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Opfer- und Traumaambulanz Karlsruhe jetzt mitten in der Stadt

Opfer- und Traumaambulanz Karlsruhe/Baden. Grafik: pm

Grafik: pm

Die Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. hat die neuen Räume ihrer Opfer- und Traumaambulanz Karlsruhe/Baden (OTA) in der Beethovenstraße 11 eingeweiht.

Seit November 2014 arbeitete die Opfer- und Traumaambulanz Karlsruhe/Baden (OTA)  in der Stephanienstraße. Nach drei Jahren war es dort jedoch zu eng geworden. BIOS-Vorsitzender Klaus Böhm berichtete, dass Wartende im schmalen Gang sitzen mussten. In der Stephanienstraße  ist weiterhin das Verwaltungsteam untergebracht. Für die OTA konnten Räume am Haydnplatz gefunden werden. Bürgermeister Klaus Stapf, zusammen mit dem von Peter Kappes vertretenen Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, Schirmherr der OTA, lobte den Standort als Zeichen. Menschen, die infolge einer Straftat traumatisiert sind und Hilfe suchen, müssten nicht an den Stadtrand von Karlsruhe gehen, um Hilfe zu bekommen. Es werde ihnen an einem der schönsten Orte Karlsruhe die Möglichkeit angeboten, „wieder zu ihrer Mitte zu finden.“

238 Menschen haben in den drei Jahren die OTA Karlsruhe aufgesucht (Stand 23. Oktober 2017). Mehr als die Hälfte waren Opfer von Gewalt geworden, ein weiteres Viertel hatte sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigungen erlebt. Dr. Gustav Wirtz, Leitender Oberarzt an der SRH-RPK-Klinik in Karlsbad, hob hervor, dass die gleichbleibend hohen Zahlen die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung eindrücklich belegten. Wirtz betonte auch, dass von Traumatisierungen nicht hauptsächlich Frauen betroffen seien, im Gegenteil. 70 bis 80 Prozent der Betroffenen seien Männer. Sie suchten aber seltener professionelle Hilfe als Frauen. In der OTA Karlsruhe/Baden wächst ihr Anteil kontinuierlich von anfangs 20 auf inzwischen 33 Prozent, zwei Drittel seien allerdings noch immer Frauen.

Diplompsychologin Marianne Mahr, Leiterin der OTA, berichtete über die Schicksale von Menschen, die sich an die OTA gewandt haben. Unter ihnen ein Student, dessen Vater in seiner Heimat ermordet worden war und eine kaufmännische Angestellte, die im Kassenbereich mit einem Messer bedroht und zur Geldherausgabe gezwungen worden war. In den meisten Fällen genügten zwei bis drei Gespräche, dass Betroffene ihren Rückzug von der Außenwelt, ihre Ängste und depressive Stimmung überwinden und in ihr altes Leben zurückkehren konnten, berichtete Mahr.

Klaus Böhm betonte, dass die OTA Karlsruhe/Baden genau für solche akuten Kriseninterventionen gegründet wurde. Langzeittherapien, die aber in den meisten Fällen nicht erforderlich seien, müssten von anderen Einrichtungen geleistet werden. Besonders wichtig sei das niederschwellige Angebot der Karlsruher OTA. Anders als andere Einrichtungen in Baden-Württemberg ist sie nicht an die Psychiatrie angebunden. „Es ist für das Opfer einer Straftat schon befremdlich, wenn es wegen seiner Ängste in die Psychiatrie geschickt wird“, so Böhm im Pressegespräch, das der Einweihungsfeier vorausging.

Die meisten Menschen finden den Weg zur OTA über die Polizei. Dort werden sowohl Opfer von Straftaten als auch Zeugen auf das Angebot hingewiesen. Aber auch der Weiße Ring, Ärzte und Beratungsstellen machen Menschen auf die OTA Karlsruhe aufmerksam.

von pm/cg veröffentlicht am 03.11.2017

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