Portal für Durlach
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Die Pfinz in Durlach

Die Pfinz in Durlach

Die Pfinz entspringt bei Straubenhardt im nördlichen Schwarzwald, schneidet anschließend das südliche Ende der Kraichgauer Hügellandschaft und verläuft ab Durlach im Oberrheingraben. Weiter nördlich mündet sie zusammen mit dem Saalbachkanal bei Rußheim in den Rhein.

Hydrologie

Übersicht über den Verlauf der Pfinz.

Unterhalb von Grötzingen befindet sich das Hühnerlochwehr, an dem ein Teil des Pfinzwassers einem Hochwasser-Entlastungskanal zugeschlagen wird. In das ursprüngliche Bett der Pfinz unterhalb des Wehres, d.h. in den Ortsbereich Durlach, wird maximal ein Abfluss von 5 m³/s geleitet, der restliche Anteil wird über den Entlastungskanal direkt dem Rhein zugeführt. Bei Mittelwasser führt die Durlacher Pfinz 1 - 1,5 m³/s, der mittlere Niedrigwasserabfluss beträgt 0,54 m³/s (SPANG.FISCHER.NATZSCHKA 2003, S. 37).

Geologie

Die Pfinz durchquert auf ihrem Weg verschiedene geologische Einheiten. Aus dem Buntsandstein des Nordschwarzwaldes kommend, durchläuft sie die lössbedeckte Muschelkalklandschaft des südlichen Kraichgaus und anschließend die jüngeren Talfüllungen der östlichen Randsenke der Oberrheinniederung (Kinzig-Murg-Rinne) (LGRB BW 1998). In Durlach prägen die kalkarmen Schwemmlehme der Kinzig-Murg-Rinne das Substrat des Gewässerbettes (LGRB BW 1998, SPANG.FISCHER.NATZSCHKA 2003). Allerdings bringt die Pfinz eine sehr hohe Lössfracht aus dem Kraichgau mit, die sich nach Eintritt in den Oberrheingraben aufgrund des niedrigen Gefälles ablagert (HASSLER, D., 1995, S. 42), sodass in Durlach der (schluffige) Lösslehm das Bettsubstrat mitbestimmt.

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Nutzungs- und Ausbaugeschichte

Kinzig-Murg-Rinne: ehemalige Flussniederung mit Sumpfgebiet (= blau) und dazwischen liegenden Kiesinseln (Ortskern von Durlach).
Kreuzungspunkt von Pfinz und Entlastungskanal (Hagsfeld).

Bis etwa 1000 n. Chr. war die östliche Randsenke des Oberrheingrabens eine Moor- und Sumpfzone, die von vielen kleinen Gewässerarmen durchzogen war (HASSLER, M., 1995). Auch die Pfinz teilte sich offenbar beim Eintritt in die Oberrheinebene in drei (oder mehr) Gewässerarme auf (KERN 2002). Ab dem Hochmittelalter kam es zu ersten größeren Maßnahmen im Bachbau, zunächst mit dem Ziel der Entwässerung: Bachläufe wurden geteilt, Bäche ausgebaut und regelmäßig ausgeräumt und zahlreiche Gräben angelegt (HASSLER, D., 1995). Rodungen und Ackernutzung im Kraichgau führten in der Pfinzaue zu z.T. mehrere Meter mächtigen Ablagerungen (KERN 2002). Die Schwemmfächer der Kraichgaubäche konnten nach und nach besiedelt werden, später auch tiefer liegende Geländeteile. Die Stadt Durlach (heute Karlsruhe zugehörig) wurde erstmals 1196 erwähnt. Mit der intensiveren Besiedlung ging auch eine verstärkte Nutzung der Pfinz u.a. zur Wiesenwässerung und Wasserkraftnutzung einher. Es wurden Mühlen errichtet, die aber bis auf die Durlacher Obermühle heute nicht mehr erhalten sind. Schließlich wurde in den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts mit der Pfinz-Saalbach-Korrektion eine wasserbauliche Großmaßnahme durchgeführt, die das Gewässersystem der gesamten Region noch einmal grundlegend veränderte. Neben der Vertiefung des Pfinzbettes (GEFAÖ 2005) ist als bedeutendste Neuerung der Bau des Pfinz-Entlastungskanals zu nennen (HASSLER, M., 1995).
Die Ufer der Durlacher Pfinz wurden teilweise mit Ufermauern befestigt. In den noch offenen Uferbereichen wurde 1986 eine Steinschüttung eingebracht, die mit dem Erdmaterial der Böschungen vermischt wurde, um diese zu stabilisieren.

Der heutige potenziell natürliche Gewässerzustand

Die intensive Nutzung des Kraichgaus und der Oberrheinebene haben das Aussehen der Fließgewässer so stark verändert, dass für die Ermittlung des heutigen potenziell natürlichen Zustandes nicht bzw. kaum auf naturnahe Referenzgewässer zurückgegriffen werden kann (FORSCHUNGSGRUPPE FLIEßGEWÄSSER 1994, LFU 1999).
Für die Pfinz auf der Gemarkung Karlsruhe beschreibt das "Gewässerentwicklungskonzept Pfinz (KA-Durlach bis Graben-Neudorf) und Alte Bach" (GEWÄSSERDIREKTION NÖRDLICHER OBERRHEIN, BEREICH KARLSRUHE (2000), zitiert nach SPANG.FISCHER.NATZSCHKA 2003, S. 27) folgendes Leitbild:

"Leitbild für die Pfinz ist [...] ein mäßig bis stark geschwungener Tieflandfluss mit Mäander-Wellenlängen von ca. 100 m und Amplituden von ca. 25 m. Die Betttiefe liegt bis zu 1,5 m unter Gelände. Eine potenzielle Gewässerbreite ist nicht genau zu rekonstruieren. Bordvolle Abflüsse treten 1-2 mal pro Jahr auf. Das Gefälle ist gering und beträgt nur etwa 1-2 Promille.
Das Querprofil ist kompakt und muldenförmig, mit langgezogenen Kolken in den Außenkurven der Bögen des Gewässers. Das Sohlsubstrat ist im Wesentlichen lehmig-sandig.
Im Gewässer gedeihen gemäß dem Leitbild an gering beschatteten Stellen dichte Wasserpflanzenbestände. Das Gewässer wird von wenig über dem Wasserspiegel liegenden Auenwäldern mit Erlen und Eschen sowie von Erlen-Bruchwäldern begleitet. Auf den benachbarten trockeneren Niederterrassen wachsen Stieleichen-Hainbuchen-Wälder.
Zur Gewässerstruktur tragen vorwiegend Totholzablagerungen, Anlandungen und Wasserpflanzen bei. Am Ufer stehen weitständig Prallbäume. Das Potenzial zur eigendynamischen Entwicklung wird als mäßig eingeschätzt."

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Gewässerstruktur

Obermühle
Umgehungsgerinne
Trapezförmiges Querprofil

Bei km 33+400 befindet sich die Obermühle, die seit 1992 wieder als Wasserkraftanlage mit historischem Mühlrad in Betrieb ist. Die Absturzhöhe hinter dem Mühlrad beträgt 3,7 m. Um die gesamte Anlage führt ein 120 m langes, als raue Rampe gestaltetes Umgehungsgerinne. Im Ein- und Auslaufbereich des Gerinnes ist der Pfinz-Lauf in Mauern gefasst und stark aufgeweitet, was zur Bildung von Inseln und Bänken geführt hat. Am Einlauf der Rampe befindet sich ein unterströmtes Schütz, das die Durchgängigkeit bis auf wenige Tage im Jahr nicht behindert. Auf etwa 260 m Länge ist im Oberwasser der Mühle ein Rückstau festzustellen (SPANG.FISCHER.NATZSCHKA 2005, S. 8 u. 32). Unterhalb der Obermühle verlaufen mit einigen Metern Abstand von der Böschungsoberkante Straßen am Gewässer entlang. Das Querprofil der Pfinz hat hier die Form eines gegenüber dem Gelände stark eingetieften Trapezes, das linksseitig aufgeweitet ist, um einem Fußweg Raum zu geben, der einen direkten Zugang zum Wasser ermöglicht. Auf der rechten Böschung wachsen Gehölze, die von einigen offenen Stellen mit Nitro- und Neophytenvegetation unterbrochen werden. Am linken Ufer schließt sich direkt an das Gewässer ein schmaler Streifen gewässertypischer Krautfluren mit einzelnen Gehölzen an, der Großteil der Böschung ist mit Wiesen-/Rasenvegetation bewachsen.
Außerhalb der vermauerten Abschnitte sind die Böschungsfußbereiche mit großen Steinen vermischt. Sie sind unregelmäßig verteilt, sodass sich Bereiche intensiver Verbauung mit nahezu offenen Stellen abwechseln. Daher ist die Uferlinie stellenweise aufgelockert, mit kleinen Stillwasserbuchten und anderen Strukturen, die v.a. den Uferbäumen zu verdanken sind. Zugleich ist die Dynamik des Gewässerbetts durch die stabilisierende Wirkung der Steine eingeschränkt.
Die Sohle ist im gesamten Durlacher Abschnitt strukturreich und von variabler Tiefe. Neben den vorherrschenden Sanden finden sich häufig gröbere Substrate (Kies), sowie dichte Wasserpflanzenpolster. In den Uferausbuchtungen sind kleine Wurzelflächen und gröberes Totholz zu finden.
In Bezug auf das Leitbild weist das Gewässerbett der Pfinz in Durlach v.a. große Defizite in der Linienführung und im Querprofil (Eintiefung, geringe Breitenvarianz) auf. Dadurch sind schlammige Uferbermen nur lokal und ansatzweise vorhanden. Die Böschungsfußsicherungen und der schmale und lückige Saumstreifen entsprechen ebenfalls nicht dem potenziell natürlichen Zustand. Der Zustand der Sohle ist dagegen besser zu beurteilen. Die leitbildtypischen Substrate und Strukturen sind zumindest ansatzweise vorhanden, v.a. in Form von Wasserpflanzenpolstern, einer variablen Sohltiefe und kleinräumigem Substratwechsel.
Die schmalen Grünstreifen, die sich an der Pfinz entlang ziehen, bieten Potenzial für die Gewässerentwicklung. Schon mit Hilfe kleinräumiger Maßnahmen ließe sich z.B. die Breitenvariabilität erhöhen, wodurch Strömungsvielfalt und Tiefenvarianz zunehmen würden. Entlang von Spazierwegen wären solche Maßnahmen auch optisch ansprechend.
Die Anbindung der Pfinz an das öffentliche Wegenetz, in Form von Rad- und Fußwegen, ist durchgehend sehr gut, während direkte Zugangsmöglichkeiten nur in der Grünanlage unterhalb der Obermühle und oberhalb der Mühle stellenweise am rechten Ufer bestehen. Durch die sehr starke Eintiefung der Pfinz im Bereich direkt unterhalb der Obermühle ist die Erlebbarkeit dieses sehr attraktiven und charakteristischen Abschnittes eingeschränkt.

Stark eingetiefter Bereich unterhalb der Obermühle.

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Gewässerstrukturgütekartierung

Kilometerangabe Pfinz

Die Gewässerstrukturgütekartierung erfasst die ökomorphologischen Parameter eines Gewässers. Hauptparameter sind dabei Laufentwicklung, Längsprofil, Sohlenstruktur, Querprofil, Uferstruktur und das Gewässerumfeld. Es werden sieben Gütestufen unterschieden:

Farben der Gütestufen von 1 bis 7

1 = unverändert
Die Gewässerstruktur entspricht dem potenziell natürlichen Zustand.

2 = gering verändert
Die Gewässerstruktur ist durch einzelne, kleinräumige Eingriffe nur gering beeinflusst.

3 = mäßig verändert
Die Gewässerstruktur ist durch mehrere kleinräumige Eingriffe nur mäßig beeinflusst.

4 = deutlich verändert
Die Gewässerstruktur ist durch verschiedene Eingriffe z.B. in Sohle, Ufer, durch Rückstau und/oder Nutzung in der Aue deutlich beeinflusst.

5 = stark verändert
Die Gewässerstruktur ist durch die Kombination von Eingriffen z.B. in die Linienführung, durch Uferverbau, Querbauwerke, Stauregulierung, Anlagen zum Hochwasserschutz und/oder durch die Nutzungen in der Aue beeinträchtigt.

6 = sehr stark verändert
Die Gewässerstruktur ist durch die Kombination von Eingriffen z.B. in die Linienführung, durch Uferverbau, Querbauwerke, Stauregulierung, Anlagen zum Hochwasserschutz und/oder durch die Nutzungen in der Aue stark beeinträchtigt.

7 = vollständig verändert
Die Gewässerstruktur ist durch Eingriffe z.B. in die Linienführung, durch Uferverbau, Querbauwerke, Stauregulierung, Anlagen zum Hochwasserschutz und/oder durch die Nutzungen in der Aue vollständig verändert.

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Weitere Informationen

Gewässerstruktur der Fließgewässer in Baden-Württemberg
(LUBW - Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz BW)

Gewässerstrukturgütekartierung in Baden-Württemberg
(LUBW - Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz BW)
PDF downloaden

Methodik der Gewässerstrukturgütekartierung von Fließgewässern:
Das Landesportal Hessen stellt die aktuelle Kartieranleitung der LAWA (Länderarbeitsgemeinschaft Wasser) als Download zu Verfügung.

Zentraler Kartenservice zur Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)
(LUBW - Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz BW)

Grundlage für Karte "Kinzig-Murg-Rinne"
- OpenStreetMap - The Free Wiki World Map zum Kartenwerk

Grundlage für Karte "Kilometerangabe Pfinz"
- OpenStreetMap - The Free Wiki World Map zum Kartenwerk

Literatur

FORSCHUNGSGRUPPE FLIEßGEWÄSSER (1994): Fließgewässertypologie - Ergebnisse interdisziplinärer Studien an naturnahen Fließgewässern und Auen in Baden-Württemberg mit Schwerpunkt Buntsandstein-Odenwald und Oberrheinebene. ecomed, Landsberg am Lech. (Umweltforschung in Baden-Württemberg)

GEFAÖ (Gesellschaft für angewandte Ökologie und Umweltplanung mbH) (2005): Gewässerentwicklungsplan Pfinz (Gewässer I. Ordnung). Im Auftrag der Gewässerdirektion Nördlicher Oberrhein, Bereich Karlsruhe.

HASSLER, D. (1995): Tausend Jahre Mühe und kein Ende: Die Geschichte des Bachbaus in Kraichgau, Hardt und Bruhrain. In: HASSLER, D., HASSLER, M., GLASER, K.-H. (1995): Wässerwiesen - Geschichte, Technik und Ökologie der bewässerten Wiesen, Bäche und Gräben in Kraichgau, Hardt und Bruhrain ( = Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg 87), S. 40-61.

HASSLER, M. (1995): Ein "Sumpf ohne Ende": Die Randsenke zwischen Durlach und Bruchsal. a.a.O., S. 218-223.

KERN, K. (Ingenieurbüro für Landschaftswasserbau Dr.-Ing. Klaus Kern) (2002, teilweise verändert 2003): Vorläufige Einstufung der Oberflächengewässer nach der Wasserrahmenrichtlinie in Baden-Württemberg - Methodik zur Kategorisierung künstlicher und erheblich veränderter Gewässer. Überarbeiteter Abschlussbericht.
www.wrrl-info.de/docs/BaWue_Methodik_HMWB.doc

LfU (Landesanstalt für Umweltschutz) (1999): Die Gewässerlandschaften Baden-Württembergs. Oberirdische Gewässer, Gewässerökologie 53.

LGRB BW (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg) (Hrsg.) (1998): Geologische Schulkarte von Baden-Württemberg 1:1000000. Freiburg i.Br.

Spang.Fischer.Natzschka.Partnerschaft (2003): Gewässerentwicklungsplan für die Pfinz auf Gemarkung der Stadt Karlsruhe. Im Auftrag des Tiefbauamtes Karlsruhe.

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